Sehnsucht nach Inzucht

Was herauskommt, wenn man die Weltsicht von alt-right und Identitärer Bewegung zu Ende denkt

Im Web wimmelt es von sogenannten IQ Maps, die demonstrieren sollen, wie unterschiedlich die Durchschnittsintelligenz auf der Welt verteilt sei. Hier ein besonders prächtiges Exemplar, dessen wissenschaftliche Validität ich hier weder beweisen noch widerlegen möchte. Aber selbst angenommen, diese Darstellung entspräche den Fakten: Welche Folgen wären daraus zu ziehen? (Quelle: https://imgur.com/gallery/K73kI)

Die Diskussionen um die Zusammenhänge von Rasse (race) und Intelligenz* füllen derzeit nicht nur die Server von YouTube. Mehr oder minder geschmeidige, eloquent argumentierende und stets äußerst freundliche VideobloggerInnen vor allem aus Nordamerika werden einfach nicht müde, zu betonen, es sei ganz einfach eine wissenschaftliche Tatsache, dass beispielsweise Afroamerikaner im Durchschnitt einen geringeren IQ aufwiesen als der Rest der Bevölkerung, Ostasiaten wiederum schlügen in dieser Hinsicht im Durchschnitt den gesamten Rest der Welt. Diese Erkenntnis wird mit großem Pathos als von einer politisch korrekten Mainstream-Öffentlichkeit bisher unterdrücktes Wissen hingestellt, das sich nun, nach der Abwahl Obamas und der Wahl Trumps, endlich ungehindert verbreiten könne.

Richard B. Spencer, Wortführer der alt-right, lächelt gutaussehend in die Kamera. Im Hintergrund rechts zwei Herrenreiter.

Als Sammelbegriff für diese Weltsicht hat sich mittlerweile alt-right durchgesetzt. In Europa entspricht dies im Großen und Ganzen dem, was man als Identitäre Bewegung zu bezeichnen sich angewöhnen sollte.

Ich gebe zu, auch ich stellte mir bei der ersten Begegnung mit dieser Form von free speech erschrocken und klammheimlich die Frage: „Und wenn sie nun Recht hätten? Das darf bitte einfach nicht wahr sein!“ Doch nach einigem Nachdenken kam ich zu folgendem Schluss: Für eine prinzipielle gesellschaftliche Gleichbehandlung aller Menschengruppen spielt es keine Rolle, ob der Durchschnitts-IQ komplett gleichförmig unter diesen verteilt ist oder nicht. Anders gesagt, gleiche Fähigkeiten sollten in einer Gesellschaft, die die Bezeichnung „zivilisiert“ verdient, gerade nicht Voraussetzung für gleiche Rechte sein. Wer nicht dieser Meinung ist, muss dann wohl RassistIn sein.

Eigentlich wäre es sogar höchst merkwürdig, wenn der Durchschnitts-IQ global gleich hoch wäre, denn die Entstehung einer Rasse bzw. Art ist nach Darwin ja lediglich Folge der Anpassungsleistung einer Population an äußere Anforderungen. Da diese hienieden so unterschiedlich wie nur was sind (Wüste, Hochgebirge, Urwald, isolierte Hochseeinsel, Flussdelta etc.), ist es nur folgerichtig, dass es – genau, wie es Schäferhunde und Rehpinscher gibt – auch deutlich verschiedene Menschenarten gibt. Und warum sollten die sich ausgerechnet in Sachen IQ nicht voneinander unterscheiden?

Kein Grund zur Panik also, zumal selbst eingefleischte alt-rightler die vereinzelte Existenz hochbegabter Neger zugeben müssen. Wie anders hätte es ein Halbneger wie Barack Hussein Obama gesellschaftlich so weit bringen können? Ich kann dem nur hinzufügen, dass es ganz sicher auch strunzdumme Quarkärsche gibt, aber – und das weiß ich aus eigener schmerzhafter Erfahrung – leider nicht nur vereinzelt.

Auch ausgesprochen gutaussehend, gepflegt, erdverbunden (siehe Hintergrund) und mit Hosenträgern: Nils Altmieks, Bundesvorstand der Identitären Bewegung Deutschland (Quelle: http://www.identitaere-bewegung.de)

Politisch und gesellschaftlich wirksam würde dieser Zusammenhang von race and intelligence – vorausgesetzt, er ist wahr – nur werden, wenn er sich gesetzgeberisch niederschlagen würde, etwa – man muss sowas mal zu Ende denken – in einer aktualisierten Form der Nürnberger Gesetze oder der Apartheid-Politik Südafrikas (die bei den Identitären vornehm Ethnopluralismus genannt wird). Das hieße dann konkret: Sind meine Eltern Koreaner, stünde mir automatisch eine höhere Schulbildung zu, sind beide Afrikaner, wäre ich qua Geburt davon ausgeschlossen, bedeutete dies doch lediglich eine Verschwendung von Ressourcen.

Es wäre dies eine Gesellschaft, die rasch in segregierte Kasten zerfallen würde, die sich nur noch untereinander paarten – bis hin zur kompletten Verarmung der jeweiligen Genpools inklusive entsprechender Zunahme von Erbkrankheiten. Philip K. Dick hat dieses Szenario in seinem dystopischen Roman The Man in the High Castle (gibt’s grade auch als Fernsehserie bei Amazon) bereits 1962 vorweggenommen. Dort haben die intensiven Züchtungsanstrengungen der Nazis zu einer arischen Herrenrasse geführt, die von Inzuchtdepression geplagt wird und kaum noch als lebensfähig bezeichnet werden kann.

