Neuer Podcast: „Die Lage der Nation“

Erste Sendung vom 13. März 2016 (ca. 60′):


Inhaltliche Gliederung
Anspieltipp: 00:50:07 – 00:56:36 „Rechte APO und repräsentative Demokratie“ (ziemlich Jura-spezifisch, aber warum nicht?)

Seit Kurzem erstellen der Journalist Philip Banse (Küchenradio) und der Jurist Ulf Buermeyer einen wöchentlichen Podcast mit dem bemerkenswerten Titel Die Lage der Nation (LdN). Beide Moderatoren entstammen dem Piratenpartei und ChaosComputerClub nahestehenen „technologieaffinen Linksliberalismus“*.

Vergleicht man LdN mit dem (von mir hier grade eben vorerst verabschiedeten) Podcast Alternativlos! (AL) von Frank Rieger und Felix von Leitner, so lässt sich durchaus von einem Stilwandel in dieser Szene sprechen. Während Rieger und von Leitner stets und immer komplett nerdmäßig auftraten (ok, Rieger viel weniger als von Leitner) und an der Welt der Politik stets und immer erst mal das Absurde herauskehrten, zeigen sich Banse und Buermeyer nüchterner und sachlicher, d. h. man merkt nicht sofort, dass man nicht den Deutschlandfunk eingeschaltet hat. Dennoch erlauben sie sich weiter jede Menge erfrischender Dialoge, die im professionellen Journalisums No-gos darstellten: „Sag mal, hieß der CDU-Spitzenkandidat nicht Müller?“ – „Nee, Wolf.“ oder „Weiß ich jetzt grade nicht, tut mir leid.“ bzw. „Hatte keine Zeit, das zu recherchieren, sorry.“

Ich finde Derlei deswegen erfrischend und nicht einfach nur nervig oder – wie mitunter bei AL – arrogant (à la „Wir sind halt Nerds, uns kann sowieso keiner!“), weil es dann doch den tiefen konzeptuellen und – vor allem – institutionellen Graben zwischen einer politischen Kommentarsendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und einem der Blogosphäre zugehörigen Podcast deutlich macht.

Denn hier unterhalten sich einfach zwei Bürger – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Beide bringen ihren jeweils aktuellen (und notwendig lückenhaften!) Wissensstand über die Lage der Dinge mit, aber sie haben sich gegenüber niemandem zu rechtfertigen. Es gibt keinen Chefredakteur, keinen Quotendruck, keinen öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag und erst recht keine Verpflichtung, politisch korrekt zu agieren. Wenn Banse & Buermeyer das dennoch tun, so deshalb, weil politisch korrektes Sprechen eben Teil ihrer Weltanschauung ist. Aber das fühlt sich nun mal komplett anders an, als durch irgendwelche redaktionellen Vorgaben zu „ausgewogener Berichterstattung“ verpflichtet zu werden!

LdN will heraus aus dem Nerdghetto, ohne die weltanschaulichen Gehalte dieser Szene preiszugeben. Like.


* Das klingt jetzt ziemlich prätentiös, aber einer muss ja mal anfangen, diese politische Position zu beschreiben. „Linksliberal“ allein wäre zu unspezifisch, denn dann müsste man auch FDP-Figuren aus der sozialliberalen Zeit wie Gerhart Baum oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit reinnehmen. Und die wurden nun mal ohne Internet sozialisiert. „Piraten“ allein ist wiederum nicht korrekt, da nach meinem Kenntnistand keiner der beiden dieser Partei angehört. „Netzaktivisten“ sind Banse und Buermeyer ganz sicher, aber bei dieser Bezeichnung bleibt der politische Standpunkt unbestimmt. Auch wer für die AfD bloggt, ist ein Netzaktivist.
Vielleicht ließe sich die Position mit „technoliberal“ abkürzen?
Neuer Podcast: „Die Lage der Nation“

4 Gedanken zu “Neuer Podcast: „Die Lage der Nation“

  1. Gerhard schreibt:

    Die erste Folge war nach meinem Befinden nicht ganz der Hit. Aber ich werde dranbleiben.
    Die erste halbe Stunde war mehr ein Chat, mit vielerlei Vermutungen, Ahnungen, Angedeutetem. Damit kann man aber letztlich trotzdem gut leben, denke ich. Wer von uns weiß schon im Einzelnen präzise bescheid. Es ist zwar keine pear soup, die wir löffeln, aber man schwebt doch schon als Bürger „gerne“ im Ungefähren, in der „Unschärfe“.

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  2. Gerhard schreibt:

    Eine pear soup ist eine dicke Suppe. Dieser Ausdruck stammt vom englischen industriellen fog in London, der u.a. vom Verbrennen von see coal herrührte, ein Ärgernis um 1275.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Pea_soup_fog
    Sties auf diesem Ausdruck natürlich in einem elektronischen Schachmagazin. Sollte beschreiben, daß man in einer bestimmten Position nicht die Hand vor Augen sehen kann, es richtig brenzlich ist und man leicht stolpern kann.

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