Lachenmann und die Zombies

Die us-amerikanische Komponistin Mara Gibson besuchte 1998 die Darmstädter Ferienkurse, um bei Helmut Lachenmann etwas über Neue Musik zu lernen. Vor einigen Tagen erinnerte Sie sich im Blog NewMusicBox an diese Zeit:

Lachenmann vehemently told us (particularly the Americans, a.k.a. the “zombies”) to forget everything we had learned up to that point. He encouraged us to develop our own material independently of our teachers. He explained that we are part of a “North American syndrome” that potentially results in work without any “real artistic provocation, just frustrating and boring.”

In Kyle Gann’s Blog PostClassic wird nun seit gestern lebhaft darüber diskutiert (beteiligt sind u. a. John Luther Adams und Samuel Vriezen), wie Lachenmann das damals wohl „gemeint“ habe.

Lachenmann und die Zombies

2 Gedanken zu “Lachenmann und die Zombies

  1. Danke, für den Hinweis. Habe gerade mal in den thread bei PostClassic reingelesen. Ist schon sehr interessant wie die amerikanischen Kommentatoren mit diesem Zitat und der undifferenzierten Fundamentalkritik Lachenmanns umgehen.

    Sachlich im Ton versuchen sie seinen regressiven Standpunkt und seinen respektlose Äußerung einzuordnen. Gottseidank sind sie so selbstbewusst, dass sie es nicht persönlich nehmen, es bleibt die Frage warum sagt der sowas? Wenn man das als junger Deutscher liest, möchte man für Lachenmanns Äußerung gleichermaßen vor Scham im Boden versinken. Aber offensichtlich verallgemeinern die an der Diskussion beteiligten Amerikaner im Gegenzug nicht genau so dumm wie er.

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  2. @Dennis Schütze: Ich sehe da durchaus eine weltanschauliche Verbindung zwischen dem, äh, „Dialog“ Gottwald/Reich (siehe meinen Blogartikel vom 9. Februar) und Lachenmanns krudem Anti-Amerikanismus. Interessant, dass ein Komponist und Intellektueller, der ja (wie aus dem PostClassic-Thread ja *auch* hervorgeht) durchaus auch in den USA (in bestimmten Kreisen) hohes Ansehen genießt, hier auf schlichtestem Stammtischniveau zu argumentieren scheint (à la „Die Ammis hamm halt kei Kulduur, wessd!“ – das höre ich seit meiner Kindheit pausenlos – interessanterweise von politisch links wie von politisch rechts eingestellten Leuten, von „grün“ eingestellten sowieso.) Das ist nicht nur respektlos und regressiv, wie du richtig bemerkst, sondern schlicht chauvinistisch.

    Im Übrigen bin ich ganz der Meinung von Kyle Gann: Wir sollten diesen chauvinistischen Blödsinn hinter uns lassen (aber auch die us-amerikanischen „Europhilen“ sollten bitte aufhören, Musik nur dann zu schätzen, wenn sie irgendwie „alteuropäisch“ ist), im 21. Jahrhundert gibt es wahrlich Wichtigeres und vor allem Interessanteres zu tun als dem Kolonialismus nachzutrauern.

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