Christopher Lauer und die Politik

Im Februar gab ex-Pirat Christopher Lauer folgendes Interview, das weder an analytischer Trennschärfe noch an Unterhaltsamkeit irgendetwas zu wünschen übrig lässt. In Vielem erinnert er mich an einen jungen, noch nicht komplett desillusionierten Joschka Fischer.

Dabei ist gerade die von vielen als störend empfundene, an Arroganz grenzende Distanziertheit Lauers der Wesenszug, den ich besonders an ihm schätze, verköpert er auf diese Art doch exakt das Gegenteil des liebedienerischen, PR-optimierten, aber un-authentischen Politikers, von dem so viele angeblich die Schnauze gestrichen voll haben.

Das Paradoxe dabei ist, dass das Greinen über die Abwesenheit von „Ecken und Kanten“ (vulgo: Charakter) beim üblichen politischen Personal zwar allgegenwärtig ist, kommt dann aber mal jemand wie Lauer daher, an dem man sich so richtig reiben könnte, weil vielleicht nicht jeder Satz, den er äußert, vorher von 2,5 „professionellen“ Beratern rundgeschliffen wurde, wird dieser sehr schnell als „zu unangepasst“ bzw. „unmöglich“ oder – noch schlimmer – „unberechenbar“ kaltgestellt.

Leute, so wird das nix. Was wollt ihr denn nun? Ah ja, ich weiß: einen meinungsstarken, aber aalglatten Charakterkopf ohne Ecken und Kanten. Man könnte auch sagen: Die Quadratur des Kreises.

Dass Lauer glaubt, in der Welt der Politik nicht überleben zu können, spricht nicht gegen ihn, sehr wohl aber – leider – gegen die Welt der Politik. Die geschätzte Marina Weisband hat da ja ähnlich argumentiert, bevor sie sich aus der Parteipolitik zurückzog.

Christopher Lauer und die Politik

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