My ADHD

Das folgende „ADHD meme“ habe ich mal ein wenig personalisiert und fünf Items markiert, die mich besonders bedrücken:

  • Getting Started / „in die Pötte kommen“ – Das gilt besonders für das anlasslose früh Aufstehen. Mir ist es tatsächlich ein Rätsel, warum Menschen ohne besonderen Anlass früh aufstehen wollen.* Je länger ich früh liegenbleibe, desto schneller entwickelt sich daraus eine depressive Verstimmung.
  • Procrastination / „etwas bis zum St. Nimmerleinstag aufschieben“ – Hier sind vor allem jeglicher schriftliche Behördenverkehr (Steuererklärung!) und alle Formen von Hausarbeit einschlägig. Auch den mehr oder minder täglichen Gang in den Supermarkt schiebe ich oft bis knapp vor Ladenschluss (in diesem Fall 20 Uhr) auf.
  • Handwriting / „Sauklaue“- zusätzlich treten beim Schreiben rasch Schmerzen im Handgelenk auf, weiterhin ermüde ich unverhältnismäßig schnell
  • Shutting Down – Unfähigkeit, mit bestimmten Tätigkeiten aufzuhören. Ich verliere mich dann zwanghaft in die Details einer Sache oder wiederhole einzelne Unteraufgaben wörtlich, nur weil mir so vor dem „Schluss machen“ graut. Zeitfresser.
  • Issues in Math – Ich bin ein miserabler Kopfrechner an der Grenze zur Dyskalkulie. Eine sehr peinliche Angelegenheit. Sobald es um Zahlen geht, habe ich den IQ eines Vierjährigen. Das logische Denken ist hiervon allerdings nicht betroffen. Das führt zum dem Paradoxon, dass ich abstrakte Formen von Mathematik besser zu begreifen glaube als elementare.

Wer sich tiefergehend für eine Beschreibung meiner psychosozialen Eigenheiten interessiert, wir hier fündig.

ADHS?


* Das klingt unglaublich infantil und bescheuert, aber so ist es.
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My ADHD

7 Gedanken zu “My ADHD

  1. Was die Dyskalkulie betrifft, dürfte die unter Mathematikern recht verbreitet sein – jedenfalls so weit, dass es zum Klischee geworden ist, dass Mathematiker nicht-abstraktes Rechnen nicht können.^^

    Und für das (relativ) frühe Aufstehen finde ich auch den einzigen guten Grund, dass es eben besagter depressiver Verstimmung vorbeugt… ein dauerhafter Kampf leider.

    Ich finde ADHD als Begriff immer noch wahnsinnig schwer zu fassen – also, was es eigentlich ist. Sicher, mehrere Symptome treffen auf mich auch voll, aber warum das ganze dann unter einem Oberbegriff zusammengefasst wird… bei Depression ist es doch noch um einiges naheliegender, zumindest sind da nicht sooo viele Symptome, die sich zum Teil widersprechen können (auch wenn es hier auch so einige diametral gegengesetzte gibt, etwa die Neigung zu viel schlafen vs. Neigung zur Schlaflosigkeit… oder beides)

    Im Moment behelfe ich mir damit, mich einfach als doch recht deutlich neuroatypisch einzuordnen – und alles weitere geht dann nur mehr über einzelne Symptome so richtig. Vielleicht sind die großflächigen Oberbegriffe eher wichtig als Machtinstrument – z.B. wird ja eine Diagnose benötigt, um einen Therapieplatz zu bekommen – und weniger als tatsächliches Einzelphänomen.

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  2. Gerhard schreibt:

    @Knopfspiel: Ich habe Mathematik studiert und bin trotzdem ein fantastischer Kopfrechner (gewesen).

