Letzte Generation

Die disruptive Qualität der Aktionen der Letzten Generation ist bewundernswert.

Mich beeindrucken vor allem die Flughafenblockaden, speziell die auf einem Flughafen für Privatjets kürzlich in den Niederlanden. Die Kunst-Besudelungen waren / sind dagegen ein wenig unspezifisch. Dass derzeit alle Welt über die Form dieser Aktionen spricht, aber nicht über deren Auslöser, zeigt, wie stark die Verdrängung dieses Themas auch bei den „Wohlmeinenden“ ist. Manchmal kommt es mir fast so vor, als gäbe es Menschen, die Klimaschutz bisher ganz gut fanden, aber jetzt nicht mehr, weil sie die „Letzte Generation“ so scheiße finden. Das wäre dann eine besonders krasse Form von Wohlstandverwahrlosung: Geschmackssicherheit geht vor Existenzsicherung.

Junge Menschen lesen die Zukunftsprognose des Weltklimarates, stellen fest, dass viele Jahre Fridays for Future nichts gebracht haben und begehen anschließend öffentlichkeitswirksam ein paar geringfügige Sachbeschädigungen, um auf den Ernst der Lage, der von einer Mehrheit der Bevölkerung ja anerkannt wird, aufmerksam zu machen.

Sie handeln in dem Sinn undemokratisch, als auch die Prognose des Weltklimarates keine demokratische, sondern eben eine wissenschaftliche Grundlage hat. Wissenschaftliche Erkenntnisproduktion hat mit demokratischer Entscheidungsfindung nichts zu tun (vgl. auch den Begriff der „Corona-Diktatur“, wo es auch immer darum ging, dass es viele Menschen völlig zurecht undemokratisch fanden, dass nun plötzlich die Wissenschaft diktierte, wo’s langging).

Seit vielen Jahren wird hierzulande demokratisch entschieden, dass die Klima-Katastrophe kaum gravierende politische Konsequenzen haben darf. Sicherlich auch, weil wir in einer „Altenrepublik“ (S. Schulz) leben, in der sich viele Menschen für „Don’t Look Up“ entschieden haben. Die Letzte Generation weist auf diesen Missstand, den man etwas altmodisch auch Lebenslüge nennen darf, hin, nichts anderes. Die teilweise schrillen Reaktionen (siehe Andi Scheuer oben) beweisen, dass sie einen Nerv getroffen haben.

Werbung

Ein Kommentar zu „Letzte Generation

  1. Als Mitmensch, der vermittels erfolgreichen Abschlusses zweier Staatsexamina die „Befähigung zum Richteramt“ erworben hat, habe ich bislang eher erfolglos versucht, mir einen auf Anhieb überzeugenden Reim darauf zu machen, weshalb man die Juristerei auch Rechts“wissenschaft“ nennt. Der Gedanke, dass die Prognose des Weltklimarates keine demokratische, sondern eine wissenschaftliche Grundlage hat, bringt mich da jetzt etwas weiter. Zumindest insofern, als eben auch die Rechtswissenschaft in einem gewissen Sinne „undemokratisch“ ist, wie das Scheuersche Zitat nur allzu deutlich zeigt, hat es doch einiges von Lynchjustiz und trägt keinesfalls zur Lösung des Problems bei…

    Gefällt mir

Kommentieren:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s