«tricky [money jungle 08]»

Samples: SD-80, ADHS-Beats: WWW, Entstehungsjahr: 2004 / electronica

Trotz des gleichlautenden Titels ist dieses Stück keine Hommage an die britische Trip-Hop-Ikone, deren Musik ich sowieso nicht kenne. Vielmehr fiel mir während der Arbeit an dem Stück auf, dass es wohl ziemlich „tricky“ (im Sinne von „vertrackt“) werden würde – und das wurde es dann auch.

Eigentlich ging es die ganze Zeit darum, kommerziell im Internet erworbene MIDI-Beat-Fragmente, die mir als „Drum and Bass“ bzw. „Jungle“ angedreht worden waren, in einer möglichst, äh, „authentischen“ Genre-Komposition musikalisch verwertbar zu machen. Doch vieles von dem Material war rhythmisch derart verdreht, dass es mich eher an – nun ja – „Neue Musik“ erinnerte (Xenakis und so).

Ein interessanter semiotischer Pfad: Afro-karibische britische Musiker entwickeln in den 1990er Jahren einen genuinen Electronica-Style von hoher rhythmischer Komplexität, „Jungle“ eben. Dieser wird dann, nachdem er sich als kommerziell halbwegs erfolgreich erwiesen hat, irgendwann von (vermutlich weißen Mittelstands-Kids) als Standard MIDI File abstrahiert und als musikalisches „Halbzeug“ verkauft. Ich wiederum verwende diese bereits komplett entfremdeten Bausteine labormäßig (d. h., als MIDI-Simulation) in einer, nun ja, eben kontingenten Rekonstruktion dessen, was ich mir als in den 1960er Jahren geborener süddeutscher Provinzbewohner unter „Jungle“ bzw. „Reggae“ so vorzustellen imstande bin.

Im Abstand von 10 Jahren finde ich «tricky [money jungle 08]» immer noch ziemlich „tricky“, d. h. kopflastig (will sagen: konstruiert), es ist nun wirklich nichts zum Mitgrooven, aber – auf seine Weise – war es doch o.k. Man darf es aber nicht als „absolute Musik“ hören, vielmehr ging und geht es mir darum, mit musikalischen Mitteln herauszuarbeiten, wie so etwas wie musikalische Bedeutung entsteht (bzw. vergeht). In diesem – zugegeben eher intellektuellen – Kontext ergibt «tricky [money jungle 08]» für mich als eine Art „Esssay ohne Worte“ bis heute Sinn. Und es spitzt – wiederum auf seine Weise – die zeitlos gültige Frage nach musikalischer Authentizität schon ziemlich zu, oder?

«tricky [money jungle 08]»

2 Gedanken zu “«tricky [money jungle 08]»

  1. Volker schreibt:

    Magst Du auch von Deinem Tun hier nicht restlos überzeugt zu sein scheinen, mir gefällt’s, besonders die keiner – nicht mal ansatzweise – erkennbaren Motivation folgenden Handclaps.

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  2. @Volker: Ich war bzw. bin von dem Stück durchaus „restlos überzeugt“, sonst hätte ich es nicht publiziert. Der Begleittext soll sich nicht für irgendwas entschuldigen, sondern klar machen, welche Intentionen ich beim Komponieren hatte. Und die waren nun mal nicht rein musikalisch (à la „Ich mach jetzt ma n möglichst geiles Stück, Alder, so voll ausm Bauch und so, Alder!“), sondern eben auch konzeptuell. Und erst, wenn der Hörer diesen „nicht-myrinxalen“ (H. Lehmann) Aspekt der Arbeit mit-wahrnimmt, kann sich der intendierte Witz des Ganzen voll entfalten (was wiederum nicht heißt, dass die Musik „als Musik“ komplett witzlos wäre).

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