200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung dritter Teil

Wir können uns auf der Bühne keinen antiken oder modernen Charakter, sei es ein Held oder ein Liebender, von einem Juden dargestellt denken, ohne unwillkürlich das bis zur Lächerlichkeit Ungeeignete einer solchen Vorstellung zu empfinden.

Richard Wagner, „Das Judentum in der Musik“ (1850/1869), S. 6
Volltext als PDF (via archive.org)

2 Kommentare zu „200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung dritter Teil

  1. Meine Fresse. Wir hier am Niederrhein abonnieren ja die Rheinische Post; die haben da anscheinend in ihrer Kulturredaktion einen fanatischen Wagner Fan sitzen, der in jeder zweiten Ausgabe so ausführlich über Wagner Aufführungen berichtet, dass man sich manchmal fragt, ob es in der deutschen Kulturlandschaft noch was anderes gibt. Dieser bezeichnet das Verhältnis Wagners zu den Juden aber immer euphemistisch als „ambivalent.“ Deine Zitate da oben sind aber alles andere als ambivalent. Eigentlich ungeheuerlich, dass dieser Mann so verehrt wird.

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    1. Es wäre ja schlimm genug, wenn Wagner ein dumpfer, ungebildeter Antisemit gewesen wäre – aber er war alles andere als das. Über seinen früh verstorbenen jüdisch-deutschen Komponistenkollegen (und Konkurrenten!) Mendelssohn sagte er nämlich sinngemäß, dieser sei nur deswegen ein leidlich guter Komponist gewesen, weil er es geschafft habe, das Jüdische in sich zugunsten des Deutschen in sich zurückzudrängen. „Das Jüdische“ (was immer das sein mag – ich weiß es nicht) wird also schon bei Wagner – ganz wie später in der nationalsozialistischen Rassenlehre – als eine Art angeborene Charakterschwäche aufgefasst: Juden sind eben, weil sie als Juden geboren wurden (und nur deshalb), unkreativ, schmeichlerisch, heuchlerisch, verlogen, feige, weibisch, heimtückisch etc. Das ist dann nicht mehr weit weg von der mythologischen Auffassung, die Israeliten seien für alle Zeiten mit einem Bannfluch belegt, weil sie den Heiland gekreuzigt hätten. Läppische Fakten wie etwa die Tatsache, dass Jesus Christus – sollte er je existiert haben – Jude war und seine Exekutoren Römer, spielen dabei natürlich keine Rolle.

      Das wäre ja alles namenlos blöd und lachhaft – wenn es denn nicht so beunruhigend lebendig wäre – und nicht nur in der Rheinischen Post.

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