Schlippenbachs Komposition „Globe Unity 70“

Offenbar machte es Bandleader und Pianist Alexander von Schlippenbach (übrigens weiß ich jetzt endlich, wer Kurt Cobains visuelles role model war…) nichts aus, dass man von seinem (vermutlich hervorragenden) Klavierspiel so gut wie gar nichts mitbekam in seinem von extrovertierten Bläsern und Perkussionsisten dominierten Ensemble. Vielleicht kann man die brettartige Spielhilfe, die er in dieser Aufführung gelegentlich verwendet, ja sogar als ironischen bzw. sarkastischen Kommentar zu diesem akustischen Missstand auffassen.

Mir ist in diesem gut halbstündigen Video nur ein hörbarer Schnitt aufgefallen (zwischen den Soli von Gitarrist Derek Bailey und Trompeter Enrico Rava), man bekommt also einen ganz guten Eindruck, wie das damals gewirkt haben muss.

Vorbildlich, wie einfühlsam die Bildregie zumindest versucht, die musikalischen Vorgänge visuell zu unterstützen – die Überblendungen wirken niemals unmotiviert bzw. beliebig. So ganz fremdartig und unverständlich können Schlippenbachs Konzepte also selbst 1970 nicht gewesen sein.

Hört man sich zum Vergleich einmal die fünfminütige Ouvertüre von Bernd Alois Zimmermanns fünf Jahre vor diesem Video uraufgeführter Oper „Die Soldaten“ an (z. B. hier), spürt man mehr als deutlich die Familienähnlichkeit zwischen diesen Musiken. Kein Wunder, wo Schlippenbach doch bei Zimmermann Komposition studiert hat.

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