Interview 2013 (3 von 7): Neue Musik

Interview 2013 (3 von 7): Neue Musik

2 Gedanken zu “Interview 2013 (3 von 7): Neue Musik

  1. Gerhard schreibt:

    Eine Musik, die sich völlig aus der Negation bestimmter Elemente herleiten will, kann ich mir garnicht vorstellen. Um einen vielleicht unpassenden Vergleich hier zu ziehen: Die Dadaisten und zu Anfang auch die Surrealisten praktizierten ja Verneinung absolut, aber Breton, wies schnell darauf hin, daß auch etwas erschaffen werden muß, sonst wäre die Bewegung nur Krawalltum geblieben.
    Vielleicht kannst Du das mit der Negation nochmal differenzieren?!

    Gefällt mir

  2. @Gerhard: Es ging mir hier weniger um den Begriff der Negation als den der Freiheit. „Neue Musik“ wäre dann unfrei, wenn sie sich ausschließlich in der Negation zu „normaler“, also eben tonaler, metrisch mehr oder minder gebundender Musik verstünde. Natürlich habe ich nichts gegen derartig „schräge Mucke“, meine eigenen Sachen klingen ja mitunter auch so.

    Ich wollte aber dezidiert darauf hinweisen, dass ich es für antiquiert halte, irgendeinen musikalischen Avantgarde- oder gar Überlegenheitsanspruch aus der ausschließlichen Verwendung „fortgeschrittenen“ musikalischen Materials abzuleiten. Diese gerade im akademischen Bereich (in Deutschland) immer noch häufig anzutreffende Haltung (tonale, metrisch gebunde Musik ist von Haus aus „zugänglich“, „unreflektiert“, „kommerziell“, „schlicht“ bzw. atonale, metrisch ungebundene Musik ist automatisch erst mal „anspruchsvoll“, „reflekiert“, „unkommerziell“, „komplex“) hat es wahrhaft verdient, auszusterben.

    Nur, um Missverständnisse auszuschließen: Das Gegenteil, also atonale, metrisch ungebundene Musik sei von Haus aus „zugänglich“, „unreflektiert“, „kommerziell“ und „schlicht“ bzw. tonale, metrisch gebunde Musik automatisch erst mal „anspruchsvoll“, „reflekiert“, „unkommerziell“ und „komplex“ halte ich natürlich für eine für ebenso blödsinnige Behauptung!

    Das Komplizierte an der Sache ist, fragt man Neue Musik-KomponistInnen ganz naiv und direkt, ob sie glauben, dass Atonalität und A-Metrik die conditio sine qua non ihrer Ästhetik ist, sagen alle wie aus der Pistole geschossen: „Nein, natürlich nicht! Das wäre ja viel zu kurz gegriffen.“ Fragt man sie anschließend mit ebenso treuherzigem Augenaufschlag, warum dann alle ihre Stücke ohne Ausnahme komplett atonal und a-metrisch seien, verstehen sie die Frage nicht oder sehen einen nur mit großen Augen an, als sei man nicht ganz richtig im Kopf.

    Im Stillen halten sie den Frager aber vermutlich für provinziell, denn jeder halbwegs Gebildete weiß ja schließlich, dass Neue Musik eben atonal und a-metrisch sein muss, sonst wäre sie ja keine (dies wird aber normalerweise nie ausgesprochen).

    Also sind diese Merkmale eben doch die conditio sine qua non der Neuen Musik (bzw., systemtheoretisch formuliert, ihr blinder Fleck), q.e.d.

    Gefällt mir

Kommentieren:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s