Leuchtender Pfad, 2015

Ich weiß schon, dass es eine gleichnamige maoistische Terrororganisation in Peru gab bzw. gibt. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass auf diesem Bild ein leuchtender Pfad zu sehen ist.

15 Kommentare zu „Leuchtender Pfad, 2015

    1. @k&g: Ok. – – Zugegeben, ich hab‘ manchmal ein Problem mit „übertragener Bedeutung“. Nicht, weil ich „Literalist“ wäre oder gar ein Freund des Profanen, es ist die Willkürlichkeit der Interpretation, die mir mitunter sauer aufstößt, v. a. bei der Interpretation von Kunst. Dein Beispiel ist auf der entgegengesetzten Seite jener interpretatorischen Freiheit zu verorten: Das Foto eines Feldweges symbolisiert Gedanken ums Weiter. Ein Foto von fließendem Wasser symbolisiert die Tatsache, dass alles fließt etc. Einerseits fotografiere ich ja auch gerne einfache Dinge, die „nicht der Rede wert sind“. Andererseits ist mir dabei ständig bewusst, dass eine Verabsolutierung dieser Einfachheiten schlicht Kitsch wäre bzw. eine Lüge über die Welt.

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    2. Bei mir ist es so, daß ich meist aufeinanderfolgende Assoziationen/Gedanken zu einem Foto habe.
      Wie: „Daß ausgerechnet der Weg (in seinem Verlauf“ Beleuchtung erfährt (=Zufall)“
      „Daß Licht solch einer Beleuchtung oft stark daherkommt“.
      „Licht kann auch Kontur vernichten“
      Und ähnliches mehr.
      Meist schreib ich dann eine letzte Assoziation hin, die mag dann garnicht so wichtig sein.

      Zum Schlussatz:
      „Nichts ist einfach“. Dieser schlichte Gedanke kam mir gestern wieder, als ich jemandem (m)eine Ansicht zur Komplexität im Biologischen darlegte: Schöne Gestaltung/Attraktivitätstricker setzt sich fort bis ins allerkleinste bei Insekten. Selbst Makromoleküle haben ja Form, die so „praktischen“ Sinn macht und die nicht eine blosse Anhäufung von Molekülen und Atomen darstellt.

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    3. @k&g: Ich denke, mit der Frage „Ist ‚Nichts ist einfach‘ ein einfacher oder ein komplexer Gedanke?“ kann man selbst gestandene Philosophen in ein mehrwöchiges Rätselkoma treiben! – Aber Spaß beiseite, zum Thema „Schönheit in den Naturwissenschaften“ hatte ich vor ein paar Tagen einen interessanten Gedankenaustausch mit dem Schriftsteller Thomas Raab (siehe Blogroll ganz unten) auf Instagram. Hier ist er zur Gänze:

      raab.raskolnikova
      “ … piece of art.“ It’s not that I don’t know what he is talking about; I don’t know why it matters.
      Sabine Hossenfelder, „Lost in Math: How Beauty Leads Physics Astray“ (2018)
      .
      .
      .
      #zitat #quote #sabinehossenfelder #physics #supersymmetry #beauty #feeling #psychology #occam #ockham

      stefanhetzeleibelstadt
      Hm, und auf welcher Seite stehst du? Würdest du eine physikalische Theorie akzeptieren, die zwar evident und kohärent, aber ästhetisch eine Katastrophe ist? Oder unterstellst du mit deiner Markierung der Autorin lediglich mangelnden Schönheitssinn? [Wurde auf Instagram evtl. noch nicht so oft diskutiert Zwinkersmiley]

      raab.raskolnikova
      ich glaub, dass das ockham-eleganzgefühl eingebaut ist (ein korrolar des 2. HS im gehirn), aber dass die kollegin recht hat, und wir meist leider nicht sehen können, welchen trade-off in sachen universalität der theorie wir uns einhandeln (weil wir die „daten“ je nach unsrem psychodynamischen bias jeweils anders aussuchen und bewerten). so gesehen ist der konformitätsdruck, den sie hinten im buch bemängelt, unausweichlich und – leider – alles was uns bleibt. eine vage hoffnung.

