Stör:Termin#12 (2013-03-03) – Die Videodoku

Hauptstörenfriede:
Jan Polacek – Autoinduktive Gitarre, Taschentrompete
Carola Thieme – Stimme
Jochen Volpert – E-Gitarre

Kamera, Schnitt: Carola Thieme
Projekt-Blog raumquartier
Hier gibt’s einen Audiomitschnitt in besserer Tonqualität.

8 Kommentare zu „Stör:Termin#12 (2013-03-03) – Die Videodoku

  1. Musst es ja nicht anhören 😉 Außerdem geht es hier ja um eine Archivierung, nicht um ein Konsumangebot. Der Event ist jetzt eben ins Digitale Archiv eingeschrieben und kann – je nach Lust und Laune – abgerufen werden. Das kann ja auch in einem halben Jahr sein. Die Archivierung ist deswegen sinnvoll, weil es sich um Improvisierte Musik handelt, d. h. es ist tatsächlich irreproduzible, genuine Musik ohne Wiederholungen.

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  2. Ein Blog ist nicht in erster Linie ein Archiv, es vergeht einem ja schon die Lust, wenn sich die Startseite im Zeitlupentempo mit 12 Videofenstern öffnet. Dieser Overkill belegt exemplarisch auch ein zentrales Problem der Freien Improvisation: Die Improvisierenden spielen im besten Fall noch für sich selbst. Ein Zuhörer, Beobachter oder ein Publikum wird evtl. geduldet, aber ansonsten nicht mehr berücksichtigt. Warum dann überhaupt eine öffentliche Aufführung/Videoveröffentlichung? Sollte so etwas nicht besser im Privaten stattfinden (analog zu deinem Impro-/Masturbationsvergleich)?

    Bei der aktuellen Aufbereitung jedenfalls nicht beschweren, wenn es niemand anhört und keinen interessiert.

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  3. @Dennis (ich nehm mal stark an, dass du es bist, du tauchst hier als „Anonym“ auf):

    Ein Blog ist nicht in erster Linie ein Archiv […].

    Falsch: Ein Blog ist in erster Linie das, was man will, das es ist. Es ist eine offene Form.

    … es vergeht einem ja schon die Lust, wenn sich die Startseite im Zeitlupentempo mit 12 Videofenstern öffnet.

    Das muss an deiner Internetverbindung liegen, bei mir läuft’s flott. Außerdem empfehle ich dringend, nicht alle 12 Videos gleichzeitig anzuschauen: es könnten Details verlorengehen 😉

    Die Improvisierenden spielen im besten Fall noch für sich selbst.

    Jeder Musiker spielt (hoffentlich) ein Stück weit „für sich selbst“, d. h., er macht Musik um ihrer selbst willen, nicht um anderen bloß zu gefallen. Ansonsten würde er ja zum reinen Dienstleister bzw. zur bitch, die ihre Talente an den Meistbietenden verkauft, ohne irgendetwas dabei zu empfinden. Improvisierte Musik ist die am wenigsten entfremdete Art, Musik zu machen. In diesem Sinne ist sie sogar allen anderen Arten des Musikmachens überlegen. Der Musiker ist beim freien Improvisieren ganz „bei sich“. Ich bin überzeugt davon, dass ein sensibles Publikum so etwas spürt, auch wenn es stilistisch mit der Musik unvertraut sein mag.

    … ein Publikum wird evtl. geduldet, aber ansonsten nicht mehr berücksichtigt.

    Wer „für“ ein Publikum, oder gar „das“ Publikum spielt, maßt sich an, zu wissen, was es will. Aber woher bezieht er eigentlich dieses Wissen? Nach meiner Erfahrung wird Musik umso vulgärer und unkünstlerischer, je kalkuliert „publikumsorientierter“ sie ist. Da werden dann einfach die Grundbedürfnisse des menschlichen Wunsches, Musik zu hören, ausgebeutet: Melodie-Orientiertheit, Periodizität, Funktionsharmonik, repetitive Rhythmik. Gewisse, klar definierbare Komponenten müssen „dabei“ sein, dann läuft die Chose automatisch „gut“. Mir ist aufgefallen, das geistig Behinderte mit großer Begeisterung volkstümliche Musik hören. Warum? Weil man diese Musik fast ohne mentalen Aufwand rein „körperlich“ genießen kann – sie ist sozusagen psychoakustisch optimiert (Politisch inkorrekte Nebenbemerkung: Auch Kleinkinder, Demenzpatienten und hochgradig betrunkene Normalos lieben volkstümliche Musik – allerdings schämen sich die Normalos dafür, wenn sie wieder nüchtern sind.). – „Publikumsorientiertheit“ ist demzufolge als ästhetisches Kriterium ebenso untauglich wie „Publikumsferne“ (das gilt übrigens auch für das oft verwendete Begriffspaar „kommerzielle / unkommerzielle Musik“).

    Warum dann überhaupt eine öffentliche Aufführung/Videoveröffentlichung?

    Prinzip Flaschenpost.

    Sollte so etwas nicht besser im Privaten stattfinden?

    Da hat es seinen Ursprung – aber, wie alle Kunst, will „es“ natürlich hinaus, „es“ stellt sich auf den Marktplatz, stellt sich einer, wenn auch noch so kleinen, Öffentlichkeit, will mitmischen im Diskurs. Muss man das eigentlich extra erklären? Oder soll ich dich so verstehen, dass derartig eigenwillige Musik eigentlich nicht in die Öffentlichkeit gehört, weil sie das, hm, „gesunde Volksempfinden“ verletzt?

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  4. Lieber Stefan,

    Natürlich darfst du auf deinen Blog stellen was du willst. Ich bemängele nur die lieblose Form der Präsentation. 12x 50-60 Min sprengen einfach jeden Rahmen und kann kein Mensch bewältigen.

    Nicht umsonst ist Formenlehre auch ein Kernfach der musikalischen Ausbildung. Vor der Veröffentlichung muss der eigene kreative Prozess gesichtet, kritisch beurteilt, selektiert, evtl. editiert oder aufbereitet werden und dann in einer sinnvollen Dosis präsentiert werden. Lässt man diesen Teil der Arbeit weg, muss man entweder ein Genie sein oder es wird für den Betrachter schnell langwierig und öde, insbesondere wenn – wie bei einem Video – der Performance-Charakter wegfällt.

    Die Alternative wäre es alles zur Kunst zu erklären. Dann kannst du dir eine Action-Cam auf den Kopf kleben und 24/7 streamen.

    Und schließlich: Bitte nicht alles in Dichotomien gegenüberstellen (kommerziell/unkommerziell, frei/unfrei, U-Musik/E-Musik, pimp/bitch usw.) ich denke das wirkliche Leben spielt sich zwischen diesen extremen Polen ab. Es soll sogar schon ernste U-Musiker gegeben haben, die freiwillig kommerziell arbeiten und Spaß dabei haben. Was sagst du dazu?

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  5. @Dennis: Eine Dokumentation ist kein Konzert und will auch nicht so gehört werden. Es geht um die ungekürzte, ungeschönte und ungeschützte (!), sozusagen rohe Archivierung eines kreativen Prozesses. Man muss das nicht „bewältigen“, man kann aber damit arbeiten oder sogar spielen, wenn man will. Es ist eben Material für erwachsene Hörer, nicht für Konsumenten.

    Improvisierte Musik unterläuft per definitionem die klassische Formenlehre – nicht, weil sie formlos, sondern weil sie permanente Formwerdung ist, weil ihr ureigenes Thema ja gerade das Entstehen, Vergehen und, ja, mitunter auch das Scheitern von Formgebung ist. In diesem Sinn ist Improvisierte Musik immer auch „Musik über Musik“, in jedem Fall aber Musik über das Entstehen von Form (die paradoxerweise über diese Konzeptualisierung natürlich selber wieder zu einer anderen Art von „Form“ findet). Deine Formkritik läuft also ins Leere.

    Weiterhin: Die (unfruchtbaren) Dichotomien „Publikumsferne / Publikumsnähe“, „kommerziell / unkommerziell“ bzw. „U-Musik / E-Musik“ kommen von dir – ich lehne sie, wie gesagt, als ästhetische Kriterien ab.

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