«6 Pieces for Player Piano (2005 – 2012)» visualisiert

 

Nachdem er meine „6 Pieces for Player Piano (2005 – 2012)„, die ich im November hier eingestellt habe, gehört hatte, wies mich der Komponist Klarenz Barlow auf Stephen Malinowskis Music Animation Machine (MusAniM) hin, einer auf das Jahr 1985 (!) zurückgehenden freien Software, die MIDI-Daten grafisch aufbereitet. Ich war MusAniM zwar schon vor Jahren begegnet, hielt deren visuelle Möglichkeiten aber bisher nicht für sonderlich attraktiv: zu karg und elementar, zu „mathematisch“ erschien mir die von Malinowski implementierte Formensprache. Allerdings hatte ich noch nie ernsthaft mit MusAniM gearbeitet. Aber jetzt.

Es zeigte sich, dass die ja ebenfalls ziemlich „mathematischen“ (sprich: algorithmisch-repetitiven) Strukturen der „6 Pieces“ sehr charmant mit den von Malinowski favorisierten geometrischen Elementarformen harmonieren, weswegen mir die gestalterische Arbeit sehr flott von der Hand ging. Probleme bereitete dann natürlich mal wieder (wie fast immer!) die technische Umsetzung (Minimierung des Bildruckelns der Animation), aber ich hab mich halt reingekniet. Das Ergebnis ist technisch halbwegs in Ordnung, ästhetisch bin aber sogar sehr zufrieden🙂 [Nerd-Info: Die Investition in die Screen-Capturing-Shareware „Fraps“ lohnt sich und der „Movie Maker“ ist der beste Beweis dafür, dass Microsoft auch gute freie Software machen kann.]

Bei der Gelegenheit habe ich die Komposition gleich noch mal neu gerendert und zwar mit dem wunderbaren „Iowa Piano„, einem freien Soundfont eines Steinway „Model B“ Konzertflügels. Im Gegensatz zum brillant-klaren Bösendorfer Imperial (aus der kommerziellen Vienna Symphonic Library), den ich sonst verwende, ein viel „humanoiderer“ Klang, d. h. alles ist ein wenig dunkler, unklarer, sogar (auf angenehme Weise) verwaschener, die lauten Töne sind dennoch sehr hell (das Problem beim Bösendorfer ist ja: er klingt immer hell und kristallin, auch im Pianissimo-Bereich). Die Samples rauschen ein bisschen, v. a. bei getretenem Haltepedal (da summiert sich ganz offenbar das Hintergrundrauschen der „ausgehaltenen“ Einzelsamples, ohne dass die gesampelten Klänge noch hörbar wären), was ich in einer späteren Version evtl. herausfiltern werde.

Eine neue Temperierung, die ich eher zufällig in Op de Couls Skalenarchiv entdeckte, habe ich den „6 Pieces“ auch verpasst. Es handelt sich um diese:

Lou Harrison, "Incidental Music for Corneille's Cinna" (1955-56) 1/1=C

 0: 1/1      0.000000 unison, perfect prime
 1: 25/24   70.672427 classic chromatic semitone, minor chroma
 2: 9/8    203.910002 major whole tone
 3: 6/5    315.641287 minor third
 4: 5/4    386.313714 major third
 5: 21/16  470.780907 narrow fourth
 6: 45/32  590.223716 diatonic tritone
 7: 3/2    701.955001 perfect fifth
 8: 8/5    813.686286 minor sixth
 9: 5/3    884.358713 major sixth, BP sixth
10: 7/4    968.825906 harmonic seventh
11: 15/8  1088.268715 classic major seventh
12: 2/1   1200.000000 octave

Zum Anfang des vierten Stücks erzeugt diese Skala gewisse aurale Härten am Rande des Unangenehmen (aber für meine Begriffe eben nur am Rande), ansonsten aber verleiht Harrisons Stimmung (die vermutlich eine Variante der „reinen Stimmung“ darstellt, aber da bin ich kein Experte, wer weiß Bescheid?) den „6 Pieces“ eine zusätzliche leichte, aber entschiedene Sprödigkeit, die mich (pardon) entzückt!

Viel Spaß beim Schauen & Lauschen wünsche ich euch … und meldet doch mal zurück, wie’s euch gefallen hat🙂


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