Money and Music in the 21st Century. A Business Model for Creative Musicians.

Das Mem hab ich vor längerer Zeit mal auf Facebook gefunden, AutorIn unbekannt. Bei der Aussage links oben fiel mir das erfolgreiche Geschäftsmodell Umsonst und draußen ein.

Aber, hej, was soll die Wehleidigkeit, offensichtlich gibt es ja weiterhin unzählige* umtriebige MusikerInnen auf dieser Welt, die ihre eigenen Sachen trotzdem irgendwie in Geld verwandeln können. Aber stimmt das wirklich? Leben die alle „eigentlich“ von was anderem und machen sich was vor?

Fakt ist: Solange das Narrativ „Selbstverwirklichung durch Kreativität“ herrscht – und es sieht momentan nicht so aus, als ob sich das Gegennarrativ des Islamischen Staates, also „Selbstverwirklichung durch Selbsttötung“ trotz unbestreitbarer Einzelerfolge jemals flächendeckend durchsetzt – , wird das so weiterlaufen – solange die fröhlichen, sympathischen, lebensbejahenden „Umsonst und draußen“-BesucherInnen die Musik beim Chillen nicht allzu sehr stört.

Und selbst dann ließe sich über eine akustische Isolierung der auftrittswütigen MusikerInnen vom chillenden Publikum sicher eine für alle Seiten befriedigende Lösung finden. Sollte es den einen oder die andere EventbesucherIn dann doch mal nach Livemusik verlangen, so könnten die Bands ja kleine Prämien für den Besuch ihrer jeweiligen Schallkabinen aussetzen. Nee, nich CDs oder so ’n Scheiß – ich sprach von wertigen Prämien, also etwa Smartphone-Apps, Flugreisen, Bargeld oder kleineren sexuellen Gefälligkeiten. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Den Rest regelt der Markt. Wie immer halt.


* Bei Discogs allein existieren 5 Millionen „artists“ – was immer das bedeutet.
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Money and Music in the 21st Century. A Business Model for Creative Musicians.

8 Gedanken zu “Money and Music in the 21st Century. A Business Model for Creative Musicians.

  1. Ist das eigentlich Usus, daß man sich überschwenglich bedankt, daß sich Zuhörer einfinden? Ich fand das auf der sog. „Palettenbühne“ sehr befremdlich.
    Man bietet kostenlos oft „gute Ware“ an und zeigt sich zudem, eine nach der anderen, noch fast betört davon, daß Leute einen den Gefallen tun, zuzuhören.

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  2. @Gerhard: „Ist das eigentlich Usus, daß man sich überschwenglich bedankt, daß sich Zuhörer einfinden?“ – Es ist ein Gebot der allgemeinen Höflichkeit, wenn sich Musiker beim Publikum für’s Kommen bedanken. Befremdlich wird’s halt, wenn dieser Dank einen devoten Ton bekommt. Exakt diese Haltung befördert aber das Businessmodell „Umsonst und draußen“: Der Musiker wird vom respektierten Künstler zum mittelalterlichen „Spielmann“, der froh um jedes Quäntchen Aufmerksamkeit ist (wenn er schon kein Geld verdienen kann). Das hat etwas Demütigendes, spiegelt aber die gesellschaftliche Realität zweifellos recht angemessen wider: Eine viel zu große Menge gut bzw. exzellent ausgebildeter kreativer MusikerInnen steht einem übersättigten, geschmäcklerischen und ratlosen Publikum gegenüber.

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  3. Auf so manchen Portalen stosse ich bei meinem spätabendlichen Suchen nach interessanter Musik auf Künstler, die ihr jeweiliges Opus mit „Name your Price“ anbieten.
    Ich bilde mir ein, mir ein Bild vom Geschaffenen machen zu können. Manchmal sind die Sachen gut. Und finden kaum Abnehmer geschweige Zuhörer.
    Das tut weh. So ein Fernschmerz sozusagen. Soll es ja geben, so etwas.

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  4. @Gerhard: Vielleicht sollte man sich generell von dem Gedanken verabschieden, Musikmachen und Geldverdienen zu koppeln (& das meine ich jetzt gar nicht zynisch). Vielleicht war es ein Spezifikum der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, dass eine relativ große, relativ un-akademische Gruppe von MenschInnen vom Musikmachen leben konnte. Der Gedanke, dass so etwas geht, spukt ganz sicher immer noch in vielen Köpfen. Nur die soziale bzw. soziokulturelle Realität stimmt damit nicht mehr überein. Von der hier klaffenden kognitiven Dissonanz profitieren – und das sag ich jetzt zum letzten Mal – Geschäftsmodelle wie „Umsonst und draußen“, aber auch (für eine andere Bevölkerungsgruppe) „Germany’s Next Top Model“, die das Selbstverwirklichungsbedürfnis des kreativen Prekariats abfackeln (vgl. Thomas Raab „Der Nachbrenner. Zur Evolution und Funktion des Spektakels“, 2006).

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