      stefanhetzeleibelstadt
      @raab.raskolnikova Pessimistisch gewendet könnte man also sagen, dass die Menschheit eines Tages an ihrem Bedürfnis nach Supersymmetrie zugrunde gehen könnte.

      raab.raskolnikova
      @stefanhetzeleibelstadt weiß nicht. so ähnlich sieht es hossenfelder. oder wir kapieren die ockham-sache irgendwann besser. könnt ja sein, oder?

      stefanhetzeleibelstadt
      @raab.raskolnikova Warum wäre deiner Meinung nach ein direktes Vorgehen gegen das „Ockham-Eleganzgefühl“ Quatsch? Oder ist schon diese Frage Quatsch?

      raab.raskolnikova
      @stefanhetzeleibelstadt halt ich nicht für quatsch, dass man das im hinterkopf behält! aber ist sehr schwer („unnatürlich“). deswegen ist das buch von hossenfelder, glaub ich, wichtig.

      stefanhetzeleibelstadt
      @raab.raskolnikova Lässt sich O. Wieners Denkpsychologie als ein Anrennen gegen das „Ockham-Eleganzgefühl“ verstehen?

      raab.raskolnikova
      @stefanhetzeleibelstadt hm. vielleicht, wenn man es so sieht, dass viele psycholog*innen nicht merken, dass ihre theorie falsch ist, aber gut ankommt?

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    4. @k&g: Das habe ich nicht gelesen, aber diesen einstündigen Vortrag zum selben Thema vor längerer Zeit gehört – und der ist wirklich hervorragend:

      Fazit: Es gibt eine Art kognitiven Schönheits- oder Symmetriezwang im Menschen, der den Fortschritt in der physikalischen Theoriebildung hindert. Da ist irgendetwas im Menschen (Raab, promovierter Geologe, benennt es hochanspruchsvoll im obigen Dialog), was ihn immer in denselben Mustern denken lässt, die letztlich denen gleichkommen, die er in der Natur selber wahrnimmt. Auch in der Mathematik (für die ich keinerlei Talent habe) scheint es, bei aller Un-Anschaulichkeit, letztlich so zu sein (sagt Hossenfelder mit all ihrer Autorität, also glaube ich ihr das). Das erinnert natürlich strukturell an Probleme in der Psychotherapie: Dein Leben läuft im Kreis, weil du immer in denselben Bahnen denkst. Erkenne das Muster und befreie dich von ihm etc. Das „Muster“ ist hier jedoch das menschliche Denken selbst! Anstrengungen, eine „Psychologie des Denkens“ zu begründen, gibt es z. B. bei Ludwig Wittgenstein, bei dem Experimentalpsychologen Otto Selz (wurde von den Nazis ermordet) und beim jüngst verstorbenen Oswald Wiener (hat sich besonders mit systematischer Selbstbeobachtung beim Lösen mathematischer Probleme beschäftigt). Letzterer war ein großer Anreger der Arbeit von Raab, der von der Kognitionsforschung her kommt.

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    5. Ja, diesen Vortrag hatte ich seinerzeit auch gehört.

      Bei Mustern denke ich an „Paradigmenwechsel“, von denen Thomas S. Kuhn in „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ sprach. Auch das hatte ich nie gelesen, ich fauler Strick.
      Na, faul bin ich eigentlich nicht, mache nur immer die falschen Sachen…

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    6. @k&g: So, jetzt habe ich Hossenfelders Vortrag nochmal gehört. Eigentlich geht es dabei um zwei Dinge, die gar nichts direkt miteinander zu tun haben:

      1. Den erwähnten kognitiven Ästhetizitäts-Bias in der physikalischen Theoriebildung
      2. Den grassierenden Herdentrieb in der theoretischen Physik

