Kimbra Johnson & Sam Lawrence: „Wandering Limbs“ (2011)

Ein großartiger Song, komplett unprätentiös interpretiert. Ab 3:30 ist ein wenig Hall nachproduziert.

Danke an Holger Liebs, durch den ich diesen Clip kennenlernte!

Kimbra Johnson & Sam Lawrence: „Wandering Limbs“ (2011)

11 Gedanken zu “Kimbra Johnson & Sam Lawrence: „Wandering Limbs“ (2011)

  1. Gerhard schreibt:

    Vielleicht darf ich an dieser Stelle auch auf etwas „Ähnliches“ hinweisen: Auf
    Douglas Dare – Nile, anzusehen auch auf Youtube.
    Kaufte das Album „Whelm“ kurioserweise gleich 2x.
    Na, ganz so kurios war es nun doch wieder nicht…

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  2. @Dennis: Ich bin – ganz normal – mit Popmusik aufgewachsen. Bis ich 15, 16 war, wusste ich nur gerüchtehalber, dass es da auch noch was anderes gab (außer Klassik, das kannte ich natürlich). Meine persönliche musikalische Geschmacksbildung lief dann unter „Nicht-Pop“, was mich – siehe dieses Blog – bis heute prägt, aber eben nicht *festnagelt*😉

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  3. @Dennis: Wohl eher Ersteres. Ich habe – damals natürlich völlig instinktiv – nach etwas gesucht, was meine ästhetischen Bedürfnisse befriedigen konnte. Nicht, dass mir die Musik des „Electric Light Orchestra“ oder die von „Abba“ keinen Spaß gemacht hätte: Aber sie ließ mich leer und unbefriedigt zurück, wenn die Songs zuende waren. Es war – so würde man es heute sagen – „Party-Mucke“: Musik, die eine kurzlebige Euphorie auslösen kann (was ich sehr schätze), aber keine nachhaltige Befriedigung (bei mir zumindest). Sozial – also im Klassenverband – war ich kein Außenseiter, ich wurde sogar mehrfach zum Klassensprecher gewählt, während meines Wehrdienstes zum Kompaniesprecher (später habe ich allerdings den *Kriegsdienst* verweigert). – Anders wurde erst das mit dem Heraufdämmern des Post-Punk in den 1980er Jahren: Diese Musiker waren keine hedonistischen Crowdpleaser mehr, die machten zwar immer noch Pop, wollten aber – wieder in der Sprache von heute formuliert – darüber hinaus auch außermusikalische Gehalte kommunizieren, z. B. in der Industrial Music-Bewegung die Entfremdung in der modernen Gesellschaft. Dem fühlte ich mich schon viel näher, aber so richtig „zuhause“ fühlte ich mich dann eben erst (und das fing auch schon in den 1980er Jahren an) bei eKomponisten wie Erik Satie, Igor Strawinski, Conlon Nancarrow, Luc Ferrari, Steve Reich und Klarenz Barlow. Dieses „Zuhausefühlen“ hatte aber einen hohen, einen sehr hohen Preis: Es gab kaum jemanden, mit dem man die Freude an dieser Musik teilen konnte (Ausnahmen – dankbaren und herzlichen Gruß an Volker – bestätigten nur die Regel). Hier bin ich dem Internet dankbar, weil es diesen schlimmen Zustand ein wenig verbessert hat. – Und weil ich das Gefühl habe, du wirst mich als Nächstes fragen, warum ich denn niemals „seriöse“ Popmusik, also Bob Dylan, Leonard Cohen oder sowas in Betracht gezogen habe, so kann ich nur sagen: Das hatte ganz praktische Gründe. Ich wollte Musik, die ich selbst reproduzieren konnte, also Klaviermusik, am liebsten instrumental, und bitte große, mächtige Kompositionen, keine bescheidenen Songs oder Miniaturen. Und da läuft man Leonard Cohen eben nicht über den Weg. Ich bin Cohen erstmalig bei Ralf Schuster begegnet und war reichlich erschüttert, dass ein so dezidierter Post-Punk derartiges „Liedermacherzeug“ überhaupt ernst nimmt. Nun, mittlerweile bin ich schlauer (d. h. ein bisschen weniger ignorant) und sehe *viel* mehr Zusammenhänge zwischen Cohen und Ralf Schusters Liedern als z. B. mit den Lärm-Exzessen der Einstürzenden Neubauten. Kurz gesagt: Es gibt eine Kontinuität des „Liedermachens“ in der Musik und es gibt eine Kontinuität der „Ritualmusik“ in der Musik. Ich fühle mich fast ganz der zweiten Tradition zugehörig. Der Song spricht immer zum Individuum, vermittelt Trost. Die Komposition hat eine ganz andere Aufgabe: Sie versucht, überpersönliche soziokulturelle Zustände oder Prozesse in Töne zu fassen, der Komponist als Individuum ist dabei nicht so wichtig (weswegen Komponisten auch gerne als „Schreibtischtäter“ agieren und manchmal ganz hinter ihr Werk zurücktreten). Komponisten können zwar durchaus Performer ihrer eigenen Werke sein (das bin ich ja auch), aber das hat (in meinem Fall ganz sicher) eher etwas damit zu tun, dass eine solche Realisierung die schnellste und vor allem kostengünstigste Lösung darstellt.

