Lehmann über philosophische Dekonstruktion

Werke wie „Sein und Zeit“, die „Dialektik der Aufklärung“, „Wahrheit und Methode“ oder die „Ästhetische Theorie“ nahmen Letztbegründungsargumente in Anspruch, von denen aus sich die Welt als Ganze noch einmal beschreiben und bewerten ließ – ohne mitzureflektieren, dass es sich um eine Konstruktion gehandelt hat. Die philosophische Postmoderne entsteht aus einer Kritik solcher Werke, aus der Einsicht, dass selbst diese aufgeklärtesten Philosophiekonzepte der Moderne noch auf quasi-metaphysischen Prämissen beruhen. Ihr methodologisches Leitmotiv heißt ‚Dekonstruktion‘. Mit seiner Hilfe lässt sich der Nachweis erbringen, dass jede normative Unterscheidung eine Setzung ist – und sich dekonstruieren lässt. Letztendlich hat Derrida hier das Prinzip aller Poesie auf den Begriff gebracht und philosophisch generalisiert: Ein Satz geht in seinem propositionalem Gehalt nicht auf, sondern besitzt einen performativen Verweisungsüberschuss, an dem sich sinnwidrig zur Normalkommunikation anknüpfen lässt.

Harry Lehmann: „Was ist Philosophie?„, 2007 (S. 120)

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