Wasserman über „das Schwierige“ in der Defensive (2 von 2)

A culture filled with smooth and familiar consumptions produces in people rigid mental habits and stultified conceptions. They know what they know, and they expect to find it reinforced when they turn a page or click on a screen. Difficulty annoys them, and, having become accustomed to so much pabulum served up by a pandering and invertebrate media, they experience difficulty not just as “difficult,” but as insult.

Steve Wasserman: „In Defense of Difficulty„, Artikel vom 18. März 2015

Wasserman über „das Schwierige“ in der Defensive (2 von 2)

5 Gedanken zu “Wasserman über „das Schwierige“ in der Defensive (2 von 2)

  1. Anonymous schreibt:

    Ich tue mich immer schwer mit Einsichten dieser Art. Sie klingen vollkommen richtig, sind aber immer eine Spur zu verallgemeinernd, was mir dann persönlich nicht gefällt.
    Was kann man denn mit Bestimmtheit sagen?

    Ich glaube, wir hatten schon mal diesen Punkt.

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  2. @Gerhard: Wassermans Punkt ist hier, dass – selbst unter intelligenten Menschen – anspruchsvolles Argumentieren heutzutage oft reflexartig als Zumutung abgelehnt wird – eine Beobachtung, die ich tatsächlich mit Bestimmheit bestätigen kann. Und es ist ein Skandal.

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  3. Es gibt sowohl eine Kultur sinnloser Kompliziertheit als auch eine Kultur, die alles Komplizierte von vornherein ablehnt: „Jetzt hör aber mal auf, Herr Obergescheit, das interessiert keinen“ (wobei es nur den Sprecher selbst nicht interessiert, möglicherweise)

    In ihrer Allgemeinheit wird die Aussage aber irgendwie bedeutungslos. Ich meine, wir werden mit Information zugeschwappt, natürlich wird da etwas Schwieriges erst einmal weggeklickt – das ist Teil des Filterungsmechanismus, den man zwangsweise entwickelt.

    Schwieriges muss halt auch erst seinen Wert beweisen; es muss also klar sein, dass sich die Mühe lohnt, es zu lernen, wenn man stattdessen auch etwas einfacheres Lesen könnte, was den selben Wert bringt. (Egal ob ästhetischer, praktischer oder ethischer Wert)

    Für mich wäre es z.B. weitgehend sinnlos, Zeit zu investieren, um höhere Physik zu lernen, geht man mal davon aus, dass mein Leben nicht in diesem Fachbereich hineinlugen wird.

    Soo… und die Ironie ist jetzt, dass ich vielleicht am Thema vorbeirede, weil ich den verlinkten Artikel gar nicht gelesen habe.😀

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  4. @Philipp: Kann dich beruhigen, hast nicht am Thema vorbeigeredet😉 Aber nochmal: Das skandalöse Alltagsphänomen, das du ja ebenfalls korrekt beschreibst, ist doch, dass „schwieriges Sprechen“ bzw. anspruchsvolles Erklären an sich in „gemischten Gruppen“ oft dadurch abgewürgt wird, dass ein oder zwei Gruppenmitglieder anfangen, die Augen zu verdrehen, sobald jemand in eine etwas gehobenere Tonlage verfällt. Und in der Regel ist es so, dass die anderen, noch unentschlossenen Gruppenmitglieder dann sofort dem Erklärer mit sanfter Entschiedenheit klarmachen, er solle seine Anstrengungen doch bitte „mit Rücksicht“ auf die Augenverdreher unterlassen. Das Gruppenniveau wird so quasi reflexartig nach unten nivelliert. Am Schluss sind alle unzufrieden – bis auf die augenverdrehenden Schwachmaten natürlich, die sehen sich bestätigt. Diesen fatalen Mechanismus habe sehr oft selbst erlebt – er scheint sozusagen soziokulturell habitualisiert zu sein. Begegnet man später einem der Unentschlossenen alleine, sagt dieser sehr oft, er hätte es damals ja schade gefunden, dass ich so abgewürgt wurde, aber es habe halt einfach nicht gepasst. Das ist aber keine Erklärung, sondern eine Ausflucht. Ich werde dann immer sehr wütend, weil hier regelmäßig ohne Not Gelegenheiten für interessante Gespräche einfach verschenkt werden – zum Schaden aller, letztlich. Kennst du das so auch?

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