Video der Woche : KW 10 : Harari erklärt die Welt

Merkwürdig, ständig läuft es einem kalt den Rücken runter, wenn man den wohlartikulierten Analysen dieses Universalhistorikers folgt. Dennoch hat man nicht den Eindruck, einen der üblichen Kulturpessimisten oder gar Apokalyptiker vor sich zu haben. Ist es Ausweis seiner gedanklichen Kraft, genau dieses Ambivalenzgefühl hervorrufen zu können? Nun, auch wenn man ihm nicht in Allem folgen mag, mitreißend und charismatisch ist Harari in jedem Fall:

Video der Woche : KW 10 : Harari erklärt die Welt

Fragment of a Theory of Musical Improvisation

evans
Philosopher Gareth Evans (1946 – 1980), obviously a man of the 1970s 😉

The following reflections were inspired by José Bermúdez‘ and Arnon Cahen’s article Nonconceptual Mental Content for the Stanford Encyclopedia of Philosophy, Version 2015-08-07. That’s why I’m writing in English here. The idea of „Nonconceptual Mental Content“ was brought up in the 1970s by the largely unknown British philosopher Gareth Evans, who died in 1980 at the age of 34. He also remarkably discussed the impossibility of „ontological vagueness“.

Improvising music is a conscious outlet of states of mind that are nonconceptual. This is not to confuse with „unconscious“ contents of mind that „want to be“ expressed or „are looking for“ expression, like psychodynamic or psychoanalytic models would name it.

All one can express in a musical improvisation is based on past and processed perceptions of the mind. But these varied perceptions were experienced completely independent of „having“ any concept for them. They were qualia, „individual instances of subjective, conscious experience.“ (Wikipedia). So – for me – qualia are the universal basis of musical improvisation, hence for my compositions.

Qualia are neither simple nor complex, they can’t be quantized. But they are also not mystic or metaphysical or a hint to some otherwordly entity. They just occur or emerge when a contingent embodied mind (mine e. g.) sees / feels / hears / tastes / smells etc. something that he believes to be not a part of his own system (a thought is not a quale).

Nonconceptualists argue that, while propositional attitudes represent the world in digital form, perceptual states represent the world in analog form. If this and the above said is true, producing a piano improvisation is literally a process of „qualia digitalization“.

Fragment of a Theory of Musical Improvisation

Nussbaum über Putnam

putnamPutnam knew physics like virtually nobody else in the field, and so he also knew that it was fatal to reduce philosophy to physics […] I remember a … course he taught at Harvard … entitled “Non-Scientific Knowledge.” It covered ethical knowledge, aesthetic knowledge, and religious knowledge, and Putnam showed the folly of imagining that physical reductionism could replace those normative subjects.

Martha C. Nussbaum: Hilary Putnam (1926 – 2016) (www.huffingtonpost.com 2016-03-14)

Hilary Putnam?

Nussbaum über Putnam

Lehmann in Berlin

covergehaltVideodoku der Präsentation von Harrys brillantem neuem Buch „Gehaltsästhetik“ am vergangenen 11. Februar in Berlin-Charlottenburg, an dem ich als Lektor und „erster Leser“ (H.L.) beteiligt war. Die überaus freundlichen Gastgeber waren Sarah & Jascha Nemtsov.

Ich habe an diesem Abend auch ein wenig mitdiskutiert und außerdem im Laufe der Veranstaltung 10 Bücher für den Autor verkaufen können, was für ein so „hartes“ philosophisches Werk gar nicht mal schlecht ist 🙂

„Gehaltsästhetik“ rekonstruiert die europäische Kunstgeschichte ab ovo mit gestaltpsychologischen und systemtheoretischen Mitteln und analysiert zentrale Werke der Bildenden Kunst der letzten Jahrzehnte von Ai Weiwei, Damien Hirst, Luc Tuymans u. a. gegen den Strich als „gehaltsästhetisch“ (=post-formalistisch und auf soziokulturellen Impact hin optimiert). Weiterhin werden Bedingungen der Möglichkeit valider gehaltsästhetischer Kunst heute formuliert.

Das Video wurde praktischerweise mit Untertiteln versehen, so dass man erkennen kann, wer aus dem Publikum gerade Fragen stellt, auch wenn die betreffende Person nicht im Bild zu sehen ist. Es gliedert sich folgendermaßen (Zeitangaben gerundet):

  • Begrüßung durch die Gastgeberin: 0:00 – 1:30
  • Der Autor präsentiert sein Buch: 1:30 – 45:00
  • Gedankenaustausch zwischen dem Autor und dem Kunsthistoriker Christian Demand 45:00 – 1:04:00
  • Der Autor stellt sich Fragen des Publikums 1:04:00- 1:19:00

Leseprobe (PDF)
Gehaltsästhetik@Wilhelm Fink
Gehaltsästhetik@amazon.de
Gehaltsästhetik@ebook.de

Lehmann in Berlin

1964: Hannah Arendt lässt sich von Herrn Gaus befragen

Von ihren theoretischen Arbeiten mag man halten, was man will (ich kenne sie nicht wirklich), aber, um mich mal hiphopdeutsch auszudrücken, Eier hatte die Frau zweifellos ohne Ende. Außerdem berlinerte sie überraschend deutlich („jesagt“ statt „gesagt“), verstand sich auf tatsächlich lässiges, weil vollkommen beiläufiges Rauchen und stand zahnkosmetischen Eingriffen ganz offenbar eher skeptisch gegenüber. Ok, heute wirkt das vermutlich noch wesentlich nonkonformistischer als 1964, aber trotzdem: Wow, so stelle ich mir den public intellectual vor – selbstbewusst, aber nicht arrogant, kontrolliert, aber nicht aalglatt, reflektiert, aber nicht gefühlsarm.

P.S.: Allein die Episode, wie sie einst einen naiven Polizeikommissar becircte und so vermutlich ihr Leben rettete, ist dieses Interview wert. So sah Arendt übrigens als junge Frau aus:
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Hannah Arendt?

1964: Hannah Arendt lässt sich von Herrn Gaus befragen