George Scialabba über den Prozess der Zivilisation

Zwei Primatenbabys, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Links ein Schimpansenrüpel, rechts ein Bonobokuschler.

Humans seem to have a capacity for violent aggression as strong as that of chimpanzees and a capacity for gentleness and docility as strong as that of bonobos. […] We shouldn’t assume that human nature makes progress toward equality and peace either impossible or inevitable. It’s neither; it’s just damned hard.

George Scialabba: Did Capital Punishment Create Morality? | www.newyorker.com 2019-02-13

Die beiden Sätze stammen aus Scialabbas Rezension des Buchs The Goodness Paradox des Primatologen Richard Wrangham (2019), das die wissenschaftlich breit begründete These formuliert, der Ursprung fortgeschrittener Gesellschaftsformen liege im Phänomen der regelmäßigen Beseitigung allzu dominanter Alpha-Männchen durch eine Zusammenrottung rangniederer Männchen. Diese kollektiv verhängte „Todesstrafe für Diktatoren“ finde sich bei allen Primaten, seien sie nun aggressive Rüpel wie die Schimpansen oder sanfte Schmuser wie die Bonobos.

7 Kommentare zu „George Scialabba über den Prozess der Zivilisation

  1. Ich kann diesem Gedanken einiges abgewinnen – hoffentlich rotten sich bei der nächsten Wahl dann auch genug zusammen!!!

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  2. RICHARD WRANGHAM ’s idee klingt für mich kaum glaubhaft. Agression nimmt definitiv zu und wir sind bestenfalls in schach gehaltene monster. Sapolsky , Rosling und andere stoßen ins gleiche horn, dass die dinge nicht so schlecht stünden. Vielleicht geht es ohne ein solches Verständnis nicht. Man muss daran glauben, dass sich alles letztlich zum guten wenden wird.
    Ins unreine geschrieben

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  3. @Volker: Ich nehme an, du beziehst dich auf die US-amerikanischen Wahlen. Falls ja, wäre ich da nicht allzu optimistisch. Biden überzeugt mich nicht (seine größte Leistung war, Vize unter Barry Obama gewesen zu sein) und Bernie Sanders, der eigentlich Präsident werden sollte, ist vermutlich zu vielen zu links und – traurig, aber wahr – zu jüdisch.

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  4. @k&g: Die regelmäßig verhängte „Todesstrafe für Diktatoren“ unter Primaten ist keine „Idee“ Wranghams, sondern ein wissenschaftlich beobachtetes und abgesichertes Phänomen. Es gehört demzufolge ebenso zu unserem stammesgeschichtlichen Erbe wie der Aggressionstrieb.

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  5. @k&g: Wrangham spricht allgemein von „Primaten“, also „Menschenaffen“, das umfasst Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans, Bonobos und vermutlich noch ein paar Arten, die ich nicht kenne.

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  6. Schimpansen, so weiß man, haben des öfteren bei ihren Feldzügen Bonobos-Weibchen geschwängert. Von den Genen der Bonobos blieb in diesen Zwittern aber heute kaum mehr etwas übrig. Die agressive Grund -Gestimmtheit der Schimpansen prevailte genetisch über der Sanftheit der Bonobos.

    Wranghams Schlussfolgerungen sind sicher spannend, ich bin gespannt, welche kritiken hierzu noch auf deutsch erscheinen werden.
    Kaufst du das engl. Buch?

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