Künstliche Intelligenz und kompositorische Intentionalität

"Iamus", ein Rechner zur Partitursynthese an der Universität von Malaga (Spanien)
„Iamus“, ein Rechner zur Partitursynthese an der Universität von Malaga (Spanien)

Was vorher geschah

FREITAG-Redakteur Michael Jäger hörte besser als ich und merkte gleich, welche Musik maschinen- und welche menschengemacht war. Vor allem habe er sofort gespürt, dass die Iamus-Stücke „auf nichts hinausliefen“, sie entbehrten für ihn jeglicher „Intentionalität„.

Das Argument, es gebe ja auch Kompositionen von Menschen, die, etwa durch Verwendung mathematischer oder aleatorischer Kompositionstechniken, eine intentionale Gestaltung der Musik zu unterlaufen versuchen, schmettert er anhand zweier Gegenbeispiele ab: Pierre Boulez und John Cage.

Der erste Abschnitt der „Structures“ für zwei Klaviere von Pierre Boulez aus dem Jahr 1952 entwickle sich zwar ebenfalls ausschließlich aus vom Komponisten festgelegten „Axiomen“, diese seien jedoch, anders als bei Iamus, „neu und einmalig“ (gewesen, möchte ich hier hinzufügen). Was genau aber Boulez‘ Rechenkünste besser („intentionaler“?) macht als den Output des andalusischen Rechners, sagt er nicht.

Im Falle von John Cages Verwendung von Zufallsoperationen behauptet er schlicht: „Diese Anordnungen selber sind aber seine Handschrift, und er betont auch immer wieder, dass er derjenige ist, der ‚die Fragen stellt‘.“ Nun, das klingt ein bisschen wie „Cage bleibt Cage, egal was er macht“. Das mag ja sein – aber ein Argument gegen musikalische Expertensysteme ist das nun wirklich nicht!

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