4 KunstmusikkomponistInnenporträts von Johannes List

Selten habe ich substanzärmere Hofberichterstattung gesehen als die visuell sehr sorgfältig gearbeiteten Porträts erfolgreicher in Deutschland lebender KunstmusikkomponistInnen von Johannes List, wie sie auf seinem Vimeo-Account zu sehen sind. Das ist ein zugegeben recht hartes Urteil, welches eine ausführliche Begründung erfordert, will es nicht als Neidpolemik eines nicht ganz so erfolgreichen Kunstmusikkomponisten abgetan werden. Hier kommt sie:

Nun, von einem solchen Porträt, vorausgesetzt, die Porträtierte ist mir gänzlich unbekannt, wovon bei KunstmusikkomponistInnen unter 40 Jahren getrost ausgegangen werden kann, erwarte ich mir die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wer war meine Kompositionslehrerin (das umfasst auch nicht-institutionalisierte Einflüsse)?
  2. Wer bzw. was hat mich in meiner Jugend musikalisch beeinflusst? Welcher Schule fühle ich mich zugehörig (dazu gehören auch mögliche Äußerungen wie „Ich verabscheue kompositorische Schulen“ bzw. „Ich habe die Kunstmusik komplett neu erfunden und bin von niemandem beeinflusst außer von meiner eigenen Genialität“)?
  3. Wo komme ich soziokulturell her, will sagen, welchem Milieu (besserverdienend, Mittelklasse, prekär) entstamme ich (die Nationaliät ist dabei nur von untergeordneter Bedeutung)?
  4. Wo will ich hin, d. h. was will ich mit meiner kompositorischen Arbeit erreichen (wobei der Porträtierte bei Beantwortung dieser Frage auf Äußerungen wie „Ich will eine Dozentenstelle an einer staatlichen Hochschule, damit meine Rente sicher ist“ nicht verzichten sollte, denn derartige Ambitionen sind erstens vollkommmen legitim und zweitens für das künstlerische Schaffen des Betreffenden durchaus relevant)?
  5. Wo stehe ich politisch (dazu gehören auch mögliche Statements wie „Ich sehe mich als unpolitische Künstlerin“, „Kunstmusik sollte sich aus der Politik heraushalten“ bzw. „Kunst und Politik sind generell unvereinbar“)?
  6. Beginne ich nur zu komponieren, wenn mir ein bezahlter Auftrag vorliegt, oder arbeite ich mitunter auch intrinsisch motiviert?
  7. Welche KünstlerInnen außerhalb der kunstmusikalischen Welt (also MalerInnen, FilmemacherInnen, SchriftstellerInnen, KabarettistInnen, PopmusikerInnen, JazzmusikerInnen etc.) schätze ich bzw. lehne ich ab und warum?
  8. Wer ist mein Vorbild (dazu gehören auch mögliche Äußerungen wie „Ich habe kein Vorbild“ bzw. „Ich bin mein eigenes Vorbild“)?
  9. Welche weltanschauliche Ausrichtung habe ich (religiös, agnostisch, atheistisch) und warum?

Weiterhin wäre es schön, wenn die Porträtierten zu den wichtigsten aktuellen ästhetischen Fragen ihres Faches kurz Stellung nehmen würden, als da – meiner Meinung nach – wären:

  1. Welche Folgen hat die Digitalisierung einschl. der Künstlichen Intelligenz auf das kunstmusikalische Komponieren?
  2. Reicht es im 21. Jahrhundert noch aus, „stilechte“ Neue Musik einschließlich ihrer längst stereotyp gewordenen Gestaltungsmittel (wie z. B. erweiterter Spieltechniken) zu komponieren, um sich als KunstmusikkomponistIn zu legitimieren?

Von all diesen Dingen hört man noch am ehesten etwas im Muntendorf-Porträt, ansonsten filmt List seine ProtagonistInnen einfach bei der Probenarbeit mit InterpretInnen ihrer Partituren. Dadurch entsteht der irreführende Eindruck, es sei die Aufgabe eines Kunstmusikkomponisten, seinen InterpretInnen seine Musik zu erklären, weil sie mit der Interpretation seiner Partitur überfordert seien. Fakt ist: Noch nie gab es so viele selbst in den abseitigsten Spieltechniken versierteste Kunstmusik-InterpretInnen wie heute. Denen braucht man eigentlich gar nichts erklären (außer, man will Dinge von ihnen, die sie einem gar nicht geben können).

