Der Fotograf Andreas Rost (*1966)

Das Geburtsjahr habe ich eigens erwähnt, weil es auch das meine ist, allerdings nicht der Ort: Weimar. Und damit ergibt sich auch schon die Differenz. Das folgende Podcast-Porträt (ja, es gibt tatsächlich einen Podcast über Fotografie und er funktioniert sehr gut!) von Andreas Rost wurde am 28. März diesen Jahres publiziert:

#089 »Mich interessiert der poetische Umgang mit der Wahrheit.« Fotografie Neu Denken. Der Podcast.

Es folgen drei, wie ich finde, ikonische Bilder von Rost aus dem Jahr 1990. Die Bildtitel sind von mir.

Junger Mann: „Also der wär‘ noch zu haben! Sie müssen sich allerdings schnell entscheiden.“ – Mittelalter Mann (produziert stumm sehr viel Speichel).
The New Cool (Marlboro)
Wegelagerer vor dem Palast (DSU)

Die Arbeiten stammen von der Homepage des Künstlers und spiegeln exakt meine ambivalenten Gefühle angesichts der Wiedervereinigung damals wieder. Die unverhohlene Gier vieler Ossis war mir alles andere als sympathisch, aber gleichzeitig fühlte ich mich schuldig für diese Abneigung, denn wer war ich, diesen nicht nur konsumtechnisch ausgehungerten Menschen neue Erfahrungen zu mißgönnen? – Nun, ich kann nicht sagen, dass sich an dieser Ambivalenz nach all den Jahren etwas geändert hat. Und das ist doch einigermaßen bemerkenswert.

6 Kommentare zu „Der Fotograf Andreas Rost (*1966)

  1. Die Frisur der Dame rechts im Marlboroland wird nachwievor gerne gewählt.
    Und die Geste des Autoanbieters wirkt reichlich inadäquat, vielleicht war das damals aber der Bringer. Man war ja schließlich im Traumland unterwegs.
    Was wäre heutzutage eigentlich eine ähnliche Verheißung?

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    1. @k&g: Andere Beispiele: Dein Blog, mein Blog, alle Blogs. Alles Eigenwelten, wenn auch nicht komplett abgekapselt, aber oft doch mit deutlicher Neigung zur komfortablen Idylle von RichtigdenkerInnen. Aber wir brauchen das ja, sonst würden wir’s uns nicht holen. – Im Gegensatz zum von Andreas Rost so vorzüglich eingefangenen Traumland der „entlassenen“ DDR-BürgerInnen ist die Blogosphäre allerdings komplett immateriell. Ist das ein Fortschritt?

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    2. Die Blogosphäre ist nicht abgekapselt, da gibt es krude Ansichten direkt nebenan, wo man sich fragt, ob das Auftragsschreiber sind oder sonstwas.
      Nein, ich dachte an eine reale Sphäre.
      Ich würde dort ein Meckern über meinen Garten durchaus akzeptieren oder über den Zustand meiner Frisur, aber nichts Weiterreichendes.
      Bei Tee oder/und Kaffee wäre eine Grenze.

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    3. @k&g: Ich denke mal, das Eintauchen in so eine kohlenstoffweltliche Wohlfühlsphäre inkl. nur mäßig kritischer Nachbarschaft ist dann doch schlicht eine Frage des verfügbaren Einkommens. Die zeitgenössische Radikalform hiervon sind bekanntlich sog. gated communities.

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