Dubstep Week

Ein CD-Cover aus dem Jahr 2006 mit unprätentiösen Impressionen schöpferisch arbeitender Kräfte im South London der Jahrtausendwende.

Abgesehen vom Montagsklavier steht die kommende KW ganz im Zeichen des Dubstep, der vermutlich eine der letzten kreativen Zuckungen des an Stilen und Ismen so überaus reichen 20. Jahrhunderts war. 1  Die Musikrichtung ist in den späten 1990er-Jahren in Londoner Clubs entstanden und verbindet die Linearität des Techno mit den Breakbeats des Drum and Bass. Die Schöpfungshöhe des Dubstep ist eher mäßig, will sagen, selbst ich brauchte eine Weile, um das Spezifische dieser musikalischen Ästhetik gegenüber verwandt klingenden Techno- oder Drum and Bass-Arbeiten herauszuhören.

Charakteristisch ist vor allem die Behandlung der Basstrommel, die zwar den Sound einer Techno-Kickdrum hat, aber stets synkopiert daherkommt, wodurch das markante Stampfen des Techno, das soo vielen soo auf die Nerven geht, entfällt. Ansonsten werden, wie in elektronischer Tanzmusik üblich, relativ wenige, aber prägnante Samples in Schichtarbeit hin- und hergeschubst, als gäbe es kein Morgen.

Die hier präsentierten 6 Musikstücke neigen zu unsentimentaler Verknappung, haben also rein gar nichts mit Burial oder gar Skrillex 2  zu tun (falls irgendjemand da draußen diese Namen schon mal gehört haben sollte). In den Vordergrund geschobene, nochmals affirmierte und übermächtige Beats stehen in nahezu leeren oder bestenfalls spartanisch möblierten akustischen Räumen, durch die gelegentlich meist nach Frau klingende Vokalsamples wie aus einer anderen Welt herumspuken.

Hedonistisch klingt das jedenfalls nicht, eher schon unterschwellig traurig, resigniert, stumpf und passiv-aggressiv. M. a. W., es handelt sich um angemessene Musik zur Zeit.

Den geneigten HörerInnen aufschlussreiches Lauschen wünscht

der Blogbetreiber


 

1 Im 21. Jahrhundert scheinen keine neuen Musikstile mehr zu entstehen, die mehr als zwei Dutzend Leute länger als vier Wochen begeistern können – ein faszinierendes soziokulturelles Phänomen, vermutlich eine Sekundärfolge der Digitalisierung. Ich lasse mich jedoch gerne vom Gegenteil überzeugen, bitte melden!

 

2 Burials post-digitale Variante romantischen Weltschmerzes geht in Ordnung, aber die Tracks von Skrillex verstören mich stets auf Neue als Anhäufung des musikalisch Hässlichen. Leider scheinen viele zu glauben, Dubstep „an sich“ klinge wie Skrillex. Aber Techno „an sich“ klingt ja auch nicht wie DJ Ötzi.
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9 Kommentare zu „Dubstep Week

  1. Zur These es gäbe im 21. Jahrhundert keine neuen (Pop)Musikstile mehr: Das kannst du nicht ernst meinen.
    Wie informierst du dich über aktuelle Entwicklungen? Auf welchen Wegen hörst du neue Veröffentlichungen?
    Was sind deine Kriterien? Glaubst du wirklich auch nur annähernd einen repräsentativen Überblick im Bereich Zeitgenössischer Pop zu haben um so etwas behaupten zu können?

    Meiner Erfahrung nach ist die Feststellung, dass es nichts mehr erwähnenswertes Neues im Pop gibt ein Zeichen dafür, dass man sich nicht mehr dafür interessiert. Selbstverständlich gibt es ständig und immerzu interessante neue Entwicklungen. Die Frage ist eher, ob sie einen noch erreichen und ob man die modernen klanglichen Parameter überhaupt noch wahrnimmt. Das wird mit voranschreitendem Alter immer schwerer und bei dieser Feststellung schließe ich mich selbst absolut mit ein.

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  2. @Dennis: Ich hatte um Beispiele gebeten, nicht um Unterstellungen. Leider enthält dein Kommentar nur Letzteres. Also, ich höre? Folgende popmusikalischen Stile sind nach 2000 entstanden: …

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  3. Einteilung in Musikstile sind rein kommerzielle Kategorien um Vermarktung zu erleichtern. Außerhalb dieses engen Schubladendenkens gibt es immer, überall und ständig neue Entwicklungen. Egal, ob sie einen eigenen Namen haben oder nicht. Und kein Mensch kann von sich behaupten alle aktuellen popmusikalischen Entwicklungen auf diesem Planeten zu kennen und zu durchschauen.

    Falls du wirklich glaubst, dass in den letzten 20 Jahren nichts Neues entstanden ist, kann ich dich nur bedauern.
    Du hast dir eine eigene Fake Welt konstruiert. Richte dir mal ein Spotifyabo ein und fang an zu hören, was da draußen wirklich los ist.

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  4. Ich denke, Stefan meint solche „Sparten“ wie Techno, Minimal,House, Noise, Garage ect.
    Und keine Spielarten wie „Latin techno“ oder „funky tech house“. Das wären ja in meinen Augen Unterkategorien.

    Als reiner Konsument darf ich hier natürlich nicht mitreden.

    Dennoch mache ich es, vielleicht zu meinem Schaden.

    Von 2000 bis etwa 2017 habe ich mich durch viel Elektronische durchgehört, aaaabends, oooohne Ende manchmal..
    Frequentierte Musikmagazine im Netz wie etwa nutriot, resident advisor,,fact magazine, weekly pods, mixe and so on.
    Wenn ich auf so etwas wie Dark ambient sties, klang es frisch, aber ein Experte würde vielleicht sagen: Ne, ne, alter Hut!

    Ich habe wirklich viel gehört, kann aber nicht sagen, daß da ein neues Genre aufgetaucht wäre.

    Wie gesagt, in dieser Diskussion habe ich eig. nichts verloren.

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  5. @Dennis: Gut, dass Spotify kein rein kommerzielles Unternehmen ist, das lediglich die Vermarktung von Musik erleichtert … und jetzt wende ich mich wieder barocker Cembalomusik zu, eingedenk der Tatsache, dass „Barock“ lediglich eine kommerzielle Kategorie ist, genau wie „Renaissance“ oder „Moderne“ oder „Zwölftonmusik“ oder „Rock ’n‘ Roll“. Alles Erfindungen der Musikindustrie, des Großkapitals, des … du weißt schon.

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