Der interessierte, aber unbedarfte Zuschauer bekommt nach dem Ansehen von Lists Filmen den Eindruck, ein erfolgreicher Kunstmusikkomponist sei einfach jemand, der es geschafft hat, für seine Musik Probenzeit mit sehr sehr teuren, steuergeldfinanzierten Neue-Musik-Ensembles (in denen Tasteninstrumente scheinbar nicht vorkommen, dafür aber jede Menge Streicher und Perkussion aller Art) zu bekommen. Wie das geschieht, d. h., welchen Weg durch welche durchaus fragwürdigen Institutionen sie bis dahin zurücklegen musste und wer oder was auf diesem Weg evtl. auf der Strecke blieb, dafür interessieren sich Lists Porträt nicht.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, warum diese Art von Musik – ungeachtet des ausgeprägt individualistischen Selbstverständnisses ihrer MacherInnen – auf stets ähnliche Art und Weise dissonant, atonal, geräuschhaft und beat-los sein muss.

Dafür sehen wir Herrn Barden beim Indoor-Freiklettern zu, hören Frau Djordjevic von der rohen, leidenschaftlichen Qualität ihrer eigenen Musik schwärmen, erfahren von einem leicht gekränkten Herrn Kampe, dass Kirchenbesucher seine Orgelmusik mal als „Gebrumme“ abzuqualifizieren wagten und von Frau Muntendorf, dass man als neuntes von zehn Kindern einfach „sein Ding machen muss“, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Letzteres ist zweifellos aufschlussreich, danke.

P.S.: Den Einwand, Kurzporträts unter 10 Minuten Länge seien nicht in der Lage, eine derartige Fülle von Sachinformation zu bringen, würde ich gelten lassen, wenn in irgendeinem dieser 4 Filme auch nur eine der von mir geforderten Sachinformationen Platz gehabt hätte.

4 KunstmusikkomponistInnenporträts von Johannes List

10 Gedanken zu “4 KunstmusikkomponistInnenporträts von Johannes List

  1. Stimme ich nicht zu. Habe gerade erst den Kampe-Film gesehen. Ich finde nicht, dass ein Film diskursiv sein muss. Der Film darf auch und gerade gerne das abbilden, was man nicht über einen Text erörtern könnte. Keiner der Gedanken, die Du anführst, wäre nicht auch durch einen Text zu erledigen. Wennn dagegen sich bei Kampe die Wasserpfütze kräuselt bei der Aufnahme, gibt mir das mehr und andere Informationen. Ebenso der Gang durch die Bibliothek: Die in sich das Spannungsfeld von Komponist, Mensch, Wissenschaftler etc. zeigt – ebenso die Schlussszene. Das ist alles außerordentlich gut „fotografiert“. Nein, Stefan. List löst die Aufgabe als Filmemacher, nicht als Buchhalter. Und das ist gut!

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  2. Ich reagiere jetzt einfach mal, bevor ich mir einen der Filme ansehe.

    Meine Vermutung ist, dass die meisten der Fragen, die du stellst, von vielen Komponisten – bewusst oder unbewusst – möglichst vermieden werden. Ich hab jedenfalls die Erfahrung gemacht, wann immer ich einen meiner Studienkollegen „ausfragen“ möchte, also z.B. nach Vorbildern, Einflüssen, etc. dass die Reaktion oft gar nicht erfolgt oder eher in die Richtung „Ich möchte mich nicht festlegen“ geht. Das hat fast schon was politikerhaftes bei manchen.😀 Ich kann mich da auch selber nicht ausnehmen, vermutlich mache ich das auch manchmal, habe das übernommen, usw.

