Luc Ferrari macht einen Film über Cecil Taylor (1968)

Die Machart der Dokumentation zeigt sich deutlichst von der damals grassierenden Nouvelle Vague beeinflusst (Text-Inserts, Kolorierungen). Taylor sieht sehr gut aus (Die Sonnenbrille, die leicht erratische Diktion und der coole, betont intellektuelle Existenzialisten-Habitus – schwarzer Rolli, qualmende Kippe – machen ihn geradezu zu einer afroamerikanischen Variante des damaligen Hip-Regisseurs Jean-Luc Godard.), ist ebenso unsicher wie von namenloser Arroganz, die Musik ist erstaunlich frisch und un-abgenutzt (Warum eigentlich? Vieles aus dem Jahr 1968 kann man nun doch wirklich nicht mehr hören.).

Seine Äußerungen sind ebenso enigmatisch wie er charismatisch ist. Zwei seiner Gedanken zum Thema musikalische Improvisation, die ich buchstäblich herausgehört habe, seien der/dem WeltsichtleserIn nicht vorenthalten:

The problem with written music is that it divides the energies of creativity. In other words, while my mind may be divided looking at a note, my mind is instead involved with – hearing that note, playing that note – combining the action, making one thing of action.

(@22’50“)

Improvisation is thought informed by passion conditioned by knowledge.

(@39’50“, sinngemäß)

Auffällig, wie Taylors Mitmusiker Jimmy Lyons (Saxofon), Alan Silva (Bass) und Andrew Cyrille (Schlagzeug) sich letztendlich einfach folgsam um ihn scharen, von demokratischer Kollektivimprovisation kann hier wohl kaum die Rede sein, Taylor gibt die Impulse, die anderen folgen und funktionieren, was mitunter nahezu „fremdgesteuert“ wirkt. Ihr Respekt scheint  gelegentlich sogar in eine mit Ängstlichkeit gemischte Ehrfurcht umzuschlagen.

Luc Ferrari macht einen Film über Cecil Taylor (1968)

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