Verkehrte Welt

2015: Die Kunst ist abgeklärt, diszipliniert, realistisch und professionell, die politische Debatte impulsiv, zügellos, irrational und dilettantisch. Umgekehrt gefiele mir besser.

Verkehrte Welt

5 Gedanken zu “Verkehrte Welt

  1. Volker schreibt:

    Mir auch!!! Aber woran liegt’s? Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen es noch „Parteiprogramme“ (hä? was’n des?) gab und man sich noch halbwegs auf Standpunkte einer politischen Partei verlassen konnte, aber dann kam der Kanzler der Beliebigkeit, ein gewisser Gerhard S., und Politik war vollends Tagesgeschäft…was natürlich durch die Irrationalität der Debatte im Internet befeuert wird, über die man bei Sascha Lobo immer wieder lesen kann, z.B. hier http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-belehrungen-im-internet-a-1021692.html

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  2. @Volker: Für unberechenbare Kehrtwenden stehen doch in erster Linie Kanzlerin Merkel und der bayerische Ministerpräsident Seehofer. Das wird dann noch kombiniert mit so ambitionslosen Politik- und Gesellschaftstalks wie Günter Jauch, Anne Will, Maybrit Illner und Markus Lanz (verantwortlich dafür: öffentlich-rechtliche Sender) und schon hast du den welken Salat.
    Einzige Hoffnung: Selbstermächtigung des informierten Bürgers z.B. durch Blogs, Enthüllungsplattformen, Bürger/Volksentscheide, Musterprozesse, etc., aber das ist ein anstrengender und nervenaufreibender Weg ohne Erfolgsgarantie, letzten Endes hat man auch da als Privatmann kaum eine Chance gegen Berufspolitiker und Lobbyisten. Demonstrieren oder Wählen gehen zeigt ja schon lange keine Wirkung mehr, Bürgerwille ist offensichtlich nicht relevant, es gibt dafür unendliche Beispiele. Ob nun CDU, SPD, Grüne oder FDP, ich kann kaum noch Unterschiede erkennen.

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  3. @Stefan: Geb dir Recht. Was beide eint, ist tendenziell eine Visionslosigkeit – und die ist vielleicht in beiden Fällen der Grund dafür, warum sie so sind wie du beschreibst.

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  4. Volker schreibt:

    @Dennis: Ganz recht, mein Bester, das meinte ich, dass aus ehemals profilierten Parteien kaum noch zu unterscheidende Wahlvereine geworden sind – mit rot-grün 1998 fing das meiner Meinung nach an, dass plötzlich (ich hab’s neulich erst wieder irgendwo gesehen) ein grüner Außenminister (freilich als ehemaliger Frankfurter Steinewerfer mit gewisser Affinität zur Anwendung von – ähm – Gewalt) im Brustton der Überzeugung den ersten „kriegerischen“ Einsatz der Bundeswehr nach 1945 auf dem Kosovo begründete (wo’s heute immer noch kracht). Mit dem „Bürgerwillen“ habe ich da aber so meine Zweifel, denn den nehmen auch „Spaziergänger in Dresden“ für sich in Anspruch😦

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  5. @Volker, Dennis & Kreidler: Danke für eure Kommentare🙂

    @Dennis: Apropos „kaum noch Unterschiede“ (zwischen den Parteien). Der Soziologe Armin Nassehi hat in seinem aktuellen Buch „Die letzte Stunde der Wahrheit“ den Mut, die politischen Handlungsmöglichkeiten hierzulande in exakt 3 Optionen aufzusplitten:

    (1) Umbau der Gesellschaft
    (2) Moralischer Appell an das bürgerliche Individuum
    (3) Ethnozentrismus / Tribalismus

    Meiner Meinung nach umfasst Option 1 sämtliche linken Splittergruppen, die Linkspartei, die SPD, die Grünen und den linken Flügel der CDU, Option 2 umfasst den rechten Flügel der CDU, den linken Flügel der CSU und die FDP, Option 3 umfasst große Teile der CSU, sowie natürlich die AfD nach der Kaltstellung Luckes und sämtliche Rechtsaußenparteien.

    Du siehst, „Unterschiede“ gäbe es schon, nur leben wir halt immer noch ein ganz kleines Bisschen in der durchsozialdemokratisierten Nachkriegszeit, wo es genau drei sozialdemokratische Parteien gab: Die (Helmut Kohl-) CDU/CSU, die (Willy Brandt-) SPD und die (Genscher-) FDP.

    Im Bundestag sitzen also im Moment im Wesentlichen eine linke und 3 sozialdemokratische Parteien mit jeweils einigen bürgerlichen Individualisten in ihren Reihen. Die AfD (die ich politisch ablehne und bekämpfe, wo immer ich auf sie treffe) ist (noch) „bäh“, scheint mir aber die impulsiv-zügellos-irrational-dilettantische Stimmungslage vieler Menschen in diesem Lande gut abzubilden (die „sarrazinistischen“ Sozialdemokraten und Gewerkschaftler gehören übrigens genau in dieses Lager).

    [Meine persönliche Position ist euch ja klar, ich schreib’s aber trotzdem noch mal hin: Ich sehe mich zwischen Option 1 und 2, mit deutlichem Übergewicht von Option 2.]

    [[Und nur, falls irgendjemand nicht weiß, was „Ethnozentrismus / Tribalismus“ bedeuten soll. Es steht in diesem Fall für die (absurde) Überzeugung, dass „am deutschen Wesen die Welt genesen“ soll, wobei „deutsch“ durch eine/n beliebige/n andere/n Volksgruppe / „Rasse“ / Stamm / gesellschaftliche Gruppe ersetzt werden kann.]

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