    Ob da jetzt schlechte Erfahrungen dem zugrundeliegen, kann ich nicht so recht sagen. Vielleicht wird jemand, der sich „outet“, eine bestimmte Musik zu mögen, dann von den anderen gleich schubladisiert. Oder es ist die berüchtige Angst vor „dem Affirmativen“, an der ja anscheinend die halbe Kunstmusik, wie ich jetzt mal dreist sagen würde, erkrankt ist, in der Nachkriegszeit, dass es also völlig unanständig wäre, irgendetwas zu mögen; anständig ist hingegen, es „interessant zu finden“ oder „inspirierend“ vielleicht noch (wobei ich ja eigentlich eh danach gefragt hätte)…

    Naja, kann auch sein, dass ich da schon übertreibe und überinterpretiere. Vermutlich sind viele junge Komponisten mit der Frage nach Vorbildern auch deswegen überfordert, weil sie ja gerade dabei sind, ihre eigene Ästhetik zu entwickeln (und dabei gehts sicher auch darum, Vorbilder erst einmal zu verwerfen).

    Zu den Fragen:
    „Wer war meine Kompositionslehrerin (das umfasst auch nicht-institutionalisierte Einflüsse)?“
    Das wäre eine Frage, der ich auch ausweichen würde. Die Rolle von einzelnen Lehrern war vermutlich bis hinein ins letzte Jahrhundert entscheidend, mit Beginn des Internetzeitalters habe ich jedoch das Gefühl, dass es, bis auf wenige Ausnahmen, vermutlich keine stilbildenden Lehrer mehr geben wird. Vielleicht sage ich das auch, weil ich so jemanden im Laufe meines Studiums jedenfalls nicht gefunden habe. (Eher gibt es das Phänomen, das ohnehin schon ähnlich tickende Künstler tendentiell zu den selben Lehrern gehen, das muss also nicht notwendigerweise deren EInfluss per se sein, der dann zu Klassenähnlichkeiten führt)

    Bei den anderen Fragen fände ich es auch cool, wenn dazu mal mehr Äußerung stattfinden würde. Das müsste aber halt von den Komponisten ausgehen, daher würd ich da auch dem Filmemacher nicht so viel Verantwortung aufhalsen. (Und natürlich wäre die Beantwortung aller der von dir gelisteten Fragen wahrscheinlich overkill. Hat ja nicht jeder jetzt sowohl eine starke politische Haltung, als auch eine starke ästhetische Haltung generell, als auch ein klares Lebensziel, usw. aber prinzipiell gefallen mir die Fragen wie gesagt schon.)

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  3. @hufner: Danke für deinen Kommentar, der mich aber inhaltlich doch überrascht hat. Ich hätte mit mehr Zustimmung zu meiner Kritik gerechnet.

    Nun, ich bin der letzte, der einem Filmemacher das Recht absprechen würde, sein Sujet „in Bildern abzuhandeln“ – es ist eine hohe, verehrungswürdige Kunst -, aber gerade bei einem so extrem voraussetzungsreichen, soziokulturell komplexen Thema scheint mir das einfach der falsche Weg zu sein. Die visuelle Qualität von Lists Arbeit steht außer Frage (schreibe ich ja auch im ersten Satz meines Artikels), produziert aber – speziell für ZuschauerInnen, die sich mit der Materie nicht so gut auskennen – eher irreführende Assoziationen.

    Die Porträtierten erscheinen als gottbegnadete schöpferische ÜbermenschInnen, denen es gelingt, dank rätselhafter kreativer Energie dunklen Ursprungs gegen alle Widrigkeiten und Widerstände dieser schnöden Welt ihre singuläre Vision von Musik kompromisslos umzusetzen, wobei sie weder sich selbst noch ihr ästhetisch indolentes Publikum schonen. Opferbereite, aber immer ein wenig tumbe Musikerknechte sind stets bereit, von diesen rätselhaften GottkönígInnen lernen zu dürfen, was denn nun eigentlich „Neue Musik“ sei …

    … du siehst, ich übertreibe gerne ein wenig, aber das ist in groben Zügen durchaus das Narrativ, das sich für mich hinter Lists „außerordentlich gut fotografierten“ Porträtfilmen verbirgt. Und damit tut er weder der Kunstmusik noch ihren ProtagonistInnen, die natürlich den Teufel tun werden, über derart schmeichelnde Darstellungen die Stirn zu runzeln, was Gutes.

    Hej, Martin, wir wissen doch beide, dass die Realität in dieser Szene eine andere ist. Es wäre schön gewesen, wenn Lists Porträts wenigsten ein Quäntchen davon enthalten würden.

