Flusser über Sprache als Medium der Erkenntnis

Das Alphabet wurde erfunden, um die sogenannten flektionierenden Sprachen, das heißt die indoeuropäischen und die hamito-semitischen, sichtbar zu machen. Das Alphabet ist auch für andere Sprachgruppen verwendbar, aber nicht sehr gut. Diese Sprachen haben die Eigenschaft, dass sie Propositionen aussagen, das heißt, sie sagen vor einem Subjekt Prädikate aus. Das ist eine sehr starre Struktur, während man mit Zahlen ganz anders spielen kann. Algorithmen folgen einer viel flexibleren Struktur. Infolgedessen sind Sprachen und daher auch Buchstaben nicht gut geeignet, Erkenntnismodelle zu formulieren.

Vilém Flusser: „Bochumer Vorlesungen“, 1991 (S. 20-21)

Der Blogbetreiber meint Dass die jüdisch-christlichen Sprachen ausschließlich propositionalen Zwecken dienlich sein sollen, halte ich für eine unzulässige Reduktion (nicht, dass das Flusser nicht wüsste, der Schlingel!). Sie entspricht in etwa der Position von Wittgenstein I der Logisch-Philosophischen Abhandlung, von der der Österreicher u. a. dadurch kuriert wurde, dass ihm der italienische Wirtschaftswissenschaftler Piero Sraffa mit der Zweckdienlichkeit und Gebräuchlichkeit von non-verbaler Körpersprache kam.

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