MIDI-Editoren Cubase, MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu)
Temperierung Keyboard I: gleichschwebend, Keyboard II: gleichschwebend mit migrierendem Kammerton (siehe Kompositionsnotiz)
Sample-Bibliothek Yamaha C5-Konzertflügel
Sample-Renderer Virtual MIDI Synth
Kompositionsnotiz
Am 1. Juni 2012 improvisierte ich im Duo mit dem Saxofonisten Markus Zitzmann eine ca. 25-minütige Sequenz auf dem MIDI-Keyboard, die ich selber auf dem Rechner mitschnitt. Leider war ich an diesem Tag aufnahmetechnisch nicht ganz auf der Höhe, so dass der Sequenzer das Audiosignal des Saxofons und das des Keyboards auf einer Monospur aufnahm. Zudem waren die Klavierklänge viel zu laut abgenommen. Die Musik war zwar nicht schlecht, aber durch meinen Aufnahmemurks nicht zu gebrauchen. Ärgerlich!
Nun hatte ich aber die MIDI-Daten meiner Keyboard-Improvisation ebenfalls aufgezeichnet. Ich isolierte diese und erklärte sie, rund ein halbes Jahr später, zum Ausgangsmaterial einer eigenständigen Komposition.
Zunächst verdoppelte ich die Daten und wies sie 2 virtuellen Klavieren zu. Das erste nannte ich „GoodBosendorfer“ (GB / Keyboard I), das zweite „EvilBosendorfer“ (EB / Keyboard II). Die Daten von Keyboard II kehrte ich im Sequenzer um, d. h. die Notenwerte erklangen nun in umgedrehter Reihenfolge und auch die Haltepedal-Befehle wurden umgekehrt.
Das so hergestellte Material für 2 Klaviere erschien mir zwar schon recht vielversprechend, aber viel zu dicht. So löschte ich mithilfe eines Algorithmus‘ jede fünfte Note in beiden Parts und wiederholte dies so lange, bis mir die Musik durchhörbar erschien, aber noch nicht zu ausgedünnt. Durch Ausprobieren stellte sich heraus, dass eine fünfmalige Wiederholung dieses Verfahrens das für meine Ohren beste Ergebnis erbrachte.
Anschließend zeichnete ich eine einzige, sich über den gesamten Verlauf des Stücks ausdehnende, Dreieckswelle aus Tonhöhenbeugungswerten in die Controller-Spur der Daten von Keyboard II ein. Exakt in der Mitte des Stücks sollte die Tonhöhenabweichung am Stärksten sein, nämlich -50 Cent. Der Kammerton des Keyboards II wanderte nun innerhalb von 25 Minuten ganz allmählich bis zu einem Viertelton nach unten und kehrte dann ebenso allmählich wieder zum Standardwert von a1 = 440 Hz zurück:

Leider wurde eine Realisierung von «Ocean» durch 2 Kohlenstoffweltklaviere dadurch unmöglich, aber man kann eben nicht alles haben. Dafür handelt es sich aber nach meinem Kenntnisstand um das erste Stück Kunstmusik, das einen Kammerton mit Migrationshintergrund vorweisen kann. Doch eine Aufführung für ein reales und ein gesampeltes Selbstspielklavier, die via MIDI synchronisiert sind, erscheint mir durchaus machbar.