«racquetballcourt» (abstract electro-acoustic composition 3)

Spektrogramm

SoftSynth Sinnah (NUSofting)
Composition Software randomid (Insert Piz Here), Audacity
Sound Processing Software GranuLab (Rasmus Ekman)
Faltungshall University of California San Diego Racquetball Court 4 (EchoThief)

Kompositionsnotiz

Ein gewisser Luigi aus dem schönen Städtchen Reggio nell’Emilia hat jüngst den wunderbaren virtuellen Synthesizer „Sinnah“ programmiert und ins Netz gestellt, deren Voreinstellungen (eine heißt „free jazz“, siehe Screenshot) ich so lange manipulierte, bis ich drei ausreichend interessante virtuelle Instrumente gebaut hatte:

Instrument 1 erinnerte mich auf ganz verblüffende Weise an einige typische Spielweisen des Posaunisten Conny Bauer, bei Instrument 2 dagegen fiel mir sofort der Gitarrist Derek Bailey ein. Instrument 3 wiederum gemahnte an einen nicht näher bestimmbaren, irgendwo aufgeschnappten Synthesizersound. Ich benutzte den programmierbaren Zufallsgenerator randomid, um diese drei virtuellen Instrumente mit Note On-Daten zu füttern und speicherte das Ergebnis in drei separaten Audiodateien.

Dann ließ ich das Projekt eine ganze Weile ziehen.

Die Audioclips waren zwar soundmäßig originell, aber aufgrund der zufallsgetriggerten Note-Ons natürlich non-narrativ, um nicht zu sagen: ein wenig öde. Ein chaotisches Element musste her! Also speiste ich alle drei Clips in den rabiaten Klanghäcksler GranuLab ein und erstellte so drei hinreichend wirre Ableitungen.

Nun hatte ich einen kleinen Pool von 6 Audioclips zusammen, die ich in einem langwierigen Trial & Error-Prozess zur vorliegenden Komposition arrangierte, dabei Standardprozeduren wie Equalizing und Audiostretching verwendend.

Zum Abschluss wählte ich die Impulsantworten einer Racquetball-Halle in San Diego als virtuellen Hallraum. EchoThief hat freundlicherweise beim Aufzeichnen der Daten ein 360°-Foto gemacht:

Das Projekt änderte während des Kompositionsprozesses bemerkenswert oft seinen Arbeitstitel. Hier die Historie:

Trio Session ⇒ Against ⇒ Ein Sprachspiel ⇒ racquetballcourt

„Trio Session“ erklärt sich aus meiner ursprünglichen Idee, eine Art algorithmischen Pseudo-Free-Jazz für drei imaginäre Instrumentalisten („Conny Bauer“, „Derek Bailey“, unidentified Synth Player) zu erschaffen.

Nachdem dieses Konzept sich als musikalisch nicht ausreichend interessant erwies, wurde ich wütend und sah mich gezwungen, gegen meine Ursprungsidee zu arbeiten. Alles Bisherige wurde infrage gestellt: „Against“.

Anschließend wurde ich philosophisch: Ist dieser ganze Ansatz, ein musikalisches Genre zu simulieren, nicht eine Art musikalisches „Sprachspiel“ im Sinne Wittgensteins?

Schließlich aber erschien mir dieser Titel sowohl zu angeberhaft als auch philosophisch inkorrekt und ich verfiel darauf, das Stück einfach nach dem verwendeten virtuellen Hallraum zu benennen: „racquetballcourt“.

Klang und Orthografie des mir bisher unbekannten Wortes racquetball schienen mir gut zur Musik zu passen. Außerdem erinnerten mich einige der verwendeten Sounds an das charakteristische Quietschen / Kreischen von Turnschuhen auf dem Boden von Sporthallen.

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«racquetballcourt» (abstract electro-acoustic composition 3)

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