Weltsicht aus der Nische

Bürger, Musiker, Komponist (autonom, aber vernetzt)

Tag: Zeitgenössische Klassische Musik

Dollfuss über musikalische Eigenständigkeit

Eigenständigkeit, die gerne mit Originalität verwechselt wird, entsteht aus Fachwissen. Das lässt sich ganz einfach auf das Gebiet Neue Musik anwenden, und ist meines Erachtens ein Grund dafür, warum sehr viele neue Kompositionen gleich klingen – es wird eben nicht gefördert, Fachwissen zu sammeln, spezifisches Wissen, sondern man strebt eher danach, den allgemein akzeptierten Kanon zu studieren.

Philipp E. Dollfuss: “Keine Scheu vorm Epigonalen (Teil 1)“, Blog-Artikel vom 27. September 2014

Wissensdatenbank, aktualisiert

Habe seit längerer Zeit mal wieder die Wissensdatenbank auf meiner Homepage aktualisiert. Wer sich für die technische Seite meiner kompositorischen Arbeit interessiert, erfährt hier eine Menge Details. Wer nicht technik-affin ist, wird lediglich mit den Augen rollen.

Die Datenbank hat drei Abteilungen:

Alle Texte sind auf Englisch.

Lehmann in Darmstadt

Kurz gesagt, ist für Harry Lehmann der Neue Konzeptualismus (und sein historischer Vorläufer Fluxus) ein Trigger der längst überfälligen Wende in der Kunstmusik vom Interesse am Material zum Interesse an sozial relevanten Gehalten. Allerdings schöpft – seiner Meinung nach – der heutige musikalische Konzeptualismus das Potential dieser von ihm favorisierten musique engagée (meine Formulierung) nicht aus, weil er weitgehend “anästhetisch” operiere (vgl. Kreidlers Diktum “Je unmusikalischer, desto besser.“). Ihre volle Wirkung könnten gehaltsästhetische Werke, so Lehmann, allerdings erst entfalten, wenn sie diese Verweigerungshaltung aufgäben:

Clapping Music vocalized

Der frühe Reich war ja bekanntermaßen Konzeptualist. Trotzdem ist das einfach gute Musik. Warum also Konzept und Ästhetik generell nicht zusammengehen sollen, verstehe ich nicht.

Auch dies übrigens eine Produktion aus dem Hause Williams.

Zäh ist sie schon, die Digitalisierung der Kunstmusik

Zu dieser Erkenntnis kann man kommen, liest man Johannes Kreidlers eben im Fachblatt Positionen erschienenen heiteren Besinnungsaufsatz über seinen digitalisierten Alltag als eKomponist “Mein tägliches Festival”. Wenigstens weiß ich jetzt aus berufenem Munde, wo ich mit der “Weltsicht” stehe in der Hitparade der deutschsprachigen Kunstmusik-Blogs: auf Platz 2 nach Moritz Eggerts und Alexander Strauchs Bad Blog of Musick.

Wow.

Ein bisschen relativiert wird das allerdings dadurch, dass Kreidler überhaupt nur 4 nennenswerte derartige Blogs bekannt sind (die ich alle in meiner Blogroll aufführe). “Vergessen” hat er lediglich Philipp E. Dollfußens knopfspiel – aber das ist ja auch noch ein recht junges Projekt.

Es ist irgendwie faszinierend und, Entschuldigung, beruhigend, dass die Konkurrenz so klein ist. Wie viele “offizielle” eKomponisten gibt’s noch mal im deutschsprachigen Raum? Jedenfalls möchten sich ganz offensichtlich nur ein halbes Dutzend davon regelmäßig in der (Netz-)Öffentlichkeit über ihre Arbeit äußern. Erstaunlich. Und was macht der Rest? Ich meine, wenn er nicht grade komponiert (denn bekanntermaßen komponieren eKomponistInnen pausenlos)?

Gut, ein Komponist muss nicht schreiben – aber sie könnte ja auch einfach ihre Musik posten (als billiges MIDI-Demo, oder als Partiturfragment, dann ist ein Missbrauch hochunwahrscheinlich). Macht sie aber auch nicht? Warum eigentlich?

Worauf warten all diese schöpferischen Menschen? Was treiben sie? Wie verbringen sie ihre Zeit? Wie finden sie neue Gesprächspartner? Wie knüpfen sie ihre Netzwerke?

Eins ist klar: Ganz offensichtlich nicht in der Blogosphäre. Aber wo dann? Auf Facebook? Google Plus? Twitter? Oder – und das erscheint mir wahrscheinlicher – durch beharrliches, demütigendes Antichambrieren vor MusikhochschulprofessorInnensprechzimmern? Durch beharrliche, demütigende Teilnahme an Kompositionswettbewerben, deren Gewinn (außer ein bisschen Geld) keinerlei Konsequenzen nach sich zieht? Durch den beharrlichen, demütigenden Versuch, einen Kompositionsauftrag zu ergattern, bei dem es vor allem darum geht, das beauftragende Ensemble gut dastehen zu lassen? Oder so.

Ok.

Ist das vielleicht der ganz profane Grund, warum ein Gutteil der mir bekannten Neuen Musik gerade jüngerer Kräfte schlicht, äh, “depressionistisch” rüberkommt oder, was noch schlimmer ist, heulsusig?

Nein, das kann nicht sein, das muss ganz andere Gründe haben. Schließlich steht die Welt ja am Abgrund oder so. Die sensible Künstlerin spürt das natürlich besonders, klar.

Logisch.

Und einer der Gründe, warum das so ist, ist bekanntlich das böhse Internet.

Mit seinen sozialen Netzwerken und so.

“Da wär ich ja blöd, als tief besorgter, ernster Künstler, mich da auch noch zu beteiligen. Ich käme mir irgendwie beschmutzt vor, unrein, besudelt. Schließlich gibt es ja bekanntermaßen kein richtiges Leben im F…”

Ist es das? Oder fantasiere ich mir hier was zusammen?

Hallo?

Ist da jemand?

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 52 Followern an