Modernistische Immanentisten gegen konzeptuelle Literalisten

Jackson Pollock: «The Key», 1946
Der spätestens seit dem Buch „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“ aus dem Jahr 2010 tobende (na ja, sagen wir besser, hintergründig brodelnde) Kulturkampf zwischen „Immanentisten“ und „Konzeptualisten“ in der zwar winzigen, aber intellektuell hochgerüsteten Szene der deutschsprachigen „Neuen Musik“ erinnert mich in vielem an die intellektuelle Auseinandersetzung zwischen „Modernisten“ und „Literalisten“ in der us-amerikanischen Bildenden Kunst der 1960er Jahre, wie ihn Seth Kim-Cohen in seinem Buch „In the Blink of an Ear: Toward a Non-Cochlear Sonic Art“ aus dem Jahr 2009 sorgfältig rekonstruiert hat:

[…] the modernist view is concerned with the composition of the work as the outcome of the relationships created internally by its constitutive elements […] Modernist art evades „objecthood“ … by being the active (or enacted) site of internal relations.

(Seth Kim-Cohen, „In The Blink of an Ear“, S. 59)

…was präzise der ästhetischen Position von Claus-Steffen Mahnkopf und Tobias Eduard Schick entspricht. „Modernisten“ im Sinne des obigen Zitats waren übrigens die Maler des Abstrakten Expressionismus – der bekannteste aus dieser Gruppe ist wohl Jackson Pollock. Die führenden Theoretiker dieser Kunstrichtung waren Clement Greenberg und dessen Schüler Michael Fried, deren funktionales Äquivalent bei den Immanentisten die „Ästhetische Theorie“ Theodor Wiesengrund Adornos darstellt. Als „Literalisten“ wurden damals (in polemischer Absicht) Künstler wie Donald Judd und Robert Morris bezeichnet.

[…] the literalist position is concerned with a larger formal construct that includes the object as one of the constitutive elements implicated in a structural relationship […] On the other hand, a specific object or a unitary form courts objecthood. For Fried, this crosses the line from art to mere thing, in the process abdicating aesthetic responsibilities.

(Seth Kim-Cohen, „In The Blink of an Ear“, S. 59)

Vertreter einer solchen Haltung in der zeitgenössischen Kunstmusik wären etwa Anton Wassiljew oder Johannes Kreidler. Theoretisch unterstützt werden sie von Harry Lehmann und, nach Kräften, auch von mir (obwohl ich als Komponist andere, weitaus konventionellere Wege gehe – aber das ist ein anderes Thema).

Donald Judd: [no title], 1988

Was ich damit sagen will? Nun, sollte mein Eindruck stimmen, so würde die „Neue Musik“ im Augenblick eine Debatte um „avantgardistische Kunst“ führen, die die Bildende Kunst bereits vor 50 Jahren hinter sich gebracht hat. „Es Ist Eine Fremde Und Seltsame Welt.“ (Der Plan 1987)

Modernistische Immanentisten gegen konzeptuelle Literalisten

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