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  4. @Stefan: Vielen Dank für diese umfangreiche „Confession“. Obwohl wir uns ja schon eine Weile kennen und in einem regelmäßigem und zum Teil sehr intensiven Austausch stehen, habe ich jetzt das Gefühl dich und deine Ansichten wesentlichen besser zu verstehen. Interessant auch die Gegenüberstellung Liedermachen/Ritualmusik und Song/Komposition, so hatte ich das noch nie gesehen, aber auf’s erste klingt es plausibel. Ich hatte z.B. schon immer große Probleme damit, wenn ich als Komponist bezeichnet wurde. Da dachte ich immer „Ich komponiere doch gar nicht, ich schreibe doch nur Songs“, wobei Schreiben da ja auch oft genug übertrieben ist, weil man doch meist „nur“ die Texte mit Akkordsymbolen festhält.
    Für mich stellt sich das Songschreiben als sehr individueller und intuitiver Prozess dar, selbst beim Einproben und Produzieren lasse ich mich lieber von Gefühlen als von Konzepten leiten, damit bin ich bisher gut gefahren. Dagegen scheint Komponieren ein wesentlich bewussterer, intellektueller und „kopfiger“ Prozess zu sein. Deswegen reagiere ich auch gereizt, wenn aus dem Komponistenlager Songs als einfach, simple etc. abqualifiziert werden. Ich habe da dann oft den Eindruck, dass die tieferliegende, individuelle und instinktive Ebene einfach nicht wahrgenommen wird, während sie für mich und viele andere offen da liegt.

    Noch eine Frage: Deiner Ansicht zufolge kann es so etwas wie eine Songkomposition also nicht geben? Oder wären opulente Popsongs wie „Bohemian Rhapsody“ von Queen oder „Music was my first love“ von John Miles Beispiele für einen solchen Zwitter? Wie stehst du zu Rockopern wie „Tommy“ oder „The Wall“? Das müsste doch deiner Vorliebe für „große, mächtige Kompositionen“ entgegenkommen, oder?

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  5. Bernhard schreibt:

    …mir fällt hier als erstes der gute alte frank zappa ein, der nach eigener aussage den pop ja nur zum geldverdienen genutzt hat, um dann später im stillen kämmerlein nur noch zu komponieren.
    emusik meets pop
    irgendwie umfasst seine person die sowohl die von stefan beschriebene seite der e musik nun aber bis zum pop, da er ja als schönberg schüler tatsächlich alles durchkomponierte – siehe 200 motels, das es auch als partitur gibt.
    witzig dabei ist, dass er das mit dem popkonzept so durchgezogen hat und damit bewies, dass auch pop konstruierbar ist (Bobby brown)
    wer mal eins seiner konzerte besucht hat kann sich kaum vorsstellen, dass die soli und arrengements tatsächlich alle vorgegeben waren, nicht umsonst galt er ja auch als despot, der sich nur die technisch versiertesten umsetzer auf die bühne geholt hat…

    @stefan wie stehst du zu zappas emusik und vor allem zu seinen melangewerken, die für mich noch sehr „hörbar“ fürs popohr sind, wie dangerous kitchen oder yello shark?

