Drum and Bass, the Codebreaker (3 of 3): „Time Undefined“ (1995)

zum Teil 2 Es gab und gibt also jede Menge Angehörige musikalischer tribes, die das Musik-Konzept Drum and Bass aufgrund ihrer soziokulturellen Loyalitätsbedürfnisse nur als defizitär wahrzunehmen in der Lage sind. Besonders schlimm scheint mir dies bei den JazzerInnen zu sein. Sie erkennen natürlich sofort die Samples aus ihren Lieblingsplatten und werden von diesen entsprechend getriggert. Umso enttäuschter und zorniger sind sie dann, wenn kein „Solo“ kommt und stattdessen mehr oder minder amorphe ambiente Klangwolken durch den akusmatischen Raum treiben. Dieser Zorn (und ich spreche hier aus eigener Erfahrung) verstellt ihnen dann komplett den Blick für die von individualistischem Jazz-Expressionismus komplett losgelöste ästhetische Botschaft des Drum and Bass.

Drum and Bass ist, wenn man so will, „Ambient Music auf ekstatischen Beats“. Wenn, wie es bei den in dieser Mini-Reihe präsentierten Tracks m. E. nach der Fall ist, dieses Konzept aufgeht, kommt dabei Musik heraus, die zwei komplett entgegengesetzte Botschaften gleichzeitig mit gleicher Intensität aussendet, ohne diese Widersprüchlichkeit aber jemals aufzulösen. Botschaft 1 lautet: „Nimm Abstand, kontempliere, werde ruhig und betrachte die Dinge aus der Distanz!“, Botschaft 2: „Flippe aus, lass alles heraus, ohne Rücksicht auf Verluste!“

Vielleicht ist diese ungelöste und wohl auch unlösbare ästhetische Ambivalenz ein besonders reiner Ausdruck des Eigenwerts meiner Generation, der Generation X. Und die konnte sich ja bekanntlich auch nicht durchsetzen.

Duftig-zarte Sonntagslyrik von und mit R. Schuster

Der wilden Kreativität meines geschätzten Freundes und Co-Bloggers kann so ein drittklassiger Virus selbstverständlich nichts anhaben, im Gegenteil. Tiefster Zwangsquarantäne zum Trotz ersann er folgende Zeilen voller Hintersinn:

Es ist nur ein Reim
Der entwickelt den Keim
Des Gedankens
Durch semantisches Tanken
Zum nutzlosen Sinn
Dichtungsring hin
Dichtungsring her
Dichten ist schwer

Und jetzt das Ganze noch mal als Lied:

Einen schönen Sonntag noch wünscht

der Blogbetreiber

Drum and Bass, the Codebreaker (1 of 3): „Transamazonia“ (1996)

Drum and Bass als Musik-Konzept war dahingehend ein codebreaker, dass hier erstmals innherhalb der sample-basierten Clubmusik Instrumental-Tracks auftauchten, die auf synkopischen Beats aufbauten. Bis dahin (frühe 1990er-Jahre) lautete der Code: Wenn 4-to-the-floor, dann Disco bzw. Techno / House, wenn synkopische Beats, dann als Hintergrund für die mehr oder minder sozialkritischen Textmassen von ausdruckstrunkenen HipHopperInnen. Fortsetzung

Der Track heißt „Transamazonia“ und ist von LTJ Bukem. Es handelt sich um einen Remix des gleichnamigen Tracks von The Shamen.