Anatol Stefanowitsch über Sprachgebrauch im Internet

Vortrag vom 6. Mai 2014:

Etwas später gab Stefanowitsch Philip Banse das folgende Interview, in dem er – für meine Begriffe – seine Message sogar noch besser rüber brachte:

Hier geht’s zum Sprachlog, das Stefanowitsch zusammen mit anderen LinguistInnen betreibt.

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Anatol Stefanowitsch über Sprachgebrauch im Internet

Ein Gedanke zu “Anatol Stefanowitsch über Sprachgebrauch im Internet

  1. Gerhard schreibt:

    Anatol Stefanowitsch macht definitiv Spaß!
    Ich habe gerne zugehört (ich meine das Live-Interview – nur dieses aus Zeitgründen) und es machte Laune, sich wieder mehr mit Sprache zu beschäftigen.
    Er wirkte uneitel und sogar spirituell (!), so friedfertig und wissend äusserte er sich über seine Mitmenschen und ihr Umgang mit Sprache.

    Jetzt habe ich doch noch Deinen Kommentar angehört, Stefan.
    Ich fand ganz gut, daß Du alsbald auch über Deine eigenen Erfahrungen mit Sprechen im Internet Auskunft gabst.
    Ich finde, ein Problem beim Nichtverstehen des Anderen ist auch in der zeitl. Beschränkung zu finden, der man unterlegen ist. Allzuschnell wird selbst ein sehr bedachter Absatz eines Mitmenschen nur überflogen und man versemmelt so leicht ein (mögliches) Verständnis des Geäusserten.
    Sprache hat zudem jeder für sich gelernt und wendet sie in der Regel als Eigengewächs an, auch wenn man sich geraume Zeit schon in bestimmten Soziotops bewegt hat. Ich denke, daß Du, Stefan, nicht deswegen, weil Du Dich vornehmlich etwa in der Welt der Musik bewegst, eine grundlegende Transformation Deiner Sprache „erlitten“ hast, sondern nachwievor Deine eigene Sprache hast – z.B. zu erkennen auch an gewissen versteckt-satirischen Schlenkern hie und da.
    Ich finde, daß das Miteinanderaustauschen auf rein sprachlicher Ebene eine Art Sysphosunterfangen ist (ohne allerdings einen negativen Schluß daraus zu ziehen). Man wird allzeit auf Verständigungsprobleme stossen, auch deswegen, weil bestimmte Dinge schwer zu artikulieren sind, im Grenzbereich des Sprachlich-Ausdrückbaren herumhängen, und zum Zweiten, weil man sich selbst nicht kennt, seine Motive, seine Antriebe, sein Wesen. Und da man sich selbst nicht ausreichend versteht (auch eine Therapie würde nur manche der Rätsel beheben können), auch per se in einer Art Graubereich verbleibt, also im Anklang an die Wahrheit, im stetigen Versuch, im „kleinkindlichen“ Sprachausformen.
    Wodurch entsteht z.B. z.b. der Eindruck einer Frau, die sich nach 30 Jahren von ihrem Mann trennt und plötzlich bekennt, ihn nie wirklich gekannt zu haben? Weil a) eine Verstehtrance dafür gesorgt hat, zu glauben, alles verstanden zu haben und b) weil das Bemühen um Verstehen irgendwann aufhörte – und völlige Routine einkehrte.
    Der ernsthaft um Verstehen bemühte Mitmensch im Netz scheint mir nicht in der Mehrzahl. Viel lieber will man seine Sicht der Dinge an den Mann bringen, sich ein-bringen, mit-reden, prä-sent sein, da-sein. Der Aha-Mensch, der ein Schnippchen, ein Fetzchen des anderen erhaschen kann und dies durch seine schiere Aufmerkamkeit greifen konnte, der hat es vermutlich schwer, denn soviele Quellen, soviele Stimmen wollen gehört werden. Wie Stefanowitsch sagte: Das Internet beschert einen (neuartigen) Reichtum und von dem möchte man zunächst mal umfänglich kosten.

    Um zum Schluß zu kommen. Nicht gelingende Kommunikation im Netz ist für mich immer wieder eine Art Stolperstein, der recht häufig auftritt und mutlos machen kann. Allerdings ist der Anschluß an anderes Denken und Wissen so faszinierend, daß man es immer wieder wagt, sich dranzubegeben.

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