Franzen on having a crush on someone

As a lover’s voice or hair or curving hip keeps triggering the need to stop everything and fuck, so Becky had a score of provocations that reliably sent Denise’s heart rate through the roof.

Jonathan Franzen: „The Corrections“, 2001 (p. 334)

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Franzen on physiology

In the morning the blood was crowded with commuters, the glucose peons, lactic and ureic sanitation workers, hemoglobinous deliverymen carrying loads of freshly brewed oxygen in their dented vans, the stern foremen like insulin, the enzymic middle managers and executive epinephrine, leukocyte cops and EMS workers, expensive consultants arriving in their pink and white and canary-yellow limos, everyone riding the aortal elevator and dispersing through the arteries.

Jonathan Franzen: „The Corrections“, 2001 (p. 290)

Franzen on the Nautical Problem

As the ship sliced open the black sea east of Nova Scotia, the horizontal faintly pitched, bow to stern, as if despite its great steel competence the ship were uneasy and could solve the problem of a liquid hill only by cutting through it quickly; as if its stability depended on such a glossing over of flotation’s terrors. […] By day the sea was blue surface and whitecaps, a realistic navigational challenge, and the problem could be overlooked. By night, though, the mind went forth and dove down through the yielding … nothingness on which the heavy steel ship traveled, and in every moving swell you saw a travesty of grids …

Jonathan Franzen: „The Corrections“, 2001 (p. 211)

Franzen on Men and Women

He was the only male professor in D—— history to have taught Theory of Feminism, and he understood how important it was for women not to equate “success” with “having a man” and “failure” with “lacking a man,” but he was a lonely straight male, and a lonely straight male had no equivalently forgiving Theory of Masculinism to help him out of this bind, this key to all misogynies: To feel as if he couldn’t survive without a woman made a man feel weak. And yet, without a woman in his life, a man lost the sense of agency and difference that, for better or worse, was the foundation of his manhood.

Jonathan Franzen: „The Corrections“, 2001 (p. 46)

Bundwerk gegen Diversitas

Dietmar Dath (*1970)

Das kommt also heraus, wenn ein Marxist einen Science Fiction-Roman schreibt: Nicht schlecht, Herr Specht. Dass Dath ganz hervorragend schreiben kann, weiß ich seit Die Abschaffung der Arten aus dem Jahre 2008. Allerdings kann ich mich derzeit an keinerlei Einzelheiten aus diesem Roman mehr erinnern. Und ich fürchte, mit „Venus siegt“ (2015) wird es mir ganz genauso gehen. Komischerweise bedeutet das aber kein Qualitätsurteil – in diesem speziellen Fall.

Warum mir Dath so ausgezeichnet gefällt, obwohl inhaltlich nichts hängen bleibt, ist allerdings zu analysieren. Es erinnert mich doch an was … richtig: Die Lektüre von Diedrich Diederichsens Essay-Sammlungen „Freiheit macht arm“ (1993), „Politische Korrekturen“ (1996), „Der lange Weg nach Mitte“ (1999) und „Eigenblutdoping“ (2008). Auch hier: höchstes Amüsement, ja purer Genuss während der Lektüre, danach die große Leere.

Es gibt eine Verbindung zwischen Diederichsen und Dath und die heißt SPEX. Ersterer war dort mal Chefredakteur, zweiterer Autor. Beide gehören also der intellektuellen Gruppierung an, die ich gerne die postmoderne Linke nenne und der ich mich lange Zeit ebenfalls zurechnete, bis ich mich (wie viele andere) irgendwann vom Zeitalter flächendeckender Ironie verabschiedete.

Aber zum Roman: Gut gegen Böse, Links gegen Rechts, Kommunitarismus gegen Liberalismus, Bundwerk gegen Diversitas, Venus gegen Erde, Sowjetunion gegen Drittes Reich, … – und das äußerst varianten- und einfallsreich verkompliziert, ausdifferenziert, variiert und dekonstruiert, das ist „Venus siegt“. Immerhin ein Narrativ. Am Ende, so viel sei verraten, gibt es keinen eindeutigen Gewinner oder Verlierer, die Dinge bleiben, man ist schließlich postmodern, in der Schwebe.

Worauf sich die geneigte Leserin bei Dath einstellen muss, ist Vokabeln lernen. Der erste Teil des Romans ist als Autobiographie eines ehemaligen Bundwerk-Apparatschiks gestaltet, und der verwendet natürlich ohne Umschweife die Begriffe seiner (fiktiven) Epoche, deren Bedeutung man dann im Weiterlesen entschlüsseln muss. Gefällt mir aber, sowas. Kleine Rätselaufgaben lösen. Andere mag es abschrecken.

Eine Zilie ist bsp.weise ein aus Schwarzem Eis errichtetes öffentliches Transportsystem, in dem man sich mit oder ohne Hilfe von Inertialen bewegen kann. Neben B/ und Neukörpern können auch D/ Zilien nutzen, während K/ darauf nicht angewiesen sind.*

Ansonsten geht’s um ein Thema, das die zeitgenössische SF als Ganzes derzeit umzutreiben scheint (vgl. meine Newitz-Rezension von Anfang des Monats): die soziokulturellen Folgen einer Emanzipation Künstlicher Intelligenz. Während Newitz jenseits aller Witzischkeit dann doch letztlich als fatalistische Mahnerin und Warnerin auftrifft, lässt Dath das Ding als real existierenden Kybernismus durch äußere Gegner scheitern – und damit erneut alles in der Schwebe. Was den Leser unbefriedigt zurücklässt. Von einem ideologisch derart ambitionierten Autor erwartet man dann doch etwas mehr Vision.

Aber bei diesen postmodernen Linken weiß man – per definitionem – ja nie. Vielleicht will Dath ja auch nur spielen (bzw. dekonstruieren, was mir mitunter auf dasselbe hinauszulaufen scheint). Fragt sich nur, wie lange mir die Zeit dafür noch nicht zu schade ist.


* Schwarzes Eis Venusischer Werkstoff mit schwerkraftbeeinflussenden Eigenschaften)
Inertial Sammelbegriff für venusische Transportfahrzeuge
B/ „Biotische“, d. h. Menschen
Neukörper Experimentelle Kombinationen aus D/, B/ und K/, die die Errichtung des Freiwerks, einer Art von kybernetischem Kommunismus, vorbereiten sollen.
D/ „Diskrete“, d. h. Roboter
K/ „Kontinuierliche“, d. h. Künstliche Intelligenzen.
Was man sich genau unter Garben vorzustellen hat, habe ich aber bis heute nicht rausgekriegt.