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  4. Okay, nach ansehen der 4 hier reingestellten Filme:

    Finde die alle sehr schön, und ich glaube, sie entsprechen auch bis zu einem gewissen Grad einfach dem, was die Komponisten und Komponistinnen selber ausdrücken möchten.

    „Die Porträtierten erscheinen als gottbegnadete schöpferische ÜbermenschInnen“

    Das trifft aber auch teilweise zu. Wobei das jetzt noch nicht das Kernproblem ist; sondern: wie gehen diese Leute mit der Freiheit um, die sie offenbar haben, ihre Projekte umzusetzen, ist ihnen das noch bewusst, welche Privilegien sie da haben.

    Ärgerlich wird dieses Übermenschenlobhudeln aber nur dann, wenn man selber mit der Musik nix anfangen kann. (Das ging mir in Donaueschingen so, als Mark André ausgezeichnet wurde, dessen Stück ich von allen am Langweiligsten fand – aber das ging halt auch eher nur mir so, die meisten anderen rundum mochten das ja gerade.)

    Ich muss auch zugeben, dass ich mit dem Genie-Getue ja auch viel anfangen kann. Es schafft die Voraussetzung für ein anderes Hören: Ich höre ein Stück einfach anders, wenn ich da einen (fiktiven) beeindruckenden Menschen dahinter sehe, als wenn es ein sagenwirmal Studienanfänger ist. Obwohl das Stück vielleicht genauso gut wäre. Da sehe ich sogar sowas wie einen „konzeptionellen Anteil“, der von den Komponisten hier eben nicht durch ein ausgesprochenes Konzept, sondern durch eine fiktiv überhöhte Persönlichkeit ausgedrückt wird.

    (Und wenn mir das nicht gefallen würde, dann hätte ich nicht selber eine ganze Welt voller solcher fiktiver Künstlerpersönlichkeiten erfunden… ist definitiv eine Schwäche von mir.😉 )

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  5. @knopfspiel: Herzlichen Dank für deinen Kommentar, ich fühle mich komplett verstanden! Es ging mir in meinem Artikel natürlich viel mehr um Situation und Selbstbild der Porträtierten, weniger darum, Johannes List „in die Pfanne zu hauen“.

    Ich selber habe ja nie Komposition studiert und auch nie eine Musikhochschule regulär besucht (war mal ne Weile Gasthörer in Köln), habe aber seit Jahren regelmäßig Gelegenheit, mich mit jungen KomponistInnen online und offline auszutauschen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten nichts übler quält, als exakt jene allgegenwärtige ästhetische Indifferenz, jenen eklatanten Mangel an Commitment, von dem du berichtest. Wie zum Teufel soll ich mich eigentlich als Künstler entwickeln, wenn niemand in meinem professionellen Umfeld bereit ist, irgendein konsistentes, eventuell sogar begründetes, Geschmacksurteil zu äußern, weder die MitstudentInnen, noch der Lehrer, noch sonst jemand?

    Meiner Meinung nach setzt dann folgender, ganz übler Prozess ein: Bei denjenigen unter den Studenten, die eher selbstkritisch bis selbstquälerisch veranlagt sind, verstärkt sich diese Tendenz, was bis zu kompletten Selbstblockade gehen kann. Und bei denjenigen, die ohnehin zum Narzissmus neigen, wird sich der Eindruck verstärken, sie seien die größten, denn solange ihnen keine fundierte Kritik begegnet, wird’s schon passen. Wenn’s ganz schlecht läuft, setzen sich schließlich die Donald Trumps unter den Kreativen durch, die ihren Mangel an Talent stets durch ihr unerschöpfliches Übermaß an Dreistigkeit ausgleichen zu können glauben.

    Gut gut, ich weiß, ich übertreibe wieder ein wenig, aber im Kern gibt’s diese Tendenzen schon, oder?

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  6. „habe aber seit Jahren regelmäßig Gelegenheit, mich mit jungen KomponistInnen online und offline auszutauschen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten nichts übler quält, als exakt jene allgegenwärtige ästhetische Indifferenz, jenen eklatanten Mangel an Commitment, von dem du berichtest.“

    Vorsicht, selection bias!
    Ich stimme dir da ja ganz zu, aber ich kenne auch etliche Mitstudenten, für die das überhaupt kein Thema ist, und die eher genervt sind, wenn versucht wird, das zur Sprache zu bringen.

