Michael Seemann über Vernetzung und Moral

So hat sich die Auffassung etabliert, das Nichtnutzen von [Internet-]Diensten sei ein ethisches Distinktionsmerkmal so wie „bio“ kaufen. Dass sie [damit] sich und ihren Freunden schaden und jedem, der mit ihnen in Kontakt kommen will, wird schulterzuckend hingenommen, weil Individualismus, (Daten-)Souveränität und (informationelle) Selbstbestimmung als ungleich höhere Werte gelten. Es ist ein bisschen so wie mit dem Brexit.[…] Ein Vorteil, den jemand anderes hat, ist automatisch mein Nachteil. Dass der gemeinsame Wirtschaftsraum mit gemeinsamen Regeln, der die EU ausmacht, allen daran Teilnehmenden Vorteile bringt, geht nicht wirklich zusammen mit einer individualistischen Logik.

Michael Seemann: „Geburtstagseinladungen, Brexit und die positive Filtersouveränität“, Blog-Artikel vom 13. Juli 2016

Michael Seemann über Vernetzung und Moral

Ein Gedanke zu “Michael Seemann über Vernetzung und Moral

  1. Gerhard schreibt:

    Ein mir sehr wichtiges Thema.
    Es liegt nicht so sehr an der Flut der möglichen Kanäle, sondern an der Bereitschaft, diese aktiv zu nutzen. Selbst wenn Herr Seemann alle ihm bekannten Kanäle ausgeschöpft hätte, um zu seinem Geburtstag einzuladen, wäre die Botschaft nie und nimmer flächendeckend angekommen.
    Selbst wenn man sogar Briefe verschickt hätte, an die bekannten und noch aktiven Adressen, wäre ein Großteil nicht informiert gewesen.
    Es ist diese Art Unverbindlichkeit, die sich breit macht. Und gegen die ist kein Kraut gewachsen.

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