Geuter über den Qualitätsverlust digitaler Kopien

Auch digitale Kopien von Artefakten, die zur Kommunikation mit unserer Umwelt dienen, werden schlechter [als das Original, S.H.]. Sie verlieren Qualitäten, die wir ihnen als soziale Struktur geben: Bedeutung und Impact.

Jürgen Geuter: Die Kopie der Kopie der Kopie (Blogartikel vom 24. August 2015)

Geuter über den Qualitätsverlust digitaler Kopien

2 Gedanken zu “Geuter über den Qualitätsverlust digitaler Kopien

  1. Gerhard schreibt:

    Wie ist es denn mit Kunst, die man, unverbunden mit dem Nest, aus dem es entstand, betrachtet? Man hat zu keiner Zeit all das zur Hand, was das Kunstwerk einst geformt haben koennte. Man weiss auch nicht alles darueber. Zudem veraendert sich die moegliche Sichtweise und die Interpretation des Werks durch die Jetztzeit oft in nicht geringem Umfang, mit und ohne die Kenntnis des Umfelds des Originals.

    Dass eine willentlich gezogene Kopie im Netz all die Attribute verliert, die das Original einst wie ein Gespinst umgab, ist zwar aergerlich, aber im Bewusstsein, dass es notwendigerweise so sein muss, verkraftbar. Die Kopie ist entkleidet, roh, farb-los, nur nackte, blosse Wiedergabe eines vermutlich ehemals Umfangreicheren – oder sogar Anderen?!

    Gefällt mir

  2. @Gerhard: Ich denke, hier lassen sich keine universellen Regeln finden. Auch schlechte Kopien können einen zum guten Original führen, umgekehrt können auch Künstler, die sich stets von den Klassikern (also „Originalen“) haben leiten lassen, Hersteller mieser Kopien werden (mangels Talent). Wieder umgekehrt können auch Künstler, die sich bewusst vornehmen, Genre-Trash (also „Kopien“) zu machen, unversehens zum „Original“ aufsteigen usw. – Ich denke, worum es Geuter hier geht, ist kein allgemeiner Kulturpessimismus (d. h. der übliche feuilletonistische „Das-Internet-ist-böhse-und-Frank-Schirmacher-hat-es-gewusst“-Kulturpessimisums), sondern lediglich eine Art Stoßseufzer über die „Mem-Inflation“, die das Internet hervorgebracht hat (man könnte es auch, frei nach Kreidler, eine Melancholie angesichts des stets verfügbaren „totalen [kulturellen] Archivs“ nennen, die einen irgendwann paralysiert, anstatt zu inspirieren [ich glaube, so geht’s vielen „Power-Usern“ des Internets – man kann aber was dagegen tun: mal ne Weile nicht ins Internet gehen…]).

    Gefällt mir

Kommentieren:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s