The Wisdom of William (James) 1 of 7

The social affections, all the various forms of play, the thrilling intimations of art, the delights of philosophic contemplation, the rest of religious emotion, the joy of moral self-approbation, the charm of fancy and of wit—some or all of these are absolutely required to make the notion of mere existence tolerable.

William James: „Essays in Philosophy“, 1878 (p. 13), zitiert nach dem Eintrag „William James“ in der Stanford Encyclopedia of Philosophy, die an dieser Stelle einmal mehr heiß empfohlen sei.

Eine entschieden a-religiöse Sicht der Dinge, die mich in meinem Agnostizimus bestätigt. Denn für Christentum wie auch Buddhismus ist die Erde / die irdische Existenz / das Dasein etc. ein „Jammertal“ (Christ.) bzw. „Leiden“ (Buddh.). Punkt.

Diese Ansicht allein ist in ihrer Einseitigkeit bizarr genug. Wäre sie wahr, hätte man tatsächlich jeden Grund, sich nach dem (christl.) Jenseits bzw. der (buddh.) Abtötung aller Gefühle zu sehnen bzw. sein irdisches Dasein ausschließlich danach auszurichten.

Kurz gesagt: Der strenge Christ / Buddhist kann den existenziellen Wert etwa des Spiels, der Spielerei, der voraussetzungsreichen subtilen Anspielung, des Witzes oder gar der Blödelei nicht wirklich akzeptieren. Für sie sind das bloße Auswüchse (excrescences) bzw. letztlich abzulehnende Nebenprodukte der menschlichen Existenz.

Am brutalsten kommt das im Leistungsideal etwa des Calvinismus zum Tragen, der m. E. nicht weit entfernt ist von der Auffassung, dass, wer nicht arbeitet, auch nicht essen solle bzw. sollen dürfe. M. a. W., wer die Unproduktive verhungern lässt, erfüllt Gottes Wille viel eher als der seinen Nächsten vermeintlich christlich, aber eigentlich „gedankenlos“ Liebende.

Und auch die kognitive wie ästhetische Askese etwa des Zen-Buddhismus gehört in diese Ecke der Verachtung des Spontanen, Improvisierten, Unüberlegten. Einerseits hat mich zwar die Zen-Idee absoluter Konzentration stets fasziniert, weil ich ja von Hause aus komplett unkonzentriert, fahrig und extrem leicht aus dem Konzept zu bringen bin, andererseits bedeutete ihre konsequente Umsetzung im realen Leben eine freiwillige Abtötung von ca. 85% meiner „Lebensenergie“ (was immer das ist, ich habe kein besseres Wort grade). Und ein „voll konzentrierter“ Geist ohne zu kontemplierende Inhalte ist ungefähr so produktiv wie eine Kompanie makellos exerzierender SoldatInnen: staunenswert, aber komplett sinnentleert.

5 Kommentare zu „The Wisdom of William (James) 1 of 7

  1. @k&g: Falls das eine Kritik an meiner Behauptung der generellen Lebens- und Lustfeindlichkeit des Buddhismus sein sollte, so scheint sie mir unzutreffend zu sein. Über Lachyoga im Speziellen weiß ich nichts, aber die Heiterkeit der BuddhistIn scheint mir stets eine Form „erlernter Ignoranz“ (Abtötung von Empathie) zur Grundlage zu haben. Dass diese Einstellung das subjektive Wohlbefinden des/der Bodhisattva zur Folgen haben mag, möchte ich dabei gar nicht bestreiten.

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  2. Eine Kritk war meine Antwort nicht. Das hatte ich hier nicht vor, war nicht mein Anliegen.
    Wieso das angesprochene Video so betitelt wurde (Bodhisattva…), weiß ich auch nicht. Es fiel mir nur in diesem Zusammenhang ein.

    Lebens-und Lustfeindlichkeit: Ich traf einen indischen Christen, der mir ein Buch von ihm gab, in dem er die seiner Meinung nach eigentliche Botschaft beschrieb: Verwirkliche Dich hier, das mit mit Himmelreich gemeint.
    So könnte ja auch die ursprünglich Botschaft gewesen sein.

    Aber schön, daß Du geantwortet hast!

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  3. @k&g: Keine Kritik? Schade eigentlich 😦 Hoffe, es geht dir gut 😉 Und was den „indischen Christen“ betrifft: Der hat sich das Christentum so zurechtgebogen, wie es heutzutage die meisten tun. Denn Eines ist gewiss: Der Begriff „Selbstverwirklichung“ ist in der Bibel nicht zu finden.

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