Pat Thomas „One“ (2013)


patthomasUnd ein letztes ebenso rüdes wie sensibles Statement des afrobritischen Meisters. Sein Spiel hat eine Qualität, für die mir kein abgefuckterer Begriff als spirituell einfällt.

Tut mir leid.

Wirklich.

Denn was meine ich mit spirituell? Nun, hat Musik spirituelle Qualität, glaubt man, mehr wahrzunehmen als bloß akustische Phänomene. Das Hörbare triggert etwas in mir an, das sich begrifflicher Vermittlung nachhaltig entzieht. Dabei kann es sein, dass es nur mir so geht und andere Ohren hier nur Chaos und/oder Indifferenz wahrnehmen. Aber so verhält sich das nun mal mit dem subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustands. Ganz grundsätzlich und evtl. unhintergeh- und -überbrückbar. – Recorded live @ Cafe Oto, London.

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Pat Thomas „One“ (2013)

7 Gedanken zu “Pat Thomas „One“ (2013)

  1. Gerhard schreibt:

    „Nun, hat Musik spirituelle Qualität, glaubt man, mehr wahrzunehmen als bloß akustische Phänomene. “

    Was verstehe ICH unter „spirituell“?
    Es handelt sich hier um eine Wahrnehmung, die zu mehr als einem bloss akustischen Ereignis beim Empfänger führt (was ja immer so ist :-)). Das Klangerlebnis: Es entführt ihn. Es wandelt etwas in ihm, wenn vielleicht auch nur für den Moment. Es lässt ihn in einen anderen Raum blicken. Es schafft ein „Abheben“, eine Loslösung vom gewöhnlichen Sehen und Empfinden. Es verzaubert. Es erweitert. Es befreit. Es zeigt auf, daß da mehr ist. Es öffnet ein Fenster – hin zu Grösserem, Erhabenen (mumpf).
    Und so weiter.
    Für mich ist das Wort „spirituell“ nicht „abgefuckt“, auch wenn es in esoterischen Kreisen gerne genutzt wird. Das Wort „Spiritualität“ kann man durchaus auch wie „Liebe“ verwenden. Wenn es anders wäre, dürfte man auch „Liebe“ nicht mehr verwenden. Niemals.
    Ich habe im Grunde auch primär nichts gegen „esoterisches Gedankengut“, das nur nebenbei. Gegen manche Ansichten dabei schon, doch meine ich, daß auch da ein valider Kern verborgen sein kann, den es lohnt, näher zu betrachten.

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  2. Volker schreibt:

    @Stefan, Gerhard: Ich finde mich sowohl in Stefans als auch Gerhards Verständnis von spirituell wieder, möchte allerdings anmerken, dass ich das Phänomen für ein höchst subjektives halte. Denn wenn ich auch gut nachvollziehen kann, dass Stefan hier bei Pat Thomas zu dieser Einschätzung kommt, ist es beispielsweise für meine Person bei ganz anderer Musik der Fall – ohne dass ich da das akustische Erlebnis kategorisieren könnte. Mein vegetatives Nervensystem überrascht mich da immer wieder mal 😉

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  3. Gerhard schreibt:

    Es wäre natürlich interessant, Volker, von Dir zu erfahren,bei welcher Musik Du dieses Phänomen erlebst.
    Pat Thomas Musik hier wirkte auf mich sehr“ stark“. Daß sie spirituelle Erfahrungen bei mir nicht auslöste, hatte mit dem Aufmerksamkeitsgrad zu tun, mit dem ich folgte. Und natürlich auch mit meinem musikalischen Kenntnisstand.
    ich denke, wenn man tief Musiker ist, also schon entsprechend engagiert und hungrig in diese Materie reingekrochen ist, dann eröffnet sich leichter ein Feld der erweiterten Wahrnehmung. Fortgesetzter Eifer und Liebe zum „Metier“ können das schaffen.
    Soweit mit unklarem Kopf am sehr frühen Morgen fabuliert.

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  4. Volker schreibt:

    @Gerhard: Deine Neugier schmeichelt mir mein Bester, aber so besonders, denke ich, ist das bei mir auch nicht mit der „spirituellen“ Musik. Zunächst halte ich das für eine der besten Ideen des frühen Mittelalters, irgendwann einmal Gesang in der Kirche zuzulassen, will sagen, das Erlebnis habe ich durchaus bei manchen Chorälen oder überhaupt Chorgesang und da erfüllt diese Musik schlicht ihren Zweck bzw. zumindest diesen einen, den ich ihr zuschreibe. Ansonsten würde ich „spirituell“ für das eine oder andere von Steve Reich verwenden und schließlich gibt es aus der Vergangenheit manche Songs der Popmusik oder Jazz, die bei mir derartige Assoziationen aus tiefer (schöner) Erinnerung hervorrufen, dass sich dergleichen spontan auch mal in Tränen des Glücks äußern kann. Und da bin ich dann bei Stefan mit „Das Hörbare triggert etwas in mir an, das sich begrifflicher Vermittlung nachhaltig entzieht.“ Und ich stimme Dir zu, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Aufmerksamkeitsgrad zur Musik und dem spirituellen Erlebnis gibt.

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  5. Volker schreibt:

    P.S. Fällt mir gerade noch ein: ein Paradebeispiel für die von mir erwähnten „manchen Songs“ ist „Air à Danser“ vom Penguin Cafe Orchestra, das macht mich sofort glücklich…

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