      Wobei sie der Meinung ist, das zweite Problem sei noch viel schwerer zu lösen als das erste. Wer sollte auch verhindern, dass es immer mehr PhysikerInnen auf der Welt gibt? Letztlich ist das ja auch wieder so ein zivilisationskritisches Argument: Sobald eine kritische Masse an kognitiv tätigen Individuen innerhalb einer Population (hier: der Menschheit) überschritten ist, gibt es keinen Fortschritt mehr. Das liegt nicht daran, dass die Individuen dümmer werden (Obwohl, wer weiß? Angeblich hatte der Neandertaler ein größeres Gehirn als der Homo sapiens und konnte sich besser räumlich orientieren als dieser. Angesichts karger Lebensbedingungen war er gezwungen, riesige Gebiete ohne künstliche Hilfsmittel zu durchstreifen und war gezwungen, sich Tausende von Landschaftseindrücken zu merken, um zu überleben. Das allein ist allerdings noch keine Intelligenz.), sondern, und das ist jetzt mal wieder eine meiner berüchtigten Ad-hoc-Thesen, dass sie sich immer stärker gegenseitig im Weg stehen. Ab einer gewissen Dichte belebt Konkurrenz halt das Geschäft nicht mehr, sondern sorgt dafür, dass nicht die objektiv besten (so geht Hossenfelders Argument), sondern die Durchsetzungsfähigsten Oberwasser (sprich: Forschungsgelder) gewinnen. Wenn „Objektivität“ (Hossenfelder) aber kein Selektionskriterium für die Güte physikalischer Theorien mehr ist, stagniert die Theorie irgendwann.

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    7. „Sobald eine kritische Masse an kognitiv tätigen Individuen innerhalb einer Population … überschritten ist, gibt es keinen Fortschritt mehr. “
      Das wird zu einer flachen Kurve. In vielen Feldern wohl so. 😀
      Forschungsgelder korrumpieren sozusagen Wissenschaft. Hatte mal im dlf einen Beitrag dazu gehört , da ging es um Tinnitus und eine mögliche Sparte, Produktion von Geräten zur Behandlung dieser Beeinträchtigung.
      Hossenfelder sprach ja ganz zu Anfang von dem Zersplittertsein der Disziplinen in der Physik. Wie kann denn da noch ein großer Wurf passieren?

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    8. @k&g: Auch Hossenfelder scheint eine heimliche Nostalgikerin zu sein, die sich nach den guten alten Zeiten der Physik zurücksehnt, als Physiker noch knorrige Solitäre mit Mut zum Irrtum waren, anstatt tumb herumwuselnder Ameisen mit gigantischem IQ und ebensolchen Publikationslisten. Sollte ihre These stimmen, hätten wir dann auch im Bereich der Physik ein „Ende der Geschichte“ im Sinne einer finalen Entropie. Aber vielleicht ändert ja der Klimawandel daran etwas. Angenommen, die Lebensbedingungen ändern sich in kurzer Zeit drastisch, hätte das evtl. auch drastische indirekte Auswirkungen auf die physikalische Theoriebildung. Aber zugegeben, das ist jetzt reine Spekulation.

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    9. Mir täte es um die Wissenschaft leid.

      Was sie alles herauszufinden vermag, zwar nicht mehr so sehr im Bereich der Physik, aber in anderen Feldern, wo ihre Möglichkeiten noch schier grenzenlos sind!
      So genial wie Wissenschaft ist/sein kann, umso mehr quält einen das fundamentale Unvermögen der Menschheit, „klar zu kommen mit sich“. Alles scheint im Prinzip machbar, aber der Stolpersteine sind zu viele.
      Das mit der Entropie und dem Zeitpunkt Null, wenn nur noch einzelne Elektronen oder sogar nur Infoeinheiten herumschwirren, ist so weit weg, da gäbe es wohl Trillionen Anlaufsmöglichkeiten, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.

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