Besonders verheerend würde sich eine Gesellschaftsordnung, die den feuchten Träumen der alt-right-Bewegung Folge leistete, auf die Wissenschaft auswirken. Denn irgendwann würde man natürlich – in konsequenter Fortsetzung des Nazi-Gejammers, speziell in den Naturwissenschaften gebe es zu viele** Juden – beginnen, die Naturgesetze rassisch zu dekonstruieren, Slogans wie „Fake Physics“ oder „Fake Biology“ würden populär, was zwangsläufig das Ende von faktenbasierter und meritokratisch organisierter*** Wissenschaft, wie wir sie kennen, bedeutete.

Noch ein Schmuckstück der Identitären in Deutschland: Aline Moraes, „aktiv in der Regionalgruppe Dresden“ (Quelle: http://www.identitaere-bewegung.de)

Vermutlich käme es in der Folge in gewissen, besonders intelligenten Populationen (China) dann zwar zunächst sogar zu einer Hochblüte elaborierter Wissenschaftlichkeit und raffiniertester Technologie, da auf „dumme“ Bevölkerungsteile ja keinerlei Rücksicht mehr genommen werden müsste. Doch was würde passieren, wenn sich die intelligentere Hälfte dieser Populationen wiederum angeekelt von ihrer dümmeren Hälfte abwenden würde? Ein infiniter Regress von Segregationen wäre die langfristige Folge, eine immer stärkere Entmischung von Talentieren und Untalentierten, immer feinere Abstufungen von Könnern und Nichtkönnern. Und wieder landen wir in der Inzucht und damit unweigerlich einhergehender genetischer Degeneration.

Die konsequente ordnungspolitische Umsetzung der alt-right-Weltsicht würde langfristig also exakt zu dem führen, was dieser Bewegung angeblich die meisten Sorgen macht: einem Niedergang der Rassen nämlich. Faszinierend.


* Der einschlägige Artikel in der englischsprachigen Wikipedia fasst die Lage der Dinge folgendermaßen zusammen: „[…] While tests have broadly shown differences in average scores based on self-identified race or ethnicity, there is considerable debate as to whether and to what extent those differences reflect environmental factors as opposed to genetic ones … Currently, there is no non-circumstantial evidence that these differences in test scores have a genetic component …“ Mit anderen Worten: genetisch bedingte Intelligenzunterschiede zwischen den „Rassen“ können derzeit nicht bewiesen werden, sind aber auch nicht ausgeschlossen.
** Wie viele genau wären denn noch tolerabel?
*** Meritokratische Organisation bedeutet schlicht, dass die fachlich Besten in einem Feld dort auch die steilste Karriere machen dürfen, unabhängig davon, ob sie Juden, Aborigines oder Kaukasier sind.
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Sehnsucht nach Inzucht

2 Gedanken zu “Sehnsucht nach Inzucht

  1. Guter Artikel. (Habe ihn mit gut bewertet, was ich prinzipiell mache, wenn ich ihn als „sehr gut“ befinde).

    Zunächst einmal: Wie kann man Intelligenz definieren? Über die Jahrzehnte wurden Intelligenztests immer weiter gefasst. Letztlich ist der Begriff „Intelligenz“ recht schwer zu fassen. Was genau an Fähigkeiten gehört dazu? Sollte dazugehören? Und was sollte man wegnehmen? Etwa der Umgang mit Medien? Der kann dort, wo es keine Medien gibt, nicht in Bewertungen einfliessen. Ausserdem muß zwingend die Kultur einbezogen werden, in der der Mensch aufwächst. Man kann und muß Lebensumgebung einbeziehen.

    Es gibt Studien mit eineiigen Zwillingen, die nach der Geburt getrennt wurden und in kulturell sehr verschiedenen Familien aufwuchsen. Klar, daß sich die Zwillinge später signifikant in ihrer „Intelligenz“ unterschieden.
    Intelligenz ist formbar. „Defizite“ lassen sich i.d.R. aufholen, nachholen.

    Ein weiterer Punkt ist: Möchte ich in einer Gesellschaft leben, in der „Intelligenz“ eine solch dominante Rolle spielt? Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß es Menschen gibt, denen man vielleicht einen niedrigen IQ zuweisen muß, die aber über Herzenswärme und Gleichmut/Gelassenheit verfügen. Dies Eigenschaften, die man letztlich, auch für das Gelingen einer Gesellschaft, höher zu werten hat als Intelligenz.

    Weitere Gesichtspunkte mögen folgen.

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  2. Intelligenz kann sich auch gegen einen wenden. Wissen wir doch aus eigener Anschauung. Ein zu komplexes Gefüge ist anfällig für Schrullen aller Art. Mit „Schrullen“ sei hier umschrieben, was so alles passieren kann an Einschränkungen in einem, die einer Intelligenzausübung kontraproduktiv entgegenstehen können.

    Wenn es um Intelligenz geht und dies ein so mächtiger, anziehender Begriff ist, dann schaue man doch bitte auch auf die Intelligenz von Tieren. In letzter Zeit mehren sich Studien, die sogenannten niederen Tieren wie dem Huhn Intelligenzleistungen beimessen, bei denen es immer mehr fraglich wird, ob wir uns Massentierhaltung und letztlich Fleischkonsum noch ethisch leisten können.

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