Wittgenstein goes Hegel

A judgment counts as representing some represented object insofar as it is responsible to that object for its correctness, insofar as that object exercises authority over or serves as a standard for assessments of its correctness.

Robert Brandom

Es fehlt halt so ein bisschen der, äh, Klassenstandpunkt.

Lem über das Rätsel des Kosmos 2 von 2

Wir würden uns nicht wundern über die Welt, wenn wir das Leben als etwas Zufälliges betrachten könnten, das aufgrund des Gesetzes der großen Zahl ad hoc, aber ohne die Vorkehrungen, von denen die Bedingungen des kosmischen Anfangs zeugen, entstanden ist. Wir würden uns gleichfalls nicht wundern über die Welt, wenn ihre Fähigkeit, Leben zu zeugen, nichts zu tun hätte mit ihrer Fähigkeit, Leben zu zerstören. Wie aber sollen wir verstehen, dass beide eins sind?

Stanisław Lem: „Also sprach GOLEM“, 1981 (S. 185-186)

Lem über das Rätsel des Kosmos 1 von 2

Wenn wir den Kosmos in die Kategorie des Zufalls stecken wollen, so widerspricht dem die Präzision, mit welcher in den Anfängen des Kosmos die Proportionen zwischen … den unzähligen physikalischen Konstanten ausgewogen wurden, Konstanten, die so aufeinander abgestimmt sind, dass sie … die Synthese von Elementen ermöglichten, die … imstande sind, … sich … letzten Endes zu Körpern und zu Gehirnen zu vereinigen. Wollen wir jedoch den Kosmos in die Kategorie der Technik stecken und ihn damit einer Vorrichtung gleichsetzen, die an der Peripherie langlebiger Sterne Leben hervorbringt, so widerspricht dem die zerstörerische Vehemenz der kosmischen Transformationen.

Stanisław Lem: „Also sprach GOLEM“, 1981 (S. 184-185)

M. a. W.: Sollte der Kosmos Zufall sein, so wäre er ein so unwahrscheinlicher, dass das kein Zufall mehr sein kann. Sollte er aber eine Maschine sein, so wäre es eine mit so miserablem Wirkungsgrad, dass sich ihre Konstrukteurin für den Rest ihres Lebens dafür schämen müsste.

Flusser über Kommunikologie als Theologie

Vielleicht ist die Kommunikationslehre in der Zukunft jenes Gebiet, das im Mittelalter von der Theologie eingenommen wurde. Vielleicht ist es das Gebiet eines neuen postreligiösen Glaubens.

Vilém Flusser: „Bochumer Vorlesungen“, 1991 (S. 24)

Anm. „Kommunikologie“ hat Flusser seine eigene Variation einer Kommunikationslehre gennannt.

Der Blogbetreiber meint Das hätte er wohl gerne gehabt, der Flusser: Das neue, selbst-designte heuristische Konzept zur Super-Weltanschauung erklären und damit sich selbst zum postreligiösen Papst. Dessen Autorität, ganz wie im Mittelalter, dann per definitionem von keinerlei Alterität mehr infrage gestellt werden könnte. Wie immer bei Flusser ist diese Übersteigerung natürlich auch ein geistreicher Witz. Andererseits: Die Hybris und immense Wirksamkeit so mancher „KommunikationsdesignerInnen“ (vgl. die Formulierung „alternative Fakten“) macht mich schon manchmal gehörig schaudern.

Flusser über die Folgen der Explosion naturwissenschaftlichen Wissens

Es gibt einen Dialog, vor allen Dingen in den Disziplinen der Naturwissenschaften, von dem der größte Teil der Menschheit ausgeschlossen ist. Daher kann in unserer Situation von einer Demokratie überhaupt keine Rede sein. Diese Behauptung ist reine Demagogie. Selten war die Kultur so elitär strukturiert wie gegenwärtig.

Vilém Flusser: „Bochumer Vorlesungen“, 1991 (S. 40-41)