Im Kopf von Donald Trump

Thomas Grüter (*1957)
Thomas Grüter (*1957)

Der hier schon öfter verlinkte Sozialpsychologe Thomas Grüter bloggte vor Kurzem einen nur halb satirisch gemeinten fiktiven inneren Monolog des aktuellen president elect der USA. Dabei identifizert Grüter folgende Handlungsgrundsätze Trumps*:

  1. Ist ein Präsident erst einmal im Amt, sollte seine Souveränität so wenig wie möglich beeinträchtigt werden können. Wer dem Chef widerspricht, darf sich auf harte Zeiten einstellen, denn wer dem Präsidenten schadet, schadet dem Land. Das gilt nicht nur für die veröffentlichte Meinung, sondern im Grundsatz auch für Parlament und Justiz.
  2. Ökologische Probleme werden nur dann bekämpft, wenn sie die Arbeitskraft des amerikanischen Volkes nachweisbar schwächen. Die Investition in Umweltschutz ist nur dann sinnvoll, wenn dadurch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Staates direkt gesteigert werden kann. Maßnahmen gegen den Klimawandel zählen demzufolge nicht zu diesen Investitionen.
  3. Zwischenstaatliche Beziehungen werden entweder durch Männerfreundschaften** oder mittels Drohungen gereget. Mit Staatschefs, die man respektiert, einigt man sich in einem Kamingespräch auf Augenhöhe. Allen anderen macht man klar, dass allein die USA bestimmen, wo es lang geht. Warum setzen wir Atomwaffen eigentlich nicht ein, wenn wir sie schon haben?
  4. Ein Staat und ein Familienunternehmen funktionieren nach denselben Regeln. Keiner darf sich vor der Arbeit drücken, nur weil er mich nicht gewählt hat. – Länder, die mehr an uns verkaufen, als sie bei uns einkaufen, werden behandelt wie Lieferanten. – Freihandel ist Unsinn, weil keine Firma freiwillig die Kontrolle über ihre Einkaufskonditionen aufgibt. – NATO-Stützpunkte in aller Welt sind ein Verlustgeschäft, also werden sie zugemacht oder umstrukturiert. Wer Schutz haben will, zahlt dafür. Er kauft seine Waffen bei uns und trägt die Kosten für die Stationierung. – Meine Kinder haben naturgemäß geniale Anlagen und müssen deshalb zum Wohle des Landes an der Regierung beteiligt werden. – Wer in Zukunft mit den USA Geschäfte machen will, macht automatisch auch mit mir Geschäfte.

Hat man diese nur scheinbar einfachen vier Handlungsgrundsätze Trumps erst einmal erkannt, erklärt sich ein Großteil seines erratischen Verhaltens und der Mythos seiner Unberechenbarkeit zerfällt.

Es geht mir (mit Grüter) hier nicht darum, ob diese Grundsätze wahr, falsch oder gar wahnhaft sind, sondern allein darum, die Eigenlogik von Trumps Denken so nüchtern und unemotional wie möglich dingfest zu machen, um ihn anschließend besser einschätzen zu können.


* Ich habe Grüters Text frei paraphrasiert und zugespitzt. Der Begriff „Handlungsgrundsätze“ taucht bei ihm nicht auf.
** Das gilt auch, wenn die Staatschefin eine Frau ist.
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Im Kopf von Donald Trump

5 Gedanken zu “Im Kopf von Donald Trump

  1. JJäger schreibt:

    Mann, wenn ich einmal anfange zu schreiben, hör ich echt net mehr auf, mein Reply zu diesem Posting ist 7 Seiten lang geworden. Und ich bin immer noch nicht fertig. Und dann fühlt sich es zu lang an. Habe insgesamt 41 Seiten unveröffentlichten Text auf meinem Desktop, nur für deinen Blog hier.

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  2. JJäger schreibt:

    Ok, Ich machs erstmal kurz:

    Leute wie Grüter haben immer noch nicht verstanden, wie sehr sie sich mit solchen Artikeln selbst bloßstellen. Heutzutage ist bei Intellektuellen, Philosophen und Journalisten immer der Wille der Vater des Gedankens. In den Schlagzeilen und Artikeln spiegeln sich eher die Sehnsüchte und Phantasien der Schreiberlinge wieder als Tatsachenbeschreibungen. Und diese Sehnsüchte werden abgelehnt. Es sind nämlich hauptsächlich Machtphantasien.

    Du hast noch das Beste aus dem Artikel rausgeholt.

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  3. JJäger schreibt:

    Es ist immer ein reality check, wie Verbündete außerhalb des westlichen Kulturkreises unsere Situation sehen. Hier ein Panel aus Indien:

    Da wird auch die Kurzsichtigkeit unsere Intellektuellen-Kaste angesprochen. Sehr informativ.

    Außerdem, wusstet ihr, dass die offiziellen Arbeitslosenzahlen in den USA statt den proklamierten 4% eher bei 12% liegen? Seit der Bush jr. Administration sind aus der Definition, was einen Arbeitslosen ausmacht, immer mehr rausgefallen. Wenn man die wieder reinrechnet, ergibt das eine deutlich höhere Zahl. Das erklärt einiges. Nur mal zum drüber Nachdenken.

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  4. JJäger schreibt:

    Die Arroganz der Kulturelite vor allem von Links ist unglaublich. Nachdem sie in die Kulturwissenschaften zurückgedrängt wurden, weil Papi sie nicht mehr mit dem Feuerzeug spielen lassen wollte (Wirtschaft), da sie zahllose Nationen an die Wand gefahren haben, bilden sie sich tatsächlich ein, sie wären in einer Position der Stärke.
    Sie sind von der Übermächtigkeit ihrer bescheuerten Theorien immer noch überzeugt und blenden alles andere aus.

    Was soll den ein Sozialpsychologe davon Ahnung haben, wie ein Geschäftsmann operiert?
    Die Wirtschaftstheorie unserer Kulturelite ist doch mittlerweile die folgende (Mal im Grüterschen Stil):

    „Wer nur böse genug ist, der kommt im Kapitalismus automatisch nach vorn. Wenn man sich prostituieren will, dann klingelt schon automatisch das Telefon. Wirtschaft ist einfach, man muss ja nur wollen. Wenn ich nur irgend ne Chemikalie zu verklappen habe, krieg ich doch automatisch Geld, oder? Es gibt das gute Geld und das böse Geld. Kapitalismus, na gut, aber nur nich gierig sein, ne? Ich geh lieber in den Kulturbetrieb, da wo „die Guten“ sind, ich könnt ja an die Wallstreet gehn und Millionen machen, die Hand aufmachen, aber ich bin ja nen Guter und zu gut für sowas“

    Jemand, für den Handeln und Erfolg nur abhängig von Psyche, Kultur, Moral oder Ideal ist, der kann doch nur so über Wirtschaft denken. Das haben wir by Occupy Wallstreet gesehn. Die 1%er.
    Das ist eine absurde Vorstellung.

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