Spitzer und der Sichtbeton

Dr. phil. habil. Martin Lindner am 22. August zu Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzers Buch „Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen„, das heute in den deutschen Amazon-Charts Platz 18 belegt:

Spitzer hat … nicht die geringste Ahnung vom Web, also von dem Teil des Internets, in dem ständig Wissen, Informationen und auch Gefühle ausgetauscht werden. Der gerade in den letzten 15 Jahren boomt: mit Blogs, mit Wikis, mit den 1001 neuen Services, die nur dazu da sind, selbst mitzumachen, mitzuschreiben, zusammen etwas zu erzeugen, das größer ist als die Summe der Teile. In dem gerade Leute aus Randgruppen sehr schnell lernen können, was sie früher nie hätten lernen können: es nützt wissenshungrigen Jugendlichen aus deklassierten Schichten und Weltgegenden, aber auch weltfremden Bücherwürmern.

Die ambivalente Wirkung des Internets in der Gesellschaft scheint der des Sichtbetons in der Architektur zu entsprechen: Es kommt darauf an, was man daraus macht.

Abgesehen davon: Wenn Prof. Dr. Dr. Spitzers Buch auch nur halb so unseriös ist, wie das Dr. phil. habil. Lindner in seinem Blog-Artikel belegt, hat dieser (also Spitzer jetzt) die Bezeichnung „Thilo Sarrazin der Internet-Debatte“ wahrlich verdient!

2 Kommentare zu „Spitzer und der Sichtbeton

  1. …hat dieser (also Spitzer jetzt) die Bezeichnung “Thilo Sarrazin der Internet-Debatte” wahrlich verdient!

    Ja, hat er. Kulturpessimismus hatte ja noch nie einen Wert und ist nichts anderes als eine „früher-war-alles-besser“-Alterserscheinung. Deshalb ist die digitale Demenz auch eine reine Fiktion und widerspricht dem, was der Bremer Gehirnforscher Prof. Gerhard Roth auch hier geäußert hat, nämlich dass das Internet nach Sprache und Schrift der dritte Intelligenzverstärker der Menschheit ist. Die tatsächliche Bedeutung der eletronischen Vernetzung ist bei vielen – vor allem älteren – Menschen noch nicht angekommen; bei manchen wird sie das wohl auch nicht mehr…

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  2. Die ü50er Dogmatiker der analogen Beziehungspflege sind bisweilen nicht in der Lage, erhellenden Erzählungen über die Vorteile digitaler Vernetzung überhaupt nur zu folgen. Das ist immer wieder ein faszinierendes Schauspiel.

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