Ein empfehlenswerter Literatur-Podcast

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Ich habe ja gar nichts gegen das Literarische Quartett. Aber ich konnte es nie wirklich lange ansehen, weder das Reich-Ranicki-Original in den 1990ern, noch die Weidermann-Wiederauflage von heute. Liegt es am Format Fernseh-Talkshow, das die Beteiligten offenbar unweigerlich zur der Sache nicht dienlichen und – M. Biller eingeschlossen – äußerst abtörnenden Selbstdarstellung verführt?

Jedenfalls gibt es seit Jahren einen Gegenentwurf namens „Mein Freund der Baum“. Es handelt sich um einen Podcast aus dem Hause Banse, in dem der Journalist Andreas Baum und eine Dame namens Andrea Frey ebenfalls Belletristisches diskutieren – aber „ganz anders“. Und welch ein Unterschied, welch Wohltat!

Meiner Meinung nach hat das Medium Podcast einen nicht unwesentlichen Anteil an dem Erfolg dieses Formats. Die visuelle Komponente fehlt, logisch, womit der Selbstdarstellung schon mal wichtige Optionen genommen werden. Wir hören zwei Stimmen, die sich unterhalten, das ist alles. Dabei gelingt es Frey & Baum, eine quasi-intime Atmosphäre zu erschaffen. Sie gestalten ihren kritischen Diskurs wie ein lockeres, privates Gespräch zwischen zwei guten Bekannten, die sich einfach immer mal wieder gerne gepflegt und ausführlich über neue Romane unterhalten, ohne sich oder sonstwem irgendwas damit beweisen zu müssen. Natürlich sind beide Medienprofis genug, um zu wissen, dass das eine Fiktion ist – aber das Medium Podcast ist nun mal nicht so heiß und direkt wie eine Fernsehsendung. Baum & Frey haben keine Ahnung, wer sie wann hört. Quotendruck? Fehlanzeige.

Zudem herrscht, erneut dank des Mediums Podcast, das von Haus aus weder Sendeplan noch zeitliche Limitierung kennt, keinerlei Zeitdruck. Es wird so lange diskutiert, wie es die Sache eben erfordert. Und so kommt es schon mal vor, dass ein Roman kurz & schnurz abgehandelt wird, während ein anderer überaus breiten Raum einnimmt. Und so sollte es auch sein. Denn nicht alle Bücher sind gleich. Nicht einmal annähernd. Es gibt äußerst wichtige und äußerst unwichtige Bücher. Literaturkritik muss subjektiv (wenn auch fair) sein, ansonsten kann sie weg.

Hier eine Folge, die mich wegen zwei der besprochenen Autoren, David Foster Wallace und Oskar Roehler, besonders interessierte. Es handelt sich um die 45. Ausgabe vom 11. März diesen Jahres mit dem Titel „Ehrlich sein“ und sie dauerte eine gute Stunde:

Zur Webseite dieser Folge inkl. Auflistung aller besprochenen Bücher geht’s hier.

3 Kommentare zu „Ein empfehlenswerter Literatur-Podcast

  1. hi stefan, ich habs ganz angehört. sehr unterhaltsam. sehr angenehm, dieses empfinden, als lauschte ich einem privatgespräch über literatur, sehr angenehmes miteinander der beiden. anfangs dachte ich, die beiden haben keine ahnung über literatur, so wie sie redeten, ich konnte die beiden auch nicht einordnen, doch dann kamen sie langsam hinein in die thematik und in die bücher und die gedanken drumherum. schön anders, gefällt mir sehr. danke für die empfehlung. ich glaube, ich habe vor einiger zeit zufällig den beiden irgendwo gelauscht, ohne zu wissen, wer das war. schön, dass ich die beiden nun bei dir wiedergefunden habe. liebe grüße und angenehmen sonntag dir von der beobachterin

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  2. @wolkenbeobachterin: Frey & Baum sind, was ihre Kompetenz betrifft, notorische Tiefstapler, ich halte die beiden für außerordentlich urteilsfähig! Schön, dass dir „Mein Freund der Baum“ so zusagt.

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  3. Notorische Tiefstapler: Das ist was Schönes. Schön ist es meinem Empfinden nach, wenn man solche praktisch nie aus dieser Ecke holen kann – was dann so viel heißt, daß das Zurücknehmen echt ist.
    Oder zumindest tief einverleibt.

    Gefällt 1 Person

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