    @Stefan: Ich stehe gerne früh auf, weil mir graut, zuviel Zeit zu verlieren!! Allerdings kann es passieren, daß ich am WE mal eine Stunde verlängere, wenn ich merke, daß ich noch zu müde bin. Aber mehr als 6 Stunden Schlaf sind es selten.
    Prokrastination: Kenne ich nur bei der Steuererklärung. Ansonsten muß all das Zeug schnellstens weg, damit es mich nicht belasten kann.
    Hausarbeit betreibe ich fast ständig (!), aber nie perfekt! Ich hasse es, wenn meine Wohnung dreckig aussieht.
    Das Aufhören wird spät Abends schwer: So habe ich mich oft genug todmüde hinreissen lassen, bis 1 Uhr oder 1h30 im Netz nochmal Blitzschachspielen anzufangen, was gleich aus mehreren Gründen völlig absurd ist! Danach erstmal runterkommen und 4 Stunden Schlaf geniessen.
    Manchmal bin schon um 20:00 sehr müde, gehe aber trotzdem NIE ins Bett. Ich schaffe es dann doch, noch mindestens 4 Stunden was zu tun. Ich will mich Müdigkeit absolut nicht beugen!! Wenn wirklich nichts mehr geht, dann schaue ich mir Youtube-Videos an oder suche nach neuer Musik.

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  3. @knopfspiel: „Ich finde ADHD als Begriff immer noch wahnsinnig schwer zu fassen – also, was es eigentlich ist.“ – Geht mir genauso. Manchmal glaube ich einfach, dass mein Neurologe da eine falsche Diagnose gestellt hat. Dann wieder scheint sie ins Schwarze zu treffen. Fakt ist aber, dass die Einnahme von Ritalin meine jahrzehntelangen Zwangsgrübeleien zu 90% beendet hat und allein dafür bin ich sehr dankbar!

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  4. @Gerhard: Auch du ein studierter Mathematiker – ich bin fasziniert!

    Mathematik-affine Individuen tauchen seit Jahr und Tag immer wieder in meinem Umfeld auf. Dabei habe ich dieses Fach sowie Physik & Chemie seit der Gymnasialzeit gehasst und wäre beinahe nicht zum Abitur zugelassen worden wg. meiner schlechten Vorleistungen. Für mich ein großes Rätsel: Wie kann jemand permanent mathematisch gebildete Individuen anziehen (und sich auch von ihnen angezogen fühlen!), der Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten, d. h. mit dem elementaren Zahlenverständnis hat?

    Meine Aversion gegen Partituren (Notation von Musik) hat ja ihren Hauptgrund darin, dass ich intellektuell nicht in der Lage bin, komplexe rhythmische Verhältnisse in konventioneller Notenschrift (also als Relation ganzer Zahlen, z. B. „7/8-Takt“, „Sextole“ oder „4:3“) darzuzstellen. Die „Übersetzung“ von musikalischen Dingen in diese „Sprache“ ist mir einfach vollkommen unmöglich, da ich kein „Gefühl“ für Zahlen habe – gar keins!

    Improvisieren kann ich sowas allerdings nicht nur mit Leichtigkeit, es macht mir zudem auch noch großen Spaß – eine Paradoxie, die mich manchmal immer noch sehr wütend und auch hilflos macht, denn ich komme mir dann vor wie ein Lyriker, der weder lesen noch schreiben kann.

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  5. @Stefan: Begreifen muß man meines Erachtens garnichts dabei 🙂

    Ich bin eigentlich kein Mathematiker! Das Studium war ein Missverständnis. Das war meinem charisMATHischen Mathematiklehrer zuzuschreiben. Der war schuld.
    Nach dem abgebrochenen Studium (Vordiplom 2) war mir Mathematik plötzlich höchst suspekt!
    Ich wurde dann Informatiker – laut Arbeitsamt die denkbar schlechteste Wahl für mich. Gärtner wäre es nach ihrem Befinden gewesen. Doch das wollte ich auf keinen Fall.

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  6. Ich könnte und kann meine Texte endlos umschreiben.
    Ein jedes Mal würde ich anders formulieren, geschweige denn andere und weitere Gedanken aufnehmen und auch manches löschen.
    Wie machen das Buchautoren?

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