Kurzer Werkstattbericht zwischendurch

Typische Bildschirmansicht 2020

Jetzt haben wir doch schon wieder Mai, da treibt es mich, mein bisheriges Arbeitsjahr mit dem vergangenen, elektroakustischen, zu vergleichen.

Einerseits fühle ich mich heuer ebenso produktiv wie 2019, aber der Charakter dieser Produktivität hat sich andererseits doch deutlich verändert. War 2019 ein Eilen & Hasten von einer Idee zur nächsten mit der Installation «Fluctin 06 (Residenz Würzburg)» im Mittelpunkt, scheint 2020 ein für meine aufmerksamkeitsdefizitären Verhältnisse geradezu bürokratisch regelmäßig strukturiertes Arbeitsjahr zu werden.

Denn ich sitze bis zu acht, im Schnitt aber immerhin vier Stunden täglich an der Überarbeitung bereits bestehender Stücke. Das bisherige Ergebnis dieser vermeintlichen Fleißarbeit hat mich einigermaßen überwältigt, einerseits, weil ich jetzt weiß, dass das, was ich bsp.weise zu Beginn des Jahrtausends fabrizierte, gut war und weiterhin Gültigkeit und Wert besitzt, andererseits, weil das erneute „Aufbohren“ dieser vergangenen Anstrengungen einen Schatz bisher nicht wahrgenommener möglicher Weiterspinnungen / Ausformulierungen / Durchführungen / Ausarbeitungen zutage gefördert hat, der die ganze Zeit über im bestehenden Material vor sich hinschlummerte.

Meine Überarbeitungen, die ursprünglich eigentlich nur der Anpassung der bisherigen ePlayer-Realisierungen an bessere Sample- und Audio-Standards dienen sollten, erschlossen mir also ganz unversehens und beglückenderweise die eigenen alten Ideen neu. Währenddessen habe ich jedoch nie etwas Substantielles dazukomponiert, sondern stets nur bereits vorhandene Elemente neu eingekleidet (also bsp. um-instrumentiert und/oder transponiert), nano-editiert (d. h. winzige, mitunter ganz sicher unhörbare, für mich aber konzeptuell wichtige rhyhtmische Unklarheiten im Sinne einer nun sich stabilisiert habenden übergreifenden Rhythmus-Philosophie eliminiert 1 ) und/oder collagiert (also via cut & paste neu temporal arrangiert).

Ich hatte während dieses intensiven Abklärungsprozesses nie den Eindruck, so aus einer eigentlich mittelmäßigen oder gar schlechten Komposition eine bessere zu machen – meine diesbezügliche massive Befürchtung hat sich als unbegründet herausgestellt. Stattdessen kam es mir so vor, als sei die Musik bisher noch gar nicht richtig fertiggeboren gewesen und würde nun erst wirklich das Licht der Welt erblicken. Was mich mit einem Glücksgefühl erfüllte und erfüllt, das ich bisher nicht kannte. Denn dabei handelt es sich um keine meiner üblichen kurzlebigen Euphorien bzw. rein impulsiven Erregtheiten, sondern um ein etwas beruhigteres, etwas beständigeres Gefühl von Zufriedenheit und länger andauernder Klarheit.

Und dafür bin ich sehr dankbar, wem auch immer.


 

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2 Kommentare zu „Kurzer Werkstattbericht zwischendurch

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