    “ Und bei denjenigen, die ohnehin zum Narzissmus neigen, wird sich der Eindruck verstärken, sie seien die größten, denn solange ihnen keine fundierte Kritik begegnet, wird’s schon passen.“

    Die Tendenz gibt es wohl… aber wie sieht überhaupt die Struktur aus, wer kommt nach oben? Ich hab selbst keine Ahnung davon, da bin ich nicht der Typ für. Sind es Preise, sind es Beziehungen, ist es ein glückliches Zusammentreffen von beidem? Ich muss einfach aufpassen, dass ich bei solchen Gedanken nicht selber zum Neider werde, insbesondere wenn das Leben derer, die es „geschafft haben“, nicht unbedingt deswegen besser ist.

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  7. @knopfspiel: Ich sehe schon, ich muss jetzt erst mal wieder runterkommen, das Thema nimmt mich doch persönlich ziemlich mit, wie ich gerade merke. Danke bis hierhin für deine klugen und aufschlussreichen Bemerkungen🙂

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  8. Gerhard schreibt:

    “ jene allgegenwärtige ästhetische Indifferenz, jenen eklatanten Mangel an Commitment,“.
    „Wie zum Teufel soll ich mich eigentlich als Künstler entwickeln, wenn niemand in meinem professionellen Umfeld bereit ist, irgendein konsistentes, eventuell sogar begründetes, Geschmacksurteil zu äußern“.

    Ich kenne Dein professionelles Umfeld nicht, aber ein Gedanke ist:
    Wieso sollte sich jemand, wenn er nicht enger Freund ist, mit einem Material tief auseinandersetzen , daß er ein konsistentes, begründetes, Geschmacksurteil äußern kann? Dazu müsste er sich viel Zeit nehmen, einen gut Teil seiner Quellen und Erfahrungen mit Musik innerlich abrufen. Er müsste ein Stück mehrmals anhören und sich auch gewahr sein, daß ein gut Stück Subjektivität im Urteil stecken könnte. Er muß sich auch gewahr sein, daß er so manches nicht weiß, also seinem Kollegen „unterlegen“ ist.
    Ein schnelles Urteil kann jeder fällen, aber ein sehr abgewogenes, durchleuchtetes eher nicht.

    Der Künstler ist m.E. ziemlich einsam. Van Gogh schrieb endlos Briefe an seinen Bruder, der gewillt war, sich seine Ideen anzuhören – und obwohl er so manches sicher nicht verstand, zu würdigen.
    Es ist sozusagen barrock, daß erst Jahrzehne danach, nach dem Tod des gerade besprochenen Künstlers, Epigonen auftauchen, die von seinem Werk beeinflusst waren, also den Kern „verstanden“.

    Man braucht aber nicht Van Gogh als Exemplar zu bemühen. Er ist eben ein geläufiger Fall.
    Das in Kürze.

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  9. @stefan: Ich war unterwegs und durfte eine Hochzeit fotografieren. Und seither habe ich eine groben Muskelkater. Ich kann Dir natürlich nicht zustimmen, weil wir ganz unterschiedlich die Frage beantworten, was ein Film soll. Und ich kann die Frage nur für mich beantworten. Auch weil ich Lists Arbeit lange kenne. ich finde es so ausgesprochen sympathisch, wie er die Sache angeht, nämlich in Bildern. Und da kann ich mir nur wiederholen: Das spricht! Die Töne, die mit den Bildern geliefert werden sind nur bedingt Magd, sie sind eine Annäherung an das musikalische Tun der abgebildeten Komponisten von einer anderen Seite, sie sprechen mehr dadurch, dass sie hinter die Töne schauen.
    Ich habe da Walter Benjamin immer vor Augen, für den ja ein Detail eine ganze Epoche festhalten kann.
    Martin

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  10. @Martin: Ok, dann können wir uns darauf einigen, hier uneinig zu sein. Ein Minimum an Sachinformation würde – für meinen Geschmack – die Filme deutlich aufwerten, gerade weil es um relativ unbekannte KünstlerInnen geht. Das muss ja nicht zu Lasten der visuellen Qualität gehen.

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