„Earjobs“ – Kein Aprilscherz von Johannes Kreidler

Mal wieder eine dieser ebenso geistreichen wie hinterfotzigen Aktionen von einem der wichtigeren Ideengeber der Kunstmusik der letzten 10 Jahre, like:

…und dass das zugehörige Festival „Free Music“ heißt, ist sicherlich auch kein Zufall 🙂

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„Earjobs“ – Kein Aprilscherz von Johannes Kreidler

5 Gedanken zu “„Earjobs“ – Kein Aprilscherz von Johannes Kreidler

  1. Erich S. Hermann schreibt:

    Tut mir leid, aber an deiner Beschreibung dieser Aktion scheint mir rein gar nichts zu stimmen: „Geistreich“? – Naja, nicht besonders, wenn sofort klar ist, dass Muzak eben die Arschlochkarte hat und eigentlich gar keine Grautöne erwünscht sind. „Hinterfotzig“? – Wieso, das Ergebnis ist doch von Anfang an klar und wird ja noch vorbuchstabiert – Raum für eigene Gedanken bzw. Anschlussfähigkeit des Ganzen = 0 (Null). „Einem der wichtigeren“ – naja, meinetwegen, wobei ich der Meinung bin, dass solche apologetischen Behauptungen oft den Mangel an Substanz dahinter verschleiern sollen/wollen/müssen. „Ideengeber“ – Das noch am ehesten, mich nervt allerdings dieser Ideenkult zunehmend, weil: Es gibt schon auch so etwas wie eine schlechte Idee. „Kunstmusik“ – Das nun wieder gar nicht. Kunst ist es nur noch qua Behauptung, ansonsten ist das ja so kleinteilig gedacht und so unästhetisch wie nur denkbar in Szene gesetzt, und „Musik“ – ich weiß nicht, es scheint mir wirklich nicht sinnvoll zu sein, den Musikbegriff dermassen weit aufzudehnen, irgendwann versagt auch der trainierteste Schließmuskel. Insgesamt kommt mir das so lifestyle und Generation Y vor, dass mir beim Ansehen ganz arg schlecht geworden ist. Ich willl nicht gerade behaupten, dass diese Art von Behauptungsidiotie dem hervorkriechenden Populismus und der Postfaktizität Vorschub leistet, es paßt aber jedenfalls bestens in diese ganze Soße hinein. Ich meine, es ist ja so: Wenn ich eine Frage stelle, dann sollte diese Frage ernst gemeint sein. Wenn beim Befragten der Eindruck entsteht, dass der Fragende die Antwort sowieso schon weiß und quasi nur noch die „richtige“ Antwort erwartet, dann fühlt sich der Befragte (also ich) zu Recht verarscht. Ging mir in der Schule schon immer so beim sogenannten „fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch“. Und jetzt erst recht.

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  2. @Erich: Wow, ewig nichts von dir gehört, schön, dass du hier kommentierst 🙂 „Ausgewuchtet“ wird ja seit über einem Jahr leider nicht mehr 😦

    Inhaltlich werde ich deinen Kommentar beantworten, sobald ich Zeit finde.

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  3. @Erich: Die Muzak hat eben nicht die „Arschlochkarte“, ihre Bevorzugung durch die Hörerin wird in Johannes‘ Setting ja in ironischer Umkehrung der realen Verhältnisse auch noch finanziell subventioniert.

    „das Ergebnis ist doch von Anfang an klar und wird ja noch vorbuchstabiert“ – Eben nicht. Im besten Fall erzeugt Johannes‘ Versuchsanordnung sogar eine nachhaltige kognitive Dissonanz beim Probanden, der natürlich weiß, dass „Neue Musik“ als kulturell wahnsinnig wertvoll gilt, „Muzak“ aber nicht. Jetzt sitzt da ein Neue-Musik-Komponist leibhaftig vor mir und bietet mir (ganz un-ironisch) wesentlich mehr Geld für das Hören von Schrottsounds an als für das Hören aktueller Avantgardeklänge (darunter seine eigenen Kompositionen). Entscheide ich mich jetzt für die Muzak, mache ich mich vor ihm zum geldgeilen Banausen. Entscheide ich mich für die Avantgardemusik, bin ich ein ökonomischer Volltrottel.

    „Insgesamt kommt mir das so lifestyle und Generation Y vor, dass mir beim Ansehen ganz arg schlecht geworden ist.“ – Kreidler gehört mit seinem Geburtsjahrgang 1980 definitiv noch zur Generation X (vgl. Wikipedia-Artikel „Generation X“).

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  4. Erich S. Hermann schreibt:

    Keine Ahnung, das ist ja so eine niederschwellige Anordnung von Elementen, für mich ist das keine auch nur ansatzweise interessante Fragestellung. Wenn ich das schon höre: „ironische Umkehrung der realen Verhältnisse“, schöne Worte, die aber irgendwie nicht wirklich etwas bedeuten wollen. Welche realen Verhältnisse? Wie sind die genau? Wer behauptet das? Woher will er das wissen? Warum behauptet der das? Wieso müssen die ironisch umgekehrt werden? Ausserdem widersprichst du dir selbst, weiter hinten heißt es ja, dass der ominöse „Neue-Musik-Komponist […] ganz un-ironisch“ das Geld anbietet. Was denn nun? Ironisch un-ironisch? Wo liegt denn da der Erkenntnisgewinn? Dass es gute und schlechte Musik gibt? Mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass es besonders viele Menschen gibt, die begeisterte Muzak-Fans sind. Genau davon rede ich ja: Die Anordnung ist von vorneherein total schief („rigged“), wenn überhaupt, dann könnte man sowas z.B. mit Abstufungen von Radio-Pop über randständigen Pop und experimentellen Pop hin zu Neuer Musik machen, aber Moment mal: Das wäre ja Arbeit, da müßte man sich ja tatsächlich mit dem Schrott beschäftigen. Einfacher ist es natürlich, einen Strohmann aufzustellen und den dann un-ironisch grinsend ironisch abzufackeln oder so ähnlich. Daher auch meine Inbeziehungsetzung mit Populismus und Postfaktizität: Es werden nur die ganz, ganz einfachen Antworten abgeliefert. Anstatt die Komplexität auszuhalten. Und nicht, weil mir besonders viel an der Klassifizierung läge oder so, sondern rein aus Rechthaberei: Laut Wikipedia beschreibt der Terminus „Generation Y“ „die Bevölkerungskohorte bzw. Generation […], die im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurde“. (Interessant, dass du zur Definition eines Begriffes die Definition nicht dieses Begriffes, sondern die eines Nachbarbegriffes heranziehst…)

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