Sartwell über die Post-Postmoderne

I ran out of interest in my own consciousness around 1990, but there’s no reason ever to run out of interest in the world.

Crispin Sartwell: Philosophy Returns to the Real World (THE NEW YORK TIMES 2015-04-13)

Sartwell über die Post-Postmoderne

3 Gedanken zu “Sartwell über die Post-Postmoderne

  1. JJäger schreibt:

    „Nun versichert selbst der besessenste Anhänger des Postmodernismus – sobald man jene Losung zitiert, der zufolge es keine Tatsachen gibt, sondern lediglich Interpretationen -, er oder sie habe zu keiner Zeit die physische Präsenz geleugnet, weder die der Einaudi-Edition der Promessi sposi noch die des Tisches, vor dem ich spreche. Er wird ganz einfach sagen, dieser Tisch werde zu einem Objekt von Erkenntnis und Diskurs erst dadurch, dass man ihn etwa als Unterlage einer chirurgischen Operation interpretieren kann, als Küchentisch, als Katheder, als hölzernes Objekt mit vier Beinen, als Ansammlung von Atomen, als geometrische Form, entstanden aus ungeformten Rohstoffen, schließlich als Floß, mit dem ich mich während eines Schiffbruchs retten kann. Ich gestehe einem Vollblutvertreter des Postmodernismus durchaus zu, dass er über die Dinge auf diese Weise urteilt. Allerdings gestehe ich ihm nicht zu, was schlichtweg nicht angenommen werden kann – nämlich mit diesem Tisch die Autobahn zwischen Turin und Agognate Richtung Mailand entlangzuradeln. Eine so deutliche Beschränkung möglicher Interpretationen des Tisches ist etwas, das vom Hersteller des Tisches vorhergesehen wurde. Denn dieser folgte einen zwar auf viele, keineswegs aber auf beliebig viele Weisen interpretierbaren Entwurf.“

    Umberto Eco,
    Gesten der Zurückweisung. Über den Neuen Realismus,
    Aus: Der neue Realismus, Hrsg. Markus Gabriel

    Hier sind die Vorträge zum Buch:

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  2. JJäger schreibt:

    Eine Anmerkung von mir:
    Für die Musik wird sich vorerst nichts ändern, denn soweit ich das begriffen habe, sehen alle Neurealisten die Musik als menschliches Artefakt, das heißt, dass sie durch poststrukturalistische Dynamiken ihre Bedeutung bekommt. Das bestreiten sie auch nicht. Die Grenzen, die die Neurealisten ziehen wollen, liegen außerhalb der Kultur. Und da Kunst funktionslos ist, wird es schwierig (aber nicht unmöglich), Eco’s Tischmetapher auf die Kunst anzuwenden. Die Absicht des Künstlers könnte tendenziell aber wieder stärker in den Vordergrund rücken.

    Und, mach weiter so, Stefan, wenn ich mir Gedanken über ein Thema mache, hast du immer am nächsten Tag nen Blogpost drüber. Das Buch hab ich mir erst gestern gekauft. Wenn ich noch mehr gute Zitate finde, poste ich sie. Über Kunst und Musik findet man nicht so viel, der Schwerpunkt der Neuen Realisten ist Ontologie und Epistemologie, nicht Ästhetik.

    Das Video hier fehlt in der Playlist oben

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  3. @JJäger: Danke, klar mach ich weiter, sowieso🙂 Wenn du eine dem Neuen Realismus (so weit ich das beurteilen kann) nahestehende Position zu musikästhetischen Fragen hören willst, dann lies Harry Lehmanns „Digitale Revolution der Musik“ (hast du ja evtl. schon, ich bin nicht sicher, ob wir darüber sprachen) bzw. meine Kommentare zu diesem Buch: https://stefanhetzel.wordpress.com/2012/11/08/mcluhan-oder-mckinsey-harry-lehmann-und-die-neue-musik/

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