Software der Woche : KW 23 : FBReader (eBook-Reader)

Heute etwas mit geringer Nerdizität.

Wie viele andere digital-affine Menschen begeistert mich die Idee des eReadings, also des papierlosen Lesens langer Texte, die man bisher als Buch im Schrank stehen hatte. Dass dazu separate Hardware in Form eines eBook-Readers benötigt wird, habe ich dabei nicht infrage gestellt. Das muss aber nicht sein. Man kann eBooks ebenso gut auf einem Notebook / Laptop lesen.* Und das hat sogar Vorteile.

Die beste Software, die mir in diesem Zusammenhang bisher unterkam, ist Nikolay Pultsins** FBReader. „FB“ steht hier ausnahmsweise mal nicht für Face-, sondern für Fictionbook (fb2), ein fast schon wieder obsoletes eBook-Format, das sich neben mobi (=Amazon) und epub (=Rest der Welt) offenbar nicht durchsetzen konnte. Der FBReader liest sowohl fb2-, als auch epub- und mobi-Dateien.

Die Oberfläche der Software ist angenehm minimalistisch und aufgeräumt, ihre Funktionalität genau ausreichend, will sagen, weder zu rudimentär noch zu aufgeblasen. Man kann seine eigene Lieblingsschriftart (meine ist derzeit Constantia) einem gekauften, kopiergeschützten eBook aufzwingen, das Seitenlayout nach Belieben verändern*** und zudem eine hübsche progress bar samt diskret visualisierter Kapitelstruktur und aktueller Uhrzeit einblenden (nicht unwichtig, wenn man den Reader im Vollbildmodus ausführt und – wie ich – beim Lesen gerne die Zeit vergisst).

Sehr gut ist die komplett frei konfigurierbare Tastenzuweisung, ich komme so bsp.weise mit <T> auf das Inhaltsverzeichnis („Table of Contents“) eines eBooks und durch <Arrow-Left> wieder zurück zur aktuellen Textstelle. Die mir bekannten eBook-Reader von Amazon (Kindle) und PocketBook (Mini) brauchen für dieselbe sehr schlichte, basale Aktion mindestens 2 bis 3 Tasten zusätzlich oder man muss sich für eine Tastenkombination die Finger verbiegen.

Der FBReader „kann“ Fußnoten (z. B. bei der aktuellen Suhrkamp-Ausgabe von Jankélévitchs „Das Unaussprechliche in der Musik“, siehe Screenshot). Es lassen sich beliebige Textpassagen markieren und exportieren (blau unterlegter Bereich im Screenshot). Zur Verwaltung dieser Snippets empfehle ich CintaNotes, eine Software, die später in dieser Reihe rezensiert wird.

Dass die exakte Position dieser Zitate nicht mit-exportiert werden kann, ist kein Mangel des FBReaders. Es gibt nach meinem Kenntnisstand schlicht noch keinen Industriestandard für die eineindeutige Lokalisierung von Textpassagen in eBooks, also ein digitales Gegenstück zur Seitenangabe in Holzmedien – was ein Skandal ist. Mir sind auch schon eBooks begegnet, die die aktuelle Seitenangabe der Printversion einfach in den Haupttext der digitalen Ausgabe hineindrucken. Das löst zwar das Problem der eineindeutigen Lokalisation einer Textstelle, sieht aber für mein Empfinden nicht[S. 228]besonders schön aus, vor allem bei Belletristik.

Als Workaround kann man unterdessen bsp.weise mit Hilfe von CintaNotes dem Zitat Angaben wie „2. Kapitel, 5. Unterkapitel, 10. Absatz“ hinzufügen, damit andere die Stelle halbwegs rasch lokalisieren können.

Published by Nikolay Pultsin
Getestet unter Windows 8.1 32-Bit
Download Location https://fbreader.org/
Nerdizität (0 – 10) 2
Preis kostenlos

Wird die Weltsicht jetzt zum Nerd-Portal? Sinn & Zweck der Reihe „Software der Woche“


* Oder auf einem Smartphone, wovon hier aber nicht die Rede ist.
** Schon wieder kein Amerikaner. Es ist kein Zufall, dass nahezu alle Programmierer dieser Reihe nicht aus dem Mutterland des Internets kommen. Vielfalt kann nicht schaden, denke ich mal.
*** (zwanghafte?) Ästheten wie mich stört bsp.weise, dass Fußnotenhinweise durch ihre typographische Hochstellung (superscript) regelmäßig den voreingestellten Zeilenabstand in ihrer Umgebung zerstören, sollte dieser zu klein sein. Indem man den Standard-Zeilenabstand von vornherein groß genug dimensioniert, dass auch die supergeskripteten Fußnotenhinweise Platz haben, lässt sich dem abhelfen.
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Software der Woche : KW 23 : FBReader (eBook-Reader)

4 Gedanken zu “Software der Woche : KW 23 : FBReader (eBook-Reader)

  1. Fein, werde ich Gebrauch davon nehmen, äh, gebrauchen,äh, brauch ich!
    Bin bisher kein BS-Leser. Leseproben drucke ich immer gerne aus. Weiß nicht wieso. Es kommt mir einfach am BS.so mühselig vor.Vielleicht die Helligkeit des BS runterregeln oder die Augen dabei zukneifen?

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  2. @Gerhard: Es gibt auch eBook-Reader ohne Beleuchtung. Ich hab lange den Mini von PocketBook benutzt, der in dieser Hinsicht sehr gut ist. Er hat nur einen Nachteil: Lässt man ihn fallen, zerbricht das Display (kein Scherz).

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  3. Ich hab einen hardbewareten E-Bookreader, der meistens unbenutzt rumliegt, aber ich hätte schon wieder was geplant damit zu lesen. Das Hauptmanko ist, dass der Display halt Staubflusen anzieht, und ich während dem Lesen ständig damit beschäftigt bin, die Staubflusen runterzuwischen. Da es aber ein Touchscreen ist, braucht es dafür spezielle kompliziertere Wischtechniken, damit ich auf der Seite bleibe. Dennoch passiert es hin und wieder, dass ich versehentlich die Seite um 90° drehe und es dann ums Verrecken für einige Minuten nicht mehr zurückzudrehen schaffe.

    Naja, am Laptop hab ich mit Kindle auch schon einige Bücher gelesen. Ist halt unschön, weil ich sowieso schon zuviel Zeit damit verbringe, in gerade diesen Bildschirm zu starren. Zumindest die Leseposition muss ich dann noch variieren…

    Anyway, das hatte jetzt nicht wirklich was mit dem von dir vorgestellten Programm zu tun… aber ein Blick auf die installierten Programme bestätigt mir meinen Verdacht, dass ich das sogar mal genutzt hab… allerdings nur, um ein lettisches File umzuwandeln in pdf. Das fb2-Format scheint in Russland und in ehemaligen Sowjetländern weit verbreitet zu sein, so erklärt sich auch, warum das Programm auch von dort her stammt.

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  4. @Philipp: Ich hab den FBReader auf meinem Zweit-Laptop für unterwegs (ein sehr kleiner Laptop, aber ein Laptop ohne Touchscreen, kein Tablet) installiert, da entfällt dieses Problem.

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