«The Wind» für Klavier (ePlayer-Realisierung)


Soundfont Yamaha Maestro
Sample Player SynthFont2
Faltungshall Schellingwoude Kerk Amsterdam (Fokke van Saane), unter Verwendung des VST-Plugins Freeverb3 Impulser

Kompositionsnotiz

Das Stück basiert auf dem PianoLog 2006-04-22. In der Original-Improv enthaltene Unregelmäßigkeiten in Anschlag und Timing wurden sorgfältigst und langwierigst manuell mikroeditiert, auf der Makroebene (Geschwindigkeit, Textur) entspricht die Komposition aber weitgehend dem Rohmaterial. Die Temperierung folgt einer Skala, die der us-amerikanische Komponist Lou Harrison in den 1950er-Jahren entwickelte:

Lou Harrison, "Incidental Music for Corneille's Cinna" (1956) 1/1=C

 0: 1/1      0.000000 unison, perfect prime
 1: 25/24   70.672427 classic chromatic semitone, minor chroma
 2: 9/8    203.910002 major whole tone
 3: 6/5    315.641287 minor third
 4: 5/4    386.313714 major third
 5: 21/16  470.780907 narrow fourth
 6: 45/32  590.223716 diatonic tritone
 7: 3/2    701.955001 perfect fifth
 8: 8/5    813.686286 minor sixth
 9: 5/3    884.358713 major sixth, BP sixth
10: 7/4    968.825906 harmonic seventh
11: 15/8  1088.268715 classic major seventh
12: 2/1   1200.000000 octave

Es handelt sich um eines meiner „wüsten“ Stücke, Aggressivität wandelt sich in pianistische Motorik und so… Kann man sicher nicht „immer“ hören – aber nur einen ganz gefälligen Scheiß kann man „immer“ hören -, es empfiehlt sich demnach ein konzentriertes, mehrfaches Anhören in beruhigter Gemütsverfassung, am besten mit ein wenig Abstand (Stunden, Tage) zwischen den einzelnen Sitzungen. Wer gerade angenervt, frustriert oder leicht aggressiv ist, für den dürfte „The Wind“ das pure Ohrengift darstellen. Von entsprechenden Hatemails bitte ich abzusehen – ich weiß schon, was ich tue, danke🙂

«The Wind» für Klavier (ePlayer-Realisierung)

5 Gedanken zu “«The Wind» für Klavier (ePlayer-Realisierung)

  1. Gerhard schreibt:

    @Stefan: Erkläre doch einem Laien, was mit „Die vorliegende Fassung wurde mit den Samples eines überaus charmanten, über 100 Jahre alten Klaviers realisiert“ gemeint ist. Du hast doch das Piano-Log selbst eingespielt ?!
    Zweitens: „nur einen ganz gefälligen Scheiß kann man “immer” hören “ – das stimmt so nicht!
    Drittens: Habe das jetzt 1x angehört und bin keineswegs gestimmt, eine Hatemail abzusetzen🙂

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  2. @Gerhard: Meine Klavierstücke liegen als MIDI-Datei, also als digitale „Partitur“, vergleichbar mit einer Papierrolle für ein mechanisches Klavier, vor. Diese Datei enthält – eben genau wie eine Partitur – alle Parameter der Komposition – außer den Sounds. Als ich den PianoLog vor 10 Jahren einspielte, tat ich das auf einem MIDI-Masterkeyboard, das den üblichen „modernen“, also hellen, aggressiven Klavierklang ansteuerte. Es ist ausgesprochen reizvoll, dasselbe Stück nun mit den Samples so eines „Vintage“-Klaviers (dessen Mechanik im Übrigen in der Kohlenstoffwelt den Herausforderungen dieser Komposition gar nicht gewachsen wäre) zu realisieren.

    Was dich evtl. irritiert, ist die Entkoppelung von Komposition und Klangfarbe bei diesem Konzept (ist aber nichts Neues, hat J.S. Bach bsp.weise auch schon gemacht). Klangfarben sind für mich – und da unterscheide ich mich von vielen heutigen Kunstmusik-KomponistInnen (vgl. z. B. die mittlerweile enorme Ausdifferenziertheit „erweiterter Spieltechniken“ für alle klassischen Instrumente) – Mittel zum Zweck, aber kein wichtiges oder gar zentrales Ausdrucksmittel beim Komponieren. Ich strebe eher nach (möglichst) „klangfarbenunabhängiger“ Musik, deren Qualität sich dann u. a. daran bemisst, mit wie vielen verschiedenen Samples sie sich realisieren lässt und dennoch immer gut klingt (Das hat instrumentaltechnische Grenzen, klar).

    Mir ist bewusst, mit diesen Ansichten bei vielen Musikfreunden auf Unverständnis zu stoßen. Als Erstes kommt immer die süffisante Bemerkung: „Dann bist da ja wie ein Maler, der sich nicht für Farben interessiert!“- „Dürers Holzschnitte und Kupferstiche sind also keine Bildende Kunst?“, frage ich dann immer zurück. „Oder nehmen sie Warhol, der ein und dasselbe Motiv sehr oft in unterschiedlichen Farbtönen realisiert hat. Ist jetzt die blaue Marilyn die ‚echte‘ oder doch die gelbe?“ usw.

    Ich finde es völlig legitim, klangfarbenbasiert zu komponieren (à la „Das wichtigste an der Musik ist der Sound.“), aber diese Herangehensweise ist alles andere als alternativlos oder gar eine conditio sine qua non (à la „Nur wenn einer in die Geige bläst, ist es Kunstmusik.“)

    „“nur einen ganz gefälligen Scheiß kann man ‚immer‘ hören” – das stimmt so nicht!“ – Ja, ok, streich das bitte.

    „Habe das jetzt 1x angehört und bin keineswegs gestimmt, eine Hatemail abzusetzen :-)“ – was mich außerordentlich freut, lieber Gerhard!

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  3. Gerhard schreibt:

    Ja danke für die Erklärungen zu den Klangfarben.
    Irgendwie stand ich mit meiner Frage auf dem Schlauch, hatte ein verstaubt-merkwürdiges Bild im Kopf von einer Audio-File, die nachträglich bearbeitet wird.
    Woher kommen solche Eingebungen, trotz eigentlich besseren Wissens?

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  4. Gerhard schreibt:

    Ja, da rage ich kräftig rein🙂 Hatte noch mit Lochkarten zu tun. Da konnte man bei einem Programmfehler einfach die entsprechende Lochkarte austauschen, wenn man wusste wie😉

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