Kalifornische Freaks mit bayerischer Corporate Identity

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Durch Zufall hatte ich erfahren, dass The Residents in Berlin auftreten würden. Ja, die Residents, jene einst mal geheimnisumwitterte New Wave-Band aus San Francisco, die nie preisgeben wollte, wer die vier Musiker sind, aus der die Band besteht.

Ich erinnere mich aber auch, dass ich damals, als die Residents so zwischen fünf und zehn Jahre alt waren, also Anfang der 80er, in einer Musikzeitung las: Inzwischen interessiert es niemanden mehr, wer sie sind. Das war die Zeit, als die frühen Platten der Band Kultstatus hatten, aber die aktuellen Werke als esoterisch und langatmig galten.

Inzwischen gibt es sie seit 40 Jahren, angeblich ist nur noch ein Gründungsmitglied dabei, ich kenne weiterhin nur drei frühe LPs von ihnen, aber ich möchte hier vor allem meine Hochachtung zum Ausdruck bringen. Die Konsequenz, mit der die Residents ihr Ding so lange durchgezogen haben, beeindruckt mich.

Das ganze Projekt war immer eine Parodie auf Rock- und Popmusik, aber es steckte auch ganz viel Eigenes, Fremdartiges drin. Die Residents sind Freaks, so wie Zappa oder andere Westküstenbewohner der USA, die das Anderssein ganz entspannt präsentieren. Das Eigentümliche scheint ihnen in die Wiege gelegt worden zu sein.

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Deshalb brauchte es auch nicht zu wundern, dass sie in Berlin Anzüge mit blau-weißen Rauten trugen und der Sänger ungelenk im Kuhkostüm tanzte. Denn bereits auf der ersten LP Meet the Residents (1974) gab es ja Bezüge zu Bayern, da dort berichtet wurde, dass die Residents ihren Sound gemeinsam mit dem Wissenschaftler N. Senada entwickelt hätten, der davor in Bayern phonetische Studien betrieben haben soll. Pioniere der Fake-Identität waren die Residents auf jeden Fall.

Im Bühnenhintergrund gab es eine große Kugel, die für die bekannten Residents-Augäpfel stand. Auf diese Kugel wurden mehrere Videos projiziert – unter anderem „Richard Nixon sings the Blues“ -, die der Sänger von Hand startete, indem er zum Beamer ging und auf einen Knopf drückte. Das beeindruckte mich, weil es so einfach war. Ebenso die Rauten im Bühnenhintergrund. Ich hielt sie zunächst für eine besonders ausgeklügelte Projektion, aber es war einfach ein großes Tuch, das Falten warf, und durch diese Falten bekamen die Rauten Plastizität.

Da ich das komplette Songrepertoire der Residents bei weiten nicht kenne, gab es beim Konzert kaum Wiedererkennungseffekte, aber es klang bekannt (Stimme, Stimmung und Intonation) und unbekannt (Sound, Songs) zugleich. Natürlich wurde das Publikum nie angesprochen oder begrüßt (Kein „Hallo, Berlin“, zum Glück!) und nur mit einer Verbeugung verabschiedet. Die Show ging ziemlich pünktlich los, die Zugabe war kurz, aber ich fand es wirklich toll. Eine schöne, fremde Welt, Freaks eben, und zwar gute!

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Kalifornische Freaks mit bayerischer Corporate Identity

The George Duke Week 6 of 7: „Feel“ (1974)


Nach dem etwas pompösen und harmonisch raffinierten Vokal-Intro erwartet man eigentlich einen schnellen Track. Stattdessen geht es wunderbar schleppend weiter und bleibt auch so bis zum Ende. Eine witzige Irreführung des Hörers.

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The George Duke Week 6 of 7: „Feel“ (1974)

The George Duke Week 3 of 7: „Dawn“ (1975)


Das Intro dieses für Dukes Verhältnisse geradezu grüblerischen Tracks (Moll!) erinnert überraschenderweise an Robert Fripp – aber auch nur dieses. Ansonsten überzeugt „Dawn“ durch seine eleganten Übergänge von improvisierten und komponierten Abschnitten. Außerdem bemerkenswert, in welchem Umfang Duke das damals noch neue Instrument Synthesizer schon afro-amerikanisiert, d. h. ihm black music-typische Expressivität (pitch bending!) aufgezwungen, hatte.

Wenn man sich dagegen anhört, wie wagnerianisch körperfremd die zur selben Zeit aktive Berliner Schule (Tangerine Dream, Klaus Schulze) den Synthesizer verwendete, glaubt man kaum, dass es sich um dasselbe Instrument handelte.

The George Duke Week 3 of 7: „Dawn“ (1975)