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  6. @Dennis: Ich glaube, dass Songs Komplexität anders vermitteln als Nicht-Song-Musik. Das *muss* nicht zwangsläufig was mit Intellektualismus zu tun haben, denk nur an LaMonte Young oder Peter Brötzmann – da steht zweifellos die Intuition im Vordergrund, aber es geht nicht um Songs. Aber du hast schon recht, die Nicht-Song-Musik ist in der Regel voraussetzungsreicher, was – ich sag’s jetzt wirklich zum letzen Mal! – NICHT heißt, dass Songwriter schlichte Gemüter wären und Komponisten/Improviser Superhirne. Es handelt sich nur ganz schlicht um zwei unterschiedliche Baustellen – und das ist auch gut so.

    Die von dir genannten Zwitter zwischen beiden Genres schätze ich nicht, was aber nicht heißt, dass es keine gelungenen „Songkompositionen“ geben könnte. Weills „Dreigroschenoper“ wäre ein gutes Beispiel: Hervorragende Songs, die auch für sich stehen können und dennoch zweifellos als Ganzes eine abstrakte Komposition, die man „auch so“ hören kann.

    Meine Vorstellung von „großen und mächtigen Kompositionen“ hat übrigens nichts mit Bombast zu tun: Es geht mir um die ästhetische Leistung, die der/die KomponistIn vollbracht hat, die mir Respekt einflößt und nachhaltige Freude bereitet. Das kann eine Klavierimpro von Lennie Tristano sein, aber natürlich auch ein aufwändiges Orchesterstück wie Strawinskis „Sacre“ oder ein komplexes Ensemblestück wie Reichs „Music for 18 musicians“.

    Es kann aber – heute – auch eine 50sekündige Klavierminiatur von Skrjabin sein, die mein Entzücken hervorruft. Die liebe ich dann nicht, weil sie „mächtig“ ist, sondern weil sie es schafft, in so kurzer Zeit und mit so beschränkten Mitteln so differenzierte und sehr spezifische Gefühle in mir wachzurufen – und das immer wieder, so oft ich will. Dafür bin ich dann dem Komponisten sehr dankbar und wundere mich immer wieder, woher er denn wohl meine Bedürfnisse so gut kannte, wo er doch vor 100 Jahren starb😉

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  7. @Bernhard: Danke für deinen Kommentar erstmal🙂 Nun, tatsächlich kenne ich Zappas Album „Jazz from Hell“ von 1986 *sehr* gut. Ich habe das damals rauf und runter gehört, weil ich wissen wollte, was an diesem Zappa dran ist, von dem immer alle schwärmen (und ich habe nie verstanden, warum). „Jazz from Hell“ höre ich – lässt man mal alle Arrangementtricks weg – formal als Abfolge auskomponierter einstimmiger Linien mit Begleitung. Es sind immer sehr gute, inspirierte Linien, sehr lange, sehr trickreiche und lebendige Linien, deren Entwicklung sich schwer vorherbestimmen lässt. Aber dann ist es auch gut. Was *ich* bei „Jazz from Hell“ vermisste, war irgendeine Form von Kontrapunkt, also die Gleichzeitigkeit mehrer, sich evtl. ja widersprechender Linien („Gedanken“), ich hatte stets das Gefühl, einem endlosen, zwar brillanten, aber letztlich rechthaberischen Monolog zuzuhören. Da war kein Sinn für Unbestimmtes bzw. Unterbestimmtes, keine auskomponierten Unklarheiten, kein Sinn für Atmosphäre, für Vagheit, Andeutung, Irritationen – nur immer dieses brillante Laserlicht, immer auf den Punkt, immer (selbst-)ironisch, immer – ja – perfekt. „Jazz from Hell“ ist *sehr gute Musik*, die *mir* rein gar nichts gibt – seitdem ruht die CD im Schrank.

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  8. Bernhard schreibt:

    Die Kritik trifft das Werk ziemlich gut, wenngleich natürlich Jazz from hell sehr Zappa untypisch ist, da taugen die 200 Motels eher als charakteristisches paradealbum und dürfte auch deine hauptkritikpunkt des monologischen aushebeln….

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  9. Volker schreibt:

    @Stefan und Dennis: Besten Dank, Dennis für Deinen gut plazierten Pop-Einwurf in diesem Blog. Dergleichen an Stefan für den Gruß, verbunden aber mit dem vielfach höheren Dank zurück, dass Du mir seinerzeit als eher seltenem Bayern2 Hörer – welche Radiosender gab es damals eigentlich noch, wo man z.B. mal was von Steve Reich hören konnte??? – das Tor zu diesem „Reich“😉, also nicht nur der, geöffnet hast!

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