Warum ich vielleicht doch kein erfolgreicher Komponist werden möchte

Im Rahmen einer Recherche stieß ich auf folgenden Satz des Musikkritikers Manuel Brug (*1965), der am 4. September 2007 der WELT veröffentlicht wurde:

Zum Hören gibt es eine überinstrumentiert drittklassige, von … [es folgen der Name des Dirigenten und des Klangkörpers] gleißend aufgeschäumte Musik zwischen Rummelplatz und Gekreisch, die sich in ihren besseren Momenten anhört wie durch den Zwölftonfleischwolf gewursteter Weill.

Uff – ich stelle mir vor, Brug hätte das über eines meiner Elaborate geschrieben: ich wäre vor Scham in den Boden versunken. Dieser Hass! Diese Häme! Der Komponist, um dessen Musik es hier ging, hat übrigens exakt Brugs Alter und ist bereits recht etabliert, um nicht zu sagen Teil des Neue-Musik-Establishments.

Ich habe schon Hunderte von Rezensionen über Belletristik, Sachbücher, Malerei, Theater, vor allem aber verschiedenste Arten von Musik gelesen, verfüge also über eine gewisse Erfahrung, aber eine derartig harte, scharfrichterartige Aburteilung ohne jede Gnade ist mir dabei selten begegnet. Dem Rezensenten scheint es wirklich darum gegangen zu sein, den Komponisten „fertigzumachen“, ihn persönlich zu demütigen und zu entwürdigen. Dazu noch auf komplett humorlose Art und Weise.

Wenn das so ist (und die WELT ist ja kein Käseblatt, wenn auch aus dem Hause Springer), dann möchte ich vielleicht doch lieber kein „im Rampenlicht stehender“ Komponist Zeitgenössischer Klassischer Musik werden. Gelten in diesem Genre denn andere, „härtere“ Regeln als beispielsweise in der Kritik Zeitgenössischer Bildender Kunst? Und, falls ja, warum?

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