Einiges zu CD Friedrich und seiner Zeit

Schönes Beispiel, wie man historische Kunst kenntnisreich kontextualisieren kann, ohne sie lediglich als Zeitphänomen zu dekonstruieren. Der Untertitel mit der akademischen Floskel „im Spannungsfeld von“ und dem gruselig wirkenden Begriff „Geschmacksgeschichte“ schreckt gleich maximal ab, wird dann aber von der Verständlichkeit und Lebendigkeit vor allem der Ausführungen von einmal mehr Wolfgang Ullrich Lügen gestraft.

Die Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig lief vom 9. Oktober 2021 bis 9. Januar 2022. Das zugehörige Gespräch wurde am 7. November 2021 aufgenommen.

3 Kommentare zu „Einiges zu CD Friedrich und seiner Zeit

  1. Ich bin ja immer wieder etwas frappiert über die Konzeptionen von Kuratoren 😉

    Mich stört – meinem Gefühl nach – etwas die oft zu nahe Handführung bei den Werken.
    Wenn das im Laufe der Zeit 5000 Leute machen, wird wohl jemand die Bildfläche berühren.

    Was in dem Dialog gut rauskommt, ist, daß man ein Bild sehr unterschiedlich lesen kann. Nix Neues. Aber durch die Kenntnis der Zeit und Lebensumstände der Künstler, die beide Sprecher mitbringen, ist eine Annäherung möglich, die in dem einen oder anderen Fall überzeugt/überzeugen kann.

    Insgesamt eine spannende Sache. Friedrich, Oehme und die anderen hätte ich sonst in einer Ausstellung kaum mehr gewürdigt. Lediglich die Entwürfe und Skizzen sprechen den heutigen Kunstfreund DIREKT an.

    Noch eine Ankedote meinerseits: In einer Ausstellung von zwei Keramikerinnen und zwei Malern sagte ein Besucher zum Schluß: „Ja, Spitzweg, das war noch ein Maler!“ und ging vondannen.

    „Friedrich und asexuell“: Friedrich schien ja ein sehr sperriger Mensch gewesen zu sein. Das zeigt sich ja auch in der Episode mit der Buchillustration, die er ablehnt.
    Insgesamt kann eine Vorstellung davon, was Kunst sein sollte, ganz schön in die Einsamkeit führen. Denn: Können andere/wollen andere mitgehen? Meist gelingt das doch nur durch persönliche Beziehung – was ja auch inneres Thema dieser Ausstellung ist.

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    1. Danke für deine verstreuten Bemerkungen. – Die Wehklage „Ja, Spitzweg, das war noch ein Maler!“ wirkt heutzutage komplett aus der Zeit gefallen, denn wir haben ja spätestens seit den 1980er-Jahren eine Konservative Revolution in der Bildenden Kunst. Wer immer noch glaubt, sich gegen eine zunehmende Übermacht abstrakter oder gar konzeptueller Kunst wehren zu müssen, lebt geistig noch in den 1960er-Jahren. Natürlich wird heutzutage auch jede Menge dieser Art von Kunst gemacht, aber sie ist nur noch eine Option von vielen – und nicht die „aktuellste“. Es kann allerdings auch sein, dass der Wehklagende überhaupt keinen historisch informierten Kunstbegriff besitzt und einfach alles, was nicht Altmeisterlich-Realistisch ist, als dekadent abtut. In diesem Fall hätte er bereits in den 1860er-Jahren (Aufkommen des Impressionismus) Grund zur Klage gehabt.

      Zum Thema Kunst & Vereinsamung: Meiner Erfahrung nach gibt es hier keinen Zusammenhang. Kunst ist natürlich Ausfluss von Persönlichkeit, aber die Persönlichkeit war immer schon vorher da. Ein geselliger Mensch bleibt gesellig, auch wenn er noch so schroffe Kunst macht und umgekehrt: ein ungeselliger Mensch bleibt ungesellig, auch wenn er noch so gefällige Kunst macht. Aber vielleicht meinst du etwas anderes: Kunst als Mittel, sich verständlich machen zu wollen. Hier habe ich die vielfältigsten Erfahrungen gemacht: von verblüffendem Verständnis bis zu haarsträubendsten Missverständnissen. Und es ist kein Trend erkennbar, dieses Feld bleibt wohl auf immer chaotisch bzw. komplett kontingent.

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  2. „Kunst als Mittel, sich verständlich zu machen“
    Ullrich meinte ja, der Betrachter „müsse sich ins Benehmen setzen mit dem Bild“. (Herrlich, er gebrachte das zweimal).
    Friedrich verlangte viel und das waren die Betrachter meist nicht bereit zu geben, alleine schon wegen der Kleinformatigkeit.

    Die Interpretation eines Werks, das merke ich persönlich auch, kann sehr sehr zufällig sein.
    Ist das Werk offen (so wie bei Friedrich), lädt es geradezu ein, Assoziationen einzubinden/vordergründig werden zu lassen. Die schöne Schulter ist da viel klarer, wennauch hier manigfaltige Auslegung möglich wäre.
    .

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