«untitled [ambient 11]»

Samples: SC-88 Pro, Algorithmen: Tangent, Entstehungsjahr: 2003 / electronica

Das Stück lässt zwei heterogene, aber durchaus heteronome musikalische Ausdrucksformen frei nebeneinanderherlaufen: Eine ruhige, mikrotonal nachbearbeitete Synthesizertextur, die mithilfe der algorithmischen Kompositions-Software „Tangent“ erstellt wurde und hektische perkussive Sample-Einsprengsel, die ich auf einem MIDI-Keyboard darüberimprovisierte.

Das Unangenehme an «untitled [ambient 11]» 11 ist, dass sich die Spannung zwischen den beiden Klangströmen nicht auflöst, es gibt keine Entwicklung, keine Synthese. Doch exakt das wollte ich ausdrücken.

Ambient music wird ja allzu oft rein funktional verstanden (Musik zum Aufwachen, zum Liebemachen, zum Arbeiten, zum Meditieren, zum Sportmachen, zum Einschlafen etc.), d. h., sie soll die Hörerin manipulieren, in eine ganz bestimmte Bewusstseinslage bringen bzw. dafür sorgen, dass – im vulgärneoliberalen Jargon – „die Dinge noch besser flutschen“.

Dass dieses Genre auch expressiv genutzt werden kann, ist weniger bekannt („Expressiv“ heißt hier, dass der Komponist dysfunktionale Stimmungslagen zum Ausdruck bringt, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, welche Resonanzen dies bei der Hörerin auslöst).

«untitled [ambient 11]»

3 Gedanken zu “«untitled [ambient 11]»

  1. Meine Ohren mögen es, wenn sich zwei Ebenen hören lassen.🙂 Ich finde auch nicht, dass das unangenehm ist, dass es keine Verbindung dazwischen gibt… ist wohl die Frage, wie man es gewohnt ist. Ich würde sagen, dass es aber eigentlich der Normalfall ist: Straßenlärm + Vogelzwitschern + Radio + Geräusche des Alltags… das sind alles Ebenen, die nicht aufeinander abgestimmt sind, das ist ja eigentlich das, was wir jeden Tag die ganze Zeit im Hintergrund hören.
    Ich weiß jetzt auch nicht, ob mich eine bemühte Zusammenführung beider Ebenen jetzt nerven würde. Könnte sogar sein.
    Die „hässlichen“ Einsprengsel (in Anführungszeichen, weil ichs gern hör) lenken alle Aufmerksamkeit auf sich, daher kann das andere im Hintergrund liegen bleiben. Mehr ambiental geht wohl kaum. (Die langsam stehende einfache Harmonik würde mich alleine eher nerven, trotz mikrotonaler Ausweicher. Dadurch, dass es im Hintergrund ist, ist es mir erst möglich, es anzuhören – und dann höre ich es gerne. Paradoxer Effekt.)

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  2. Gerhard schreibt:

    Erst unlängst darüber nachgedacht, wieso unser Gehirn es schafft, trotz Lärm, etwa beim Autofahren, Musik isoliert wahrzunehmen. Es ist im Grunde paradox. Sicherlich kann das Gehirn den Musikoutput als von einer bestimmten Quelle herrührend „zuordnen“. Das geht wohl nur in bestimmtem Rahmen, wenn „Muster“ nicht verlassen werden. Ist in einem Mix aber etwa ein Bremsgeräusch enthalten, dann klappt das nicht mehr.

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