«6p4ppp (6 Pieces for Prepared Player Piano), 2016»

Kompositionsnotiz

Das bereits bestehende Stück wurde mit K.J. Werners frei im Internet erhältlicher Sample-Bibliothek eines streng nach John Cages Angaben präparierten Konzertflügels neu gerendert und anschließend dem gewaltigen Hall des York Minsters ausgesetzt. Dieses Stück ist also (mal wieder) ein „lupenreiner digitaler Bastard“, bzw., vornehmer ausgedrückt, ein iteriertes Kunstmusik-Mashup: Laurie Spiegel durch die Brille von S.H. durch die Brille von John Cage. Aber Spaß macht es auch🙂

prepared_piano_EDIT

Zur Entstehungsgeschichte seiner Sample-Bibliothek schreibt Werner:

I recorded these prepared piano samples in October, 2011 on the CCRMA stage using my Zoom H4n and its built-in stereo mic pair. The grand piano on the CCRMA stage had been prepared for a performance of John Cage’s „Sonatas and Interludes for Prepared Piano,“ and I made recordings of each altered note, without and sometimes with the sustain pedal engaged (none of the notes above G#5 have a sustained version, as a consequence of my race against the recording time available to me).

Werner hat die Sample-Bibliothek unter einer Creative Commons Attribution 3.0 Unported License publiziert.

 

«6p4ppp (6 Pieces for Prepared Player Piano), 2016»

10 Gedanken zu “«6p4ppp (6 Pieces for Prepared Player Piano), 2016»

  1. @Gerhard: Danke, gern geschehen. Möchte betonen, dass der konzeptuelle Anteil in dieser Komposition recht hoch ist, da die MIDI-Datei der Ausgangskomposition „6 Pieces for Player Piano (2005 – 2012)“ ohne Rücksicht darauf, ob die so angetriggerten Sounds musikalisch „Sinn“ machen oder nicht, durch die Cage-Samplebiblio geschickt wurde. Nachträglich geändert habe ich hier nichts, denn, „once the process is set up and loaded it runs by itself“ (S. Reich 1968).

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  2. Gerhard schreibt:

    Man könnte das fast mit der sogenannten Stoffwechselbibliothek vergleichen, in der ein gegebener Stoffwechsel die evolutionäre Reise durch diese multidimensionale Bibliothek antritt, um „etwas neues, sinnhaftes hinzuzugewinnen“ , ohne dabei die urspr. Funktion zu verlieren. Wenn die Cage-Bibliothek „stark“ ist, werden „sinnvolle“ Sounds rauskommen. So stelle ich mir das vor.

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  3. @Gerhard: Faszinierender Gedanke, erscheint mir aber spontan zu spekulativ. Außerdem bin ich ja durchaus ein Freund des Unsinns im Sinne von Wittgensteins Diktum „Scheue dich ja nicht davor, Unsinn zu reden! Nur mußt du auf deinen Unsinn lauschen.“

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  4. Gerhard schreibt:

    Freilich war das spekulativ, war auch im Grunde nicht anders gemeint🙂
    Mir fiel das Ganze nur ein, als ich den Begriff „Bibliothek“ las. Diese Protein-Bibliotheken oder auch Stoffwechsel- und Regulationsbibliotheken sind ein Mysterium, anhand derer Evolution offenbar „recht schnell“ zu weiterführenden Ergebnissen kommt. Ihnen auf die Spur kommt man im übrigen nur durch gewaltige Rechenkraft.
    Unsinn äussert man eh pausenlos, weil man bestenfalls von Annäherungen an die State of art erzählen kann. Aufgeschnapptes halt.
    Was hat Wittgenstein mit „Nur mußt du auf deinen Unsinn lauschen” gemeint? Meinte er damit den Kern von „Wahrheit“ in jedem Unsinn? Oder was der Unsinn eigentlich vom Erzählenden berichtet?

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  5. @Gerhard: Wittgenstein interessierte sich für die Grenzen des Sagbaren. Er war zwar eigentlich davon überzeugt, dass „alles, was sich überhaupt sagen lässt, auch klar und deutlich sagen lässt“. Auf der anderen Seite klingen viele seiner eigenen Äußerungen ziemlich kryptisch. Es scheint mir da einen ungelösten (und evtl. unauflösbaren?) Widerspruch bei ihm zu geben – was einer der Hauptgründe ist, warum er für mich als Autor wie als Person von so nachhaltigem Interesse ist.

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  6. Gerhard schreibt:

    Danke, @Stefan.
    Deine Vorliebe für Wittgenstein und die Erklärung dazu laden alleine von sich aus zu weiteren Nachfragen ein:
    Was ist für Dich speziall so „erotisch“ am Widersprüchlichen? Oder meinst Du mehr/auch die „Uneindeutigkeit“?
    Ein weites Feld.

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  7. @Gerhard: Am Widersprüchlichen ist gar nichts erotisch, es ist eine Quälerei, die einer Lösung zuzuführen ist, ansonsten zermürbt sie einen. Auch „Uneindeutigkeit“ schätze ich nicht „an sich“, denn sie ist zu nah an der mir verhassten Indifferenz. Was ich aber liebe, schätze und suche, sind Kippfiguren / Multistabilitäten / Gestaltwechsel (siehe dazu auch diesen Weltsicht-Artikel aus dem Jahr 2012): https://stefanhetzel.wordpress.com/2012/09/01/multistabilitat-in-der-musik/

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  8. Gerhard schreibt:

    Du redest primär von Musik oder? Wenn Du von quälend nötiger Auflösung des Widersprüchlichen sprichst.
    Ich denke, „die Welt“ ist sähr uneindeutig. Über kaum ein Phänomen kann ich etwas grundsätzlich Abschliessendes sagen. Das ist jetzt keine Indifferenz.
    Aber wenn ich etwa ein Verhalten eines Menschen bewerten will (und auch muß), dann schwankt/ kippt die Bewertung oft. Thematisiert ist diese Schwierigkeit auch im übrigen in dem berühmten Film „Das Lustwäldchen“ – das fiel mir gerade wieder mal ein.

    Ich tue mich grundsätzlich schwer, loszuschwaffeln und dem jeweilgen Thema mehr Raum zu geben, deshalb auch immer meine kurzen Reflektionen.

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  9. @Gerhard: Was „das Widersprüchliche“ betrifft, nein, da habe ich nicht „primär von Musik geredet“, sondern tatsächlich ganz allgemein. Die in Kunstkreisen ach so wohlfeile Apotheose des Widersprüchlichen teile ich gar nicht. Aber ich denke, hier gibt’s (mal wieder) ein Rollenproblem. Als Künstler arbeite ich daran, Widersprüche darzustellen und dadurch zu, äh, „behandeln“ („lösen“ wäre zuviel gesagt). Als Kunstrezipient schätze ich polyvalente, evtl. sogar widersprüchliche Werke. Allerdings ist „Widersprüchlichkeit“ allein für mich noch kein ausreichendes Kriterium für ästhetische Qualität (dafür ist sie zu nah an der Beliebigkeit).

    Und: Vom Schwafeln kann bei dir keine Rede sein, keine Sorge🙂

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