Gibson über Punk

Punk war die wahrscheinlich letzte vordigitale Gegenkultur. Es gab damals keine Downloads, keine Websites. […] Punk musste lokal ausgebrütet werden. Vielleicht hat er deshalb auch eine solche Kraft entfalten können.

William Gibson: Interview im SPIEGEL #12 vom 18.03.2013 (S. 135)

Werbeanzeigen

6 Kommentare zu „Gibson über Punk

  1. Punk ist ein Phänomen der 1970er, das Internet entfaltete seine Wirkung ab Mitte der 1990er Jahre. Und dazwischen soll es keine Gegenkulturen gegeben haben? Und was ist mit Disco, New Wave, Metal, Hip-Hop, Grunge oder Techno? Ich glaube der Mann ist nicht ganz in die Materie eingearbeitet.

    Was wolltest du uns mit diesem inhaltlich falschen Zitat sagen?

    Liken

  2. Moment mal, Gibson sagt, „Punk war die wahrscheinlich letzte vordigitale Gegenkultur“ – mit Betonung auf „vordigital„.

    Was ich mit Gibson sagen will, ist, dass sich Subkulturen im vernetzten digitalen Zeitalter anders entwickeln: Sie haben es einerseits schwerer, bekannt zu werden, andererseits verbreiten sich ihre spezifischen ästhetischen Erkennungsmerkmale in Windeseile (vgl. Techno, Drum ’n‘ Bass, Dubstep). Kurz gesagt: Kaum tauchen sie auf, sind sie auch schon vom Mainstream absorbiert und verlieren damit ihre Daseinsberechtigung.

    Die 1980er waren das letzte Jahrzehnt, wo man wirklich noch „vor Ort“ arbeiten musste. Die „neue Musik“ kam zwar „von außen“ über das Radio, über Schallplatten, Kassetten, Fanzines – aber die Musik musste man irgendwie noch selbst machen, ohne Samples, musikalische Bausteine, Loops etc.

    Was die anderen von dir genannten Kulturen betrifft, hier eine Ad-hoc-Einordnung: Disco: vordigital, New Wave: vordigital, Metal: anti-digital, HipHop: digital, Techno: digital.

    Liken

  3. Was nützen solche Thesen, wenn sie auf subjektiven Einschätzungen basieren und dabei (musik-) historische Tatsachen ignorieren? Die Fakten dazu kann jeder schnell bei Wikipedia nachlesen. Meine genannten Beispiele Disco, New Wave, Metal, Hip-Hop, Grunge sind alle lupenrein postpunk und vordigital und widerlegen damit die anfangs zitierte Aussage von Gibson. Das musst du jetzt auch mal einräumen, sonst erübrigt sich jede weitere Diskussion.

    Liken

  4. Natürlich sind Disco, New Wave, Hip-Hop und Grunge postpunk und vordigital – da muss ich gar nichts „einräumen“.

    Das hat aber nichts damit zu tun, dass Subkulturen heutzutage anderen technologischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen gegenüberstehen als 1980. Interessant sind doch folgende Fragen:
    – Inwiefern formt die Digitale Revolution die Rolle von Subkulturen um?
    – Warum erscheinen uns Punk, Postpunk, Disco und all das Zeug schon so unglaublich historisch, obwohl das alles doch erst vor 30 Jahren passiert ist?

    Liken

  5. Aha, jetzt also doch. Gerade waren Teile davon noch vordigital oder sogar anti-digital (was immer das sein soll). Die Fragen sind selbstverständlich interessant, ergeben sich aber nicht zwangsläufig aus dem Zitat.

    Die „Digitale Revolution“ war meiner Meinung nach eher eine Evolution und hat sich von der kommerziellen Einführung der Audio-CD bis zum Web 2.0 mindestens 20 Jahre hingezogen.

    Und so unglaublich historisch erscheinen die genannten Musikstile insbesondere dir, weil du sie als Pianist und Komponist vermutlich nie gespielt, vielleicht auch wenig gehört hast. Die noch ältere Minimal Music scheint für dich ja wiederum ziemlich präsent zu sein. Für mich ist Techno aus nahe liegenden Gründen weiter weg als die Tanzmusik der 1950er, die ich oft singe und spiele. Wir bewegen uns hier eben im Bereich der subjektiven Befindlichkeiten.

    Liken

  6. Ok, nachdem die Missverständnisse ausgeräumt sind, versuch ich mich nochmal an einer Antwort auf deine ursprüngliche Frage „Was wolltest du uns mit diesem … Zitat sagen?“

    Es geht um’s „lokale Ausbrüten“. Ich sehe mich ja auch ganz stark als „lokalen Ausbrüter“. Die lokale Postpunk-Szene, die ich in den 1980er Jahren kennenlernen durfte – das waren auch „lokale Ausbrüter“. Ebenso ihre unmittelbaren Vorgänger, die „Krautrocker“. Spätere Subkulturen kenne ich nicht mehr so genau – aber es scheint mir ein genereller Trend zu sein, dass „lokales Ausbrüten“ als nicht mehr zeitgemäß betrachtet wird. Wichtiger scheint der schnelle Austauch von (bestimmten, „subkulturell“ kodierten) Zeichen zu sein – was von mir als (altmodischem?) „Ausbrüter“ als unbefriedigend, weil oberflächlich, erlebt wird. Wer längere Zeit sorgfältig und eigenwillig ein Artefakt (Songs, Kompositionen, ganz egal was) zu entwickeln wagt, muss sich ja immer ein Stück weit vom Netzwerk-Strom abkoppeln – sonst kommt er einfach zu nichts! Ist er / sie dann irgendwann fertig mit dem „Ausbrüten“ und präsentiert hoffnungsvoll seine Arbeit dem „Netzwerk“, ist dieses schon wieder „weiter“ und der Ausbrüter wird bestenfalls als „Mann / Frau von gestern“ belächelt.

    Geht es dir nicht auch manchmal so (Und jetzt sag bitte nicht wieder, dass sich große Kunst immer irgendwann durchsetzt!)?

    Liken